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RoutineRoutine
Review

Routine im Test: Wenn Orientierung über Leben und Tod entscheidet

Von Dominik Probst am 6. Januar 2026. Getestet auf PC. Zum Spiel hier klicken.

Routine ist ein First-Person-Survival-Horrorspiel des Entwicklerstudios Lunar Software, veröffentlicht von Raw Fury. Schauplatz ist eine verlassene Mondbasis, deren Gestaltung sich stark am Retro-Futurismus orientiert. Statt moderner Hochglanztechnik erwarten euch funktionale Geräte, sperrige Interfaces und eine Umgebung, die mehr nach Arbeitsalltag als nach Science-Fiction-Showroom aussieht.

Routine verzichtet bewusst auf klassische Komfortfunktionen. Ein permanentes HUD gibt es nicht, viele Informationen müssen über Logs, Terminals und Umgebungsdetails erschlossen werden. Auch die Technik, die euch im Spiel begleitet, wirkt eher wie ein notwendiges Werkzeug als wie eine zuverlässige Unterstützung. Das Spiel richtet sich damit klar an Spielerinnen und Spieler, die bereit sind, aufmerksam zu lesen, zu beobachten und Zusammenhänge selbst herzustellen.

Im Test finden wir heraus, wie gut dieses konsequente Design in der Praxis funktioniert. Trägt die Atmosphäre über mehrere Stunden, oder wird die fehlende Orientierung zur Belastung? Und gelingt es Routine, Spannung nicht nur zu erzeugen, sondern auch aufrechtzuerhalten?

Eine Mondbasis ohne Romantisierung

Die Spielwelt von Routine ist eine verlassene Mondbasis, die sich bewusst von gängigen Sci-Fi-Klischees entfernt. Statt glänzender Hightech-Optik dominiert ein funktionaler Retro-Futurismus, der eher an alte Raumfahrtvisionen erinnert als an moderne Science-Fiction. Monitore wirken klobig, Anzeigen sind nüchtern und viele Räume vermitteln den Eindruck, als seien sie für den Arbeitsalltag entworfen worden.

Gerade diese Sachlichkeit macht das Setting glaubwürdig. Die Basis erzählt ihre Geschichte nicht über große Inszenierungen, sondern über Details. Offene Schränke, zurückgelassene Geräte und beschädigte Systeme deuten an, dass hier etwas schiefgelaufen ist, ohne es klar auszusprechen. Die Welt wirkt nicht verlassen, weil sie leer ist, sondern weil sie ihren Zweck verloren hat.

Für das Spielerlebnis ist das entscheidend. Die Mondbasis ist kein reiner Hintergrund, sondern ein aktiver Bestandteil des Spiels. Orientierung entsteht nicht durch Marker oder Karten, sondern durch Wiedererkennen von Räumen, durch gelesene Hinweise und durch das Verständnis dafür, wie diese Anlage funktioniert haben könnte.

Spannung durch Zurückhaltung

Atmosphärisch gehört Routine zu den stärkeren Genrevertretern. Das Spiel setzt nicht auf permanente Bedrohung oder laute Effekte, sondern auf eine kontrollierte Zurückhaltung. Lange, schlecht ausgeleuchtete Korridore, funktionale Räume und eine insgesamt ruhige Inszenierung sorgen dafür, dass sich Anspannung langsam aufbaut.

Besonders wirkungsvoll ist das Sounddesign. Mechanische Geräusche, entfernte Signale oder undefinierbare Klänge lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen. Dadurch entsteht das Gefühl, nie ganz sicher zu sein, ob man gerade allein ist oder beobachtet wird. Stille ist hier kein Leerlauf, sondern ein aktives Element der Spannung.

Diese Inszenierung beeinflusst direkt das Spielverhalten. Man bewegt sich langsamer, wägt Risiken ab und überlegt genauer, wann ein Schritt sinnvoll ist. Gleichzeitig kann diese dauerhafte Anspannung auf längere Zeit fordernd sein, insbesondere dann, wenn Fortschritt ausbleibt.

Schleichen, Gegner und Konsequenzen

Das Gameplay von Routine ist klar ausgerichtet. Schleichen ist keine Option, sondern der Normalzustand. Offene Konfrontationen sind selten sinnvoll und fühlen sich meist wie ein Fehler an. Stattdessen geht es darum, Räume zu lesen, Bewegungsmuster zu erkennen und im richtigen Moment weiterzugehen oder sich zurückzuziehen.

Zentrale Bedrohung sind anfangs die patrouillierenden Roboter der Mondbasis. Diese sind keine klassischen Gegner, die besiegt werden wollen, sondern Hindernisse, die verstanden werden müssen. Zwar lassen sich die Roboter mithilfe der Technik kurzzeitig außer Gefecht setzen, dieser Zustand hält jedoch nur wenige Sekunden an. Ein offener Kampf ist daher sinnlos, außer man möchte gezielt Zeit gewinnen, um einen Bereich zu passieren oder die Flucht vorzubereiten.

Routine setzt konsequent auf Verfolgung statt Kampf. Wird man entdeckt, baut sich sofort Druck auf. Die Roboter nehmen die Verfolgung auf und zwingen zu schnellen Entscheidungen. Dabei bleibt das Spiel fair. Beim ersten Kontakt wird man hart getroffen, erhält aber die Chance zur Flucht. Erst beim zweiten Fehler ist Schluss. Dieses System erlaubt kleine Fehler, ohne sie folgenlos zu machen, und verstärkt die Spannung deutlich.

Die Bedrohung entsteht nicht durch Übermacht, sondern durch Konsequenz. Wer aufmerksam spielt und aus Begegnungen lernt, kann Situationen kontrollieren. Wer unachtsam wird, wird eingeholt.

Das C.A.T.-Tool – Vielseitig gedacht, sperrig umgesetzt

Das C.A.T.-Tool ist das zentrale Werkzeug im Spiel und bündelt mehrere Funktionen in einem modularen System. Es dient zur Interaktion mit der Umgebung, zur Manipulation von Systemen und zur kurzfristigen Verteidigung. Thematisch passt dieses Konzept hervorragend zur techniklastigen Spielwelt.

In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass diese Vielseitigkeit ihren Preis hat. Die Module müssen aktiv gewechselt werden, was Zeit kostet und Aufmerksamkeit bindet. Gerade in angespannten Situationen fühlt sich dieser Wechselprozess umständlich an und unterbricht den Spielfluss.

Gleichzeitig trägt diese Umständlichkeit zur Atmosphäre bei. Das C.A.T.-Tool wirkt nicht wie ein klassisches Spielelement, sondern wie ein reales Arbeitsgerät mit klaren Grenