Review

Project Cars 3 – gelungener Neustart für die Serie?

Von Marvin Kolb am 22. September 2020
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Release: 25. August 2020
Genre: Rennspiel
Entwickler: Slightly Mad Studios
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 0

Gerade als sich Project Cars mit dem zweiten Teil zu einer ernstzunehmenden Simulation entwickelte, schlägt die Serie einen neuen Kurs ein. Ob das die Fans in zwei Lager spaltet, oder frischen Wind in die Serie bringt, gilt es nun herauszufinden.

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Never Change a winning system

Project Cars 2 konnte durchweg gute bis sehr gute Kritiken einfahren. Simulationsgrad, Karriereaufbau und die schöne Grafik wurden immer wieder hervorgehoben und schienen die Serie auszumachen. Nun aber erscheint Project Cars 3 und Entwickler Slightly Mad Studios will den Fahrspaß auf Kosten des Simulationsanteils verbessern. Dass man hiermit die ersten richtigen Fans der noch jungen Reihe vergraulen könnte nimmt man in Kauf. Es wirkt auf mich, als wolle man sich einem breiteren Publikum öffnen. Dass dies zu Lasten einer der größten Stärken des Vorgängers geht, ist gewagt.

Als Neueinsteiger in die Serie wird man im Spielverlauf mit einer Auswahl an 211 Autos konfrontiert. Hier haben die Entwickler nicht gespart und eine mehr als nette Auslese getroffen. Die Rennboliden sind schön anzusehen und versprühen allesamt ihren eigenen Charme. Die Bandbreite der verschiedenen Autotypen ist wirklich beeindruckend.

Neben über 120 Rennstreckenvariationen gibt es nun einige Aufgaben, die den Spieler im Level steigen und damit bessere Autos erspielen lassen.

Hierunter finden sich Time Trials genauso wie anfangs recht spaßige Fahrten durch Schaumstoffhindernisse. Dass hier die Simulationswurzeln der Serie vollkommen fehlen, vergisst man schnell. Anfangs machen diese kleinen, arcadigen Herausforderungen nämlich eine Menge Spaß. Doch ebenso schnell nutzen sich die Challenges ab und man wünscht sich die spielerische Tiefe der Simulation zurück.

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Vom Sonntagsfahrer zum Champion

Die Karriere nimmt den Spieler an die Hand und durchläuft mit ihm den Werdegang vom Wochenendfahrer hin zur Rennsportlegende. Für Neueinsteiger ist das sicherlich eine interessante Option, da man hier langsam seine Fähigkeiten steigern kann und sich immer mehr in das Spiel einfindet. Schnell stellt sich aber heraus: man arbeitet stumpf Challenges ab um sich Auto XY zu erarbeiten, denn die Boliden stehen nicht von Anfang an zur Verfügung. Wer Spaß daran findet, sich ein Auto nach dem anderen zu erspielen, der wird hier sicherlich eine ordentliche Spielzeit finden.

Neben XP gilt es Credits zu erarbeiten, um diese wieder in Performance-Upgrades, die optische Aufbesserung der Fahrzeuge oder des eigenen Charakters zu investieren. Leider ist das, was man von seinen gewonnenen Credits kauft, oft einfach nur eine Aufhübschung, die kaum bis gar keinen Einfluss auf das Fahrgefühl hat. Die Auswahl an Marken und optischen Veränderungen ist dabei eher auf die wirklichen Rennfans, und somit wahrscheinlich die Simulationsliebhaber, zugeschnitten. Arcade-Spieler dürften die vielen kosmetischen Optionen nur wenig reizen.

Fordernd und spannend ist es jedoch, den eigens erstellten Charakter dann zu leveln und zu einem Meister des Rennsports zu trainieren. Die Karriere zieht sich an einigen Stellen ein wenig, ist aber ein netter Motivator fürs Weiterspielen. Eine solche Karriere hätten sich einige Spieler schon für die Vorgänger gewünscht.

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Schnelle Erfolge oder spielerischer Tiefgang?

Ob man mit dem Spiel Spaß hat, hängt vor allem davon ab, welcher Spielertyp man ist. Als Simulationsliebhaber und Fan der alten Spiele wird man hier sicherlich enttäuscht, denn das optische Upgraden und Freispielen der Boliden bietet eher repetitives Abarbeiten, statt gekonnt eingesetzter Fähigkeiten. Wer aber einen netten Arcade-Racer haben möchte, der könnte bei Project Cars 3 an der Karriere definitiv seinen Spaß haben, auch wenn inhaltlich etwas mehr Tiefgang und Liebe zum Detail hätte sein dürfen.

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Virtuelle Aussichten

Grafisch sieht Project Cars 3 wirklich gut aus, ist aber so kurz vor der neuen Konsolengeneration wahrscheinlich schnell in Vergessenheit geraten. Die Cockpits sind detailreich und schön modelliert, die Strecken sehen ebenfalls detailliert aus. Framerateeinbrüche sind allerdings des Öfteren störend und mindern an manchen Stellen den Fahrspaß. Die Wettereffekte hingegen bieten immer wieder kurz Anlass zum Staunen. Hier wird definitiv eine sehr nette Grundstimmung kreiert. Hätten die schön anzusehenden Wettereffekte einen größeren Einfluss auf das Fahrgefühl, wäre dies das Sahnehäubchen. Aber mehr als ein Mal kann man in der Situation die “virtuelle Aussicht” genießen.

Der Motorensound, wie auch die gesamte Soundkulisse können sich wirklich hören lassen. Hier kommt echtes Renngefühl auf und man findet sich in einem stimmigen Audio-Umfeld wieder.

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FAZIT

Project Cars 3 wird einige Fans der Serie verschrecken. Hier werden viele der Serie den Rücken kehren und ihre Herausforderung künftig bei anderen Spielen suchen. Wer einen netten Arcade-Racer mit fordernder Story sucht, kann einen Blick riskieren, auch, wenn die Hatz auf XP und Credits nach erlebter Karriere kaum motivieren kann. Etwas mehr spielerische Tiefe hätte dem Game gut getan.

Pro:
  • Nette Karriere
  • Große Auswahl an Boliden und Strecken
  • Einsteigerfreundlich
Contra:
  • Weniger spielerische Tiefe als im Vorgänger
  • Nerviger Grind nach Credits
  • Zu wenig wirkliches Rennfeeling
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
3 von 5 Buddies
Fahrgefühl
3 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

7.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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