Review

Röki – einmal Märchen zum Spielen bitte!

Von Tjark am 12. August 2020
Publisher: United Label | CI Games
Release: 23. Juli 2020
Genre: Adventure | Indie
Entwickler: Polygon Treehouse
Verfügbar für: PC | Switch
USK Altersfreigabe: 16

Röki ist ein Adventure-Game mit dem Hintergrund eines skandinavischen Märchens. Ob sich die Märchenstunde lohnt, erfahrt ihr hier.

Tove ist ein junges Mädchen, das zusammen mit ihrem kleinen Bruder Lars und ihrem Vater irgendwo in der skandinavischen Einöde wohnt. Nachdem die Mutter verstorben ist, ist es nun Tove, die sich um die Familie kümmern muss. Als in einer kalten Nacht ein riesiges Monster das Haus der Familie zerstört und Lars entführt, beginnt für Tove ein langes magisches Abenteuer, bei dem sie auf mehr als nur ein Monster der skandinavischen Märchenwelt trifft. Aber obwohl Röki ein dunkles Märchen erzählt, ist nicht unbedingt jedes Monster auch gleich feindlich. Mit ihrer unendlich gütigen, fast schon naiven, Art schafft Tove es sich auch mit dem zunächst furchteinflößendsten Monster anzufreunden. Dadurch erhält sie immer wieder Hilfe auf der Reise, um ihren kleinen Bruder zu retten. Natürlich passiert noch viel mehr, aber an dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden. Denn was ist ein Märchen, wenn man die komplette Geschichte von vorneherein kennt?

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Röki knüpft an die Tradition alter Adventure-Games an, erweitert das Spielprinzip aber noch um eine dritte Dimension. Wir bewegen uns zwar vorwiegend immer noch auf einer Rechts-Links-Achse, aber haben eben auch die Möglichkeit uns in gewissem Maße in der Tiefe zu bewegen, um so zum Beispiel um Objekte herumzulaufen. Dabei bleibt die Kamera aber immer an einer festen Position und gibt uns stets eine Seitenansicht auf die Spielwelt. Parallaxe-Effekte sorgen für die optische Tiefe der wunderschön gemalten Umgebung.

Immer diese Rätsel

Den größten Teil der Spielzeit verbringen wir damit Rätsel zu lösen. Dabei ist die zu erledigende Aufgabe recht unterschiedlich. Diese reicht vom Reparieren einer Mühle, über das Befreien eines Frosches bis zum Behandeln von Wunden. Die grundlegende Mechanik ist im Grunde immer die Gleiche und Dieselbe, die wir seit jeher von Point & Click-Adventures kennen. Das heißt, wir untersuchen die Gegend um Hinweise zu bekommen, was wir benutzen oder wie wir die Aufgabe lösen können. Darauffolgend müssen wir die erforderlichen Materialien beziehungsweise Gegenstände sammeln, und abschließend an der richtigen Stelle verwenden. Dabei ist es manchmal erforderlich mehrere gefundene Gegenstände zu einem neuen kombinieren. Meist ist es kein lineares Passieren von Gebieten, so liegen die Hinweise, Materialien und Ort des Rätsels auch mal weit auseinander und können nur durch aufmerksames Erforschen zusammengeführt werden. Polygon Treehouse hat aber nicht einfach ein neues Point & Click-Adventure erstellt, sondern einige Änderungen an der Formel vorgenommen, sodass ein neuer, frischer Typ von Adventure entstanden ist. Diese Neuerungen beinhalten unter anderem das oben erwähnte Einführen einer dritten Dimension und dem direkten Steuern des Charakters. Eine weitere Änderung ist die nicht lineare Story. Ohne hier natürlich verraten zu wollen, welche Events genau, können Ereignisse in der Geschichte in unterschiedlicher Reihenfolge eintreten. Dabei hängt es davon ab, in welchen Bereich wir zuerst untersuchen und welches Rätsel wir zuerst lösen. Zwar bleibt die Gesamtheit der Geschichte davon unangetastet, aber die Details können sich von Spieler zu Spieler unterscheiden.

