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Review

Marvel’s Midnight Suns im Test: XCOM trifft auf Superhelden

Von Daniel Walter am 7. Dezember 2022
Publisher: 2K Games
Release: 2. Dezember 2022
Genre: Strategie
Entwickler: Firaxis Games
Verfügbar für: PC | PS5 | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 12

Marvel’s Midnight Suns kombiniert das beliebte Comic-Universum mit taktischen Kämpfen im XCOM-Stil und bringt damit frischen Wind in das von Action-Adventures dominierte Superhelden-Genre. Wie uns das Helden-Spektakel mit zahlreichen bekannten Gesichtern auf der PS5 gefallen hat, verraten wir euch im Test.

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Werdet zum Helden

Bevor es richtig losgeht, wählen wir zunächst einen Schwierigkeitsgrad nach unserem Geschmack und finden hier neben dem sehr gnädigen Handlungs-Modus mit Fokus auf der Story auch eine normale sowie zwei weitere anspruchsvollere Schwierigkeitsstufen, die auf die Namen Heldentat und Ultimativ hören. Die letzteren beiden sind jeweils in drei weitere Unterstufen untergliedert, die sich sowohl in den Boni und EP, die es zu gewinnen gibt, als auch in der Angriffsstärke und der Gesundheit der Gegner unterscheiden. Darüber hinaus sinkt mit steigendem Schwierigkeitsgrad auch die Anzahl an Wiederbelebungen, die uns pro Mission zur Verfügung stehen. Zunächst müssen wir uns allerdings auf die beiden einfacheren Stufen beschränken, denn die übrigen Herausforderungen schalten wir erst durch unseren Fortschritt im Spiel frei. Hier bietet Midnight Suns also eine große Bandbreite an Spieloptionen, sodass sowohl Genre-Neulinge als auch alteingesessene Taktikexperten auf ihre Kosten kommen sollten.

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Im Rahmen einer (optionalen) Tutorial-Mission können wir uns direkt im Anschluss mit dem Spielprinzip vertraut machen. Außerdem erfahren wir an dieser Stelle erste Details zum Storyrahmen, als wir Doktor Faustus und weitere Anhänger von Hydra bei einem mystischen Ritual beobachten, mit dem sie die mächtige Lilith wiedererwecken und damit die Midnight Sun beschwören möchten. Wie zu erwarten war, verläuft das Experiment nicht nach Plan und Lilith wendet sich nach der Erweckung gegen ihre Erlöser und ist fortan auf freiem Fuß. Nach einem Zeitsprung von sechs Monaten wird klar, dass das Ritual nichts Gutes hervorgebracht hat und die Hölle über die Welt hereinbricht. Wir treffen auf die ersten bekannten Helden, in diesem Fall den Ghost Rider, Iron Man und Doktor Strange, und dürfen mit den letzten beiden auch direkt einen ersten Kampf gegen höllische Kreaturen bestreiten, um die Steuerung und den Ablauf der rundenbasierten Gefechte kennenzulernen. Im weiteren Spielverlauf begegnen wir auch noch vielen weiteren berühmten Marvel-Figuren, von Captain Marvel, über Scarlett Witch, bis hin zu Blade oder Spider-Man. Die beliebten Superhelden sind bei ihrem Kampf gegen die dämonische Lilith allerdings auf zusätzliche Unterstützung angewiesen und entscheiden sich dafür, jemanden zu erwecken, der es schon einmal mit Lilith aufgenommen hat, nämlich ihren eigenen Nachkommen. Hier kommen wir ins Spiel, denn mit Hunter, der wahlweise männlich oder weiblich sein kann, entwerfen wir unseren eigenen Helden, der an der Seite der großen Vorbilder in die Schlacht zieht. Bei der Charaktererstellung stehen uns einige, wenn auch nicht übermäßig viele, Individualisierungsoptionen zur Wahl, von unterschiedlichen Körperbauten und Gesichtsformen, über verschiedene Haar-, Haut- und Augenfarben, bis hin zu diversen Frisuren und Bärten, die wir übrigens auch unabhängig vom gewählten Geschlecht einsetzen können.

