

Metroid Prime 4: Beyond im Test: Würdige Rückkehr von Samus Aran?
Metroid Prime ist nach einer Wartezeit von 18 Jahren endlich zurück. Metroid Prime 4: Beyond ist auf der Nintendo Switch und Switch 2 erschienen und die Rückkehr der legendären Science-Fiction-Reihe ist so kontrovers wie erwartet. Man kann darüber streiten, ob Beyond die Erwartungen erfüllt oder ein verpasster Meilenstein ist, aber eins ist klar: Samus Aran ist zurück und das mit einer großen Ambition.

Nicht da wo es geendet hat und doch bekannt
Die Story von Beyond setzt Samus auf dem geheimnisvollen Planeten Viewros aus, wo sie uralte Ruinen, fremdartige Technologien und neue Bedrohungen entdeckt. Die Erzählung ist stärker inszeniert als in früheren Prime-Teilen, mit mehr Dialogen und einer Reihe von Begleitfiguren, die jedoch nicht immer überzeugen und gelegentlich die Immersion stören. Samus’ neuer Sidekick, Myles MacKenzie, sorgt bei vielen Spielern für Frust, weil er häufige und teils überflüssige Kommentare abgibt, was die sonst dichte Atmosphäre bricht. Insgesamt reicht die Story über solide Sci-Fi-Motivation hinaus, bleibt aber hinter den epischen Erwartungen zurück, die Fans nach fast zwei Jahrzehnten hegen. Neu für die Prime-Reihe ist, dass Samus stärker in einen größeren Konflikt eingebunden wird, der nicht nur von außen auf sie einwirkt, sondern auch Fragen zu ihrer eigenen Rolle als Jägerin aufwirft. Ohne ihre stoische Natur aufzugeben, erlaubt sich das Spiel mehr Einblicke in ihre Perspektive, etwa durch visuelle Inszenierung, subtile Rückblenden und symbolische Szenen. Das wirkt nie aufdringlich, verleiht der Geschichte aber mehr emotionales Gewicht als frühere Teile. Die Erzählweise bleibt dabei typisch Metroid: Wer sich Zeit nimmt, die Welt zu erkunden, Texte zu scannen und Details in der Umgebung zu lesen, wird mit einer deutlich dichteren und kohärenteren Geschichte belohnt. Spieler, die sich hauptsächlich auf den spielerischen Fortschritt konzentrieren, bekommen hingegen eine funktionale, aber bewusst fragmentierte Story präsentiert. Größere Wendepunkte werden wirkungsvoll inszeniert, ohne ihre Überraschungseffekte durch übermäßige Erklärungen zu verwässern.


Metroid: Ballern und Rätseln all inclusive
Im Kern bleibt Metroid Prime 4: Beyond ein klassisches First-Person-Action-Adventure, das Erkundung, Kampf und Rätsel eng miteinander verzahnt. Samus bewegt sich durch weitläufige, miteinander verbundene Areale, die sich erst nach und nach öffnen, sobald neue Fähigkeiten freigeschaltet werden. Das Leveldesign setzt stärker als zuvor auf mehrere Lösungswege und optionale Abzweigungen, wodurch Erkundung belohnt wird, ohne den roten Faden aus den Augen zu verlieren. Backtracking ist weiterhin ein zentrales Element, fühlt sich dank intelligenter Abkürzungen und späterer Schnellreiseoptionen jedoch weniger sperrig an als in früheren Teilen.

Die Rätsel selbst sind abwechslungsreicher als in früheren Prime-Teilen. Klassische Schalter- und Morphball-Passagen sind weiterhin vorhanden, werden aber häufig mit neuen physikalischen oder energetischen Mechaniken kombiniert. Viele Aufgaben drehen sich um das Umlenken von Energie, das Manipulieren der Umgebung aus verschiedenen Blickwinkeln oder das clevere Zusammenspiel mehrerer Fähigkeiten. Besonders in späteren Abschnitten verlangen Rätsel ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und das bewusste Kombinieren von Waffen, Scanner und Bewegung. Dabei bleibt das Spiel fair, da visuelle Hinweise klar kommuniziert werden und Fehlschläge selten frustrieren. Auch die Steuerung zeigt sich flexibel und modernisiert. Auf der Switch 2 unterstützt Metroid Prime 4: Beyond sowohl klassische Dual-Stick-Steuerung als auch eine optionale Bewegungssteuerung, die vor allem beim Zielen zusätzliche Präzision erlaubt. Diese lässt sich fein justieren oder komplett deaktivieren, sodass sowohl Puristen als auch experimentierfreudige Spieler auf ihre Kosten kommen. Besonders im Kampf gegen schnelle oder schwachstellenbasierte Gegner fühlt sich die Steuerung responsiv und präzise an. Samus’ Bewegungen wirken schwerelos und kraftvoll zugleich, was das typische Prime-Gefühl hervorragend transportiert. Doch der neue Open World-Ansatz mit einem weitläufigen Wüstendelta und dem Motorrad-Vi-O-La bringt gemischte Gefühle. Während einige Abschnitte erfrischend anders wirken, fühlen sich große Strecken zu leer und repetitiv an, und das oft nötige Hin- und Herreisen dämpft das Erkundungsgefühl. Gegner- und Bossdesign sind größtenteils herausfordernd und gut inszeniert, aber die Abwechslung könnte größer sein.