Märchenhafte Unterstützung

Röki bringt auch einiges an Handwerkszeug mit, um das Spiel in keiner Weise frustrierend werden zu lassen. Eines davon ist die Möglichkeit, alle interagierbaren Objekte zu highlighten. Dadurch spart man sich das pixelweise absuchen des Bildschirms, um jede Interaktion zu finden. Und ein weiterer Vorteil ist, dass alle Rätsel logisch aufgebaut sind, man muss nicht jedes Item aus dem Inventar an jede Wand schmeißen um eine mögliche Kombination zu finden. Da die Rätsel keine großen Logiksprünge machen, reicht es meistens aus, einfach mal kurz innezuhalten und nachzudenken. Zusätzlich findet man recht früh einen Baum, der uns stets mit Tipps zur Seite steht. Um den Spielfluss flüssiger zu gestalten, wurde ein recht weitreichendes System von Warppunkten zur Verfügung gestellt. Aber natürlich wurde sich auch hier der skandinavischen Folklore bedient. Man findet immer wieder Wegbäume, die es einem erlauben über Wurzelwege zum Mutterbaum zu gelangen. Und von dort kann man durch eine der Türen zu jedem beliebigen Wegbaum gelangen. Diese eben beschriebenen Hilfestellungen könnten den Anschein erwecken, als wäre das Spiel zu einfach und dadurch langweilig, aber Röki entwickelt genau dadurch seinen Charme. Es erhält eine Leichtigkeit und kann sich besonders auf die Geschichte, die es erzählen will, konzentrieren. So wie es bei einem Märchen eigentlich auch sein sollte.

Röki ist ein Adventure Game das sich der nordischen Folklore bedient, dass diese oft Düster und unheimlich ist, spiegelt sich sehr gut wider. Dabei spielt der Soundtrack eine große Rolle. Die Klangkulisse ist immer präsent und passt sich der Stimmung der jeweiligen Situation an. Dies passiert vorwiegend durch den Wechsel der zum Einsatz kommenden Instrumente. Dadurch werden immer sehr spezielle Akzente gesetzt, die die ganze Atmosphäre beeinflussen. Die schön gezeichnete und mit vielen Details ausgestattete optische Darstellung trägt natürlich auch zur Atmosphäre bei.

Fazit

Röki ist ein modernes skandinavisches Märchen. Es lehnt sich an die Klassiker der Point & Click-Adventures an, aber bringt dabei auch genug Innovation mit um quasi einen neuen Typ von Adventure-Game zu schaffen. Dabei erstrahlt es wie ein gezeichnetes Märchen.

Alleine die Entscheidung mit einem festen Kamerawinkel zu arbeiten, führt in manchen Situationen zu Problemen. Einerseits wird manchmal die Navigation, zum Beispiel beim Umrunden von Hindernissen, erschwert. Andererseits ist das Anwenden von Gegenständen auf Interaktionsflächen etwas ungenau. Auch ist die Verwendung von eigentlich sehr ähnlichen Objekten, wie Schaltern, nicht immer auf dieselbe Art umgesetzt, was eine gewissen Inkonsistenz mit sich bringt.

Aber diese leichten Mängel kann Röki mit Leichtigkeit ausgleichen, in dem es eine spannende solide Geschichte, mit ungewöhnlichem Setting vorweisen kann. Wer also ein Adventure-Spiel sucht, der kann in Röki einen sehr guten Vertreter finden. Und der schöne Grafikstil und Soundtrack sollten auch noch die letzten Zweifler überzeugen. Höchstens hart gesottene Veteranen, die eine Herausforderung suchen, kommen nicht vollständig auf ihre Kosten.

Pro:
  • Märchenhafte Geschichte
  • Gute Atmosphäre
Contra:
  • Steuerung manchmal etwas fummelig
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

7.5 / 10
Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

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