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Eine gute Taktik ist gefragt

Bei den Kämpfen setzt der Titel auf ein Kartensystem, das in ähnlicher Form auch in einem Brett- oder Tabletop-Spiel vorkommen könnte. Vor jeder Mission wählen wir aus unseren verfügbaren Helden drei Vertreter für unser Team aus und stellen für jede Figur ein Deck aus unterschiedlichen Karten zusammen, aus dem unsere Hand im Kampf zufällig ausgewählt wird. In den rundenbasierten Gefechten dürfen wir pro Runde drei Aktionen ausführen, die wir auf verschiedene Kartentypen verteilen können. Hier stehen neben Angriffen und Skills auch Heldentaten zur Wahl, die unterschiedliche Effekte und Auswirkungen auf den Gegner haben. Mit Angriffskarten verursachen wir erwartungsgemäß Schaden bei unseren Widersachern und können diese, je nach Karte, außerdem zurückwerfen oder betäuben, um zusätzliche Vorteile zu erwirken. So ist es beispielsweise möglich, mit einem Rückstoß, dessen Richtung wir auch steuern können, weitere Feinde oder Objekte in der Umgebung zu treffen und den Schaden dadurch zu maximieren. Weiterhin generieren wir mit jedem Angriff und auch mit dem Einsatz von Skills wichtigen Heldenmut, der zum Ausspielen der mächtigen Heldentaten nötig ist. Dieser bietet uns aber noch weitere Vorteile und lässt uns beispielsweise Gegenstände auf dem Schlachtfeld, wie herumliegende Felsen oder auch diverse Einrichtungselemente, für einen Angriff nutzen, ohne dass dies als Aktion gilt. Verfügen wir über genug Heldenmut, dürfen wir also zusätzliche Attacken einsetzen, die über die klassischen drei Aktionen hinaus gehen.

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Mit einem Zielmarker können wir das gesamte Schlachtfeld, das räumlich übrigens stark begrenzt ist, überblicken und dabei einen gewünschten Gegner auswählen. Sind unsere Aktionen aufgebraucht und alle möglichen Karten gespielt, ist unser Zug beendet und der Gegner ist an der Reihe. Die von uns ausgespielten Aktionen werden nach der Nutzung abgelegt, sodass wir beim nächsten Zug auf eine neue Hand zurückgreifen können. Außerdem haben wir die Möglichkeit, pro Runde eine oder auch mehrere unerwünschte Karten auszutauschen, indem wir eine neue zufällige Spielkarte ziehen, die uns mit etwas Glück neue Handlungsoptionen bietet. Darüber hinaus dürfen wir auch Karten für spätere Aktionen aufheben, indem wir sie nicht ausspielen und dadurch auf der Hand behalten. Um den gegnerischen Truppen Herr zu werden, müssen wir eine gute Taktik verfolgen und unsere verfügbaren Aktionen sinnvoll nutzen. Unterschiedliche Gegnertypen erfordern hierbei ein überlegtes Vorgehen, gerade im Hinblick auf den Einsatz der mächtigen Heldentaten, die oftmals großen Schaden verursachen oder auch mehreren Feinden auf einmal zusetzen. Vergeuden wir eine solche Attacke zum Beispiel an schwache Schergen, die quasi mit jedem beliebigen Angriff ausgeknockt werden können, stehen sie uns bei den deutlich gefährlicheren Elite-Gegnern oder auch bei den echten Superschurken nicht mehr zur Verfügung. Die stärkeren Feinde erkennen wir an ihrem Gesundheitsbalken über dem Kopf, den das gewöhnliche Fußvolk nicht besitzt, und die bekannten Marvel-Bösewichte werden ohnehin mit einem speziellen Intro angekündigt. Bei unserer Planung sollten wir zudem einen Blick auf die äußerst hilfreiche Zielvorschau werfen, die zeigt, welchen unserer Helden die verschiedenen Feinde ins Visier genommen haben. Dadurch können wir gezielt einzelne Gegner angreifen, um geschwächte oder stark bedrohte Mitglieder unseres Teams zu beschützen, oder auch Skills zur Heilung oder Unterstützung beim Blocken verwenden und so wichtige Vorkehrungen für einen bevorstehenden Angriff treffen. Auch, wenn unsere Charaktere eigentlich statisch auf dem Schlachtfeld stehen, können wir mithilfe von Manövern einmal pro Zug ihren Standort anpassen, zum Beispiel, um einen Feind in Reichweite unserer nächsten Attacke zu bringen.