Schön wie nie
Visuell zeigt sich Metroid Prime 4: Beyond als konsequente Weiterentwicklung der Serienidentität. Der Grafikstil setzt weniger auf pure technische Effekthascherei als auf eine klare, atmosphärische Bildsprache, die Einsamkeit, Fremdartigkeit und Bedrohung vermittelt. Die Spielwelt wirkt organisch und glaubwürdig, mit klar unterscheidbaren Biomen, die sich nicht nur farblich, sondern auch strukturell voneinander abheben. Dichte Dschungelareale und sterile Forschungsanlagen erzählen bereits durch ihr Design Geschichten, ohne dass Worte nötig wären. Es lässt sich eine durchgehende künstlerische Handschrift erkennen. Besonders auf der Switch 2 hinterlässt das Spiel visuell einen starken Eindruck, selbst wenn einige offene Flächen weniger inspirierend wirken.

Das Artdesign der Gegner und Bosse bleibt der Metroid-Tradition treu und kombiniert biomechanische Formen mit fremdartiger Ästhetik. Viele Kreaturen wirken weniger wie klassische Feinde, sondern wie ein natürlicher Teil der Umgebung, was die Immersion zusätzlich verstärkt. Auch Samus selbst profitiert von einem überarbeiteten Design ihres Anzugs, ohne seine ikonische Silhouette zu verlieren. Kleine visuelle Rückmeldungen, etwa bei Schadenszuständen oder dem Einsatz spezieller Fähigkeiten, sind klar ablesbar und fügen sich nahtlos ins HUD ein.

Auch das Audio weiß zu gefallen: Der Soundtrack untermalt die Stimmung hervorragend, von spannungsgeladenen Bosskämpfen bis zu stillen Erkundungsmomenten. Soundeffekte und technische Audioarbeit tragen zur immersiven Stimmung bei, auch wenn einzelne gesprochene Dialoge und die Stimmen mancher NPCs nur bedingt beitragen.
In puncto Performance überzeugt besonders die Switch 2-Edition: Stabile 60 FPS in 4K-Auflösung mit HDR im Qualitätsmodus und bis zu 120 FPS im Performance-Modus sorgen für einen flotten, reaktionsschnellen Ablauf. Auf der Original-Switch läuft das Spiel ebenfalls solide, muss jedoch bei Auflösung und Effekten kleinere Abstriche machen und nicht so hohe Frameraten produzieren. Die Ladezeiten überraschen ebenfalls durch ihre Kürze.

Fazit
Metroid Prime 4: Beyond ist ein mutiger, technisch reifer und in vielen Momenten faszinierender Eintrag in die Prime-Reihe, der klassische Stärken mit neuen Ideen verbindet. Metroid Prime 4: Beyond meistert den schwierigen Spagat zwischen Erwartungshaltung und Erneuerung. Das Spiel bleibt den Wurzeln der Prime-Reihe treu und setzt weiterhin auf dichte Atmosphäre, methodische Erkundung und ein bewusst entschleunigtes Gameplay, traut sich aber gleichzeitig, bestehende Systeme auszubauen und neue Akzente zu setzen. Nicht jede Idee zündet sofort, und manche Designentscheidungen wirken stellenweise etwas zu vorsichtig oder zu experimentell zugleich, doch insgesamt entsteht ein rundes, in sich stimmiges Erlebnis. Metroid Prime 4: Beyond ist kein radikaler Neuanfang, sondern eine durchdachte Weiterentwicklung, die vor allem Fans der Serie abholt. Wer Geduld, Entdeckerdrang und Freude an subtiler Erzählweise mitbringt, bekommt ein Abenteuer, das lange nachhallt. Für Neueinsteiger ist es ein zugänglicher, wenn auch fordernder Einstieg in die Welt von Samus Aran – für langjährige Anhänger eine Rückkehr, die sich trotz kleiner Schwächen wie ein würdiges Comeback anfühlt.
- Smoothe Steuerung
- Bombastische Optik
- Ineinandergreifende Rätselmechaniken
- Alternative Maussteuerung
- Stellenweise leere Welt
- Hinweise auf noch benötigte Fähigkeiten zu subtil
- Plötzlich tauchen ganze Horden von Gegnern auf

Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.