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Atmosphärische Schlachtfelder und eine stimmige Inszenierung

Die einzelnen Angriffe und Aktionen werden im Rahmen einer kurzen Sequenz dargestellt, was dem Heldenspektakel insgesamt eine stimmige Präsentation verleiht. Dabei kommen die besonderen Fähigkeiten der einzelnen Helden und auch ihre spezielle Aura sehr gut zum Tragen, wodurch wir uns direkt in einen Marvel-Film versetzt fühlen, wenn Doctor Strange beispielsweise von seinen magischen Symbolen umgeben ist oder Iron Man die markanten Schusswaffen seines Anzugs einsetzt. Auch sind die verschiedenen Charaktere zu jeder Zeit klar zu erkennen, woran auch die etwas comichafte Darstellung nichts ändert. Insgesamt ist Marvel’s Midnight Suns aber wahrlich kein Action-Feuerwerk, sodass der Schwerpunkt hier klar auf dem Genre und deutlich weniger auf der für imposante Inszenierungen bekannten Marvel-Lizenz liegt. Dialoge und kurze Kommentare, die auch während der Kämpfe immer wieder auftauchen, untermauern die Darstellung der unterschiedlichen Figuren und geben ihnen die typische Ausstrahlung aus den Filmen. In den Gesprächen dürfen wir hier und da auch zwischen mehreren Dialogoptionen wählen und werden somit aktiv in die Geschichte eingebunden, was die Verbindung zu den Figuren und auch zur Handlung zusätzlich verstärkt. Der markante Marvel-Humor kommt im Spiel ebenfalls nicht zu kurz, sodass wir uns unter anderem auf einige blöde Sprüche von Iron Man freuen dürfen. Die überzeugende Synchronisation trägt einen wichtigen Teil zur glaubhaften Superhelden-Stimmung bei, ebenso wie die eindringliche musikalische Untermalung mit hochwertigen und abwechslungsreichen orchestralen Klängen, die so auch in den Kinofilmen auftauchen könnten.

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In den Zwischensequenzen, die ohne Zweifel eine dichte Atmosphäre besitzen und der Handlung auch einen sehr guten optischen Rahmen geben, und auch im Spiel selbst zeigt sich dann aber doch ein deutlicher Unterschied zu den bereits erwähnten Action-Adventures mit Marvel-Lizenz, denn eine realitätsnahe Mimik und rundum zeitgemäße Optik eines Spider-Man sucht man hier vergebens. Der Fokus von Midnight Suns liegt ganz klar auf den vielseitigen und auch anspruchsvollen taktischen Kämpfen und definitiv nicht auf einer beeindruckenden Grafik mit Realismusanspruch, denn hier spielt der Titel nicht in der obersten Liga und präsentiert sich eher  leicht angestaubt. Dennoch wissen die räumlich eingeschränkten Schlachtfelder ohne Zweifel zu begeistern, denn hier passiert abseits des Kampfgeschehens jede Menge. So beobachten wir Pflanzen, die sich im Wind bewegen, Tiere, die durch das Bild huschen, oder auch gelungene Rauch-, Licht- und Schatteneffekte, die die Umgebung lebendig wirken lassen. Darüber hinaus wurde auch der etwas weiter entfernte Hintergrund detailliert gestaltet und lässt uns Gebäude und Landschaften erkennen, die weit außerhalb unserer Reichweite liegen. Schön ist auch, dass die Attacken sichtbaren Schaden in der Umgebung anrichten und die Schlachtfelder dadurch dynamischer machen. Zwischen den Kämpfen bewegen wir uns in klassischer Third-Person-Ansicht durch unser recht offen gestaltetes Hauptquartier und können auf diese Weise mit der Umgebung interagieren oder mit Verbündeten sprechen, zum Beispiel, um die Handlung voranzutreiben, um das Team besser kennenzulernen oder auch, um zu neuen Missionen aufzubrechen.

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Fazit:

Marvel’s Midnight Suns ist kein gewöhnliches Superhelden-Spiel, so wie wir es aus den letzten Jahren kennen, zum Beispiel in Form von Spider-Man, Avengers oder auch der Arkham-Reihe. Statt auf offene Welten und Prügel-Action setzt Midnight Suns auf Rundenstrategie im XCOM-Stil und wählt hierfür ein durchdachtes, übersichtliches und relativ schnell zu verinnerlichendes kartenbasiertes Kampfsystem. Dieses wird ergänzt durch eine gelungene Inszenierung der Angriffe und der Schauplätze, die zumindest einen Hauch der Helden-Action versprühen, die man von einem Marvel-Titel erwarten würde. Insgesamt sollte man sich aber in jedem Fall darüber im Klaren sein, dass der Titel grafisch und auch in Bezug auf die gebotene Action deutlich kleinere Brötchen backt, als die oben erwähnten Titel, denn wer hier Marvel liest und epischen Helden-Bombast erwartet, wird möglicherweise etwas enttäuscht sein. Die Kombination aus Superhelden-Spiel und der recht behäbigen Stimmung eines Brett- oder Tabletop-Spiels funktioniert dennoch überraschend gut, zumindest dann, wenn man gewillt ist, sich darauf einzulassen. So liegt bei Midnight Suns am Ende der Fokus definitiv mehr auf dem Genre als auf der Marvel-Lizenz, auf den typischen Humor des Comic-Universums sowie auf eine ganze Riege an bekannten Heroes und Schurken mitsamt eigenem Superhelden müssen wir aber dennoch nicht verzichten.

Pro:
  • Gut strukturiertes Karten-Kampfsystem
  • Große Anzahl an Helden und Schurken aus dem Marvel-Universum
  • Wir kämpfen auch mit einem individuellen Charakter
  • Stimmungsvolle Schauplätze für die rundenbasierten Kämpfe
  • Story wird anhand von Dialogen und gut inszenierten Sequenzen erzählt
  • Bekannter Marvel-Humor mit an Bord
Contra:
  • Grafisch leicht angestaubt, gerade mit Blick auf die Gesichter und die Bewegungen
  • Aufgrund der rundenbasierten Kämpfe nur wenig echte Helden-Action außerhalb der Sequenzen
  • Kämpfe wirken insgesamt recht statisch und etwas steif
  • Eher für leidenschaftliche Taktiker als für Fans imposanter Marvel-Filme geeignet
Story
3 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS5

Unsere Wertung:

7.5 / 10
Ein begeisterter Konsolenspieler mit einem breit gefächerten Interessengebiet. Neben Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty gehören auch Action-Adventures wie klassische Assassin's Creeds, die Batman-Arkham-Reihe oder The Last of Us Part 1/2 zu den bevorzugten Titeln. Hinzu kommen Survival-Games wie ARK, Horror-Klassiker a la Resident Evil sowie Open-World-Abenteuer im Stile von Far Cry oder Red Dead Redemption. Sport-Franchises wie FIFA oder Tour de France erweitern das Interessenfeld, ebenso wie sämtliche Titel aus dem Star-Wars-Universum.

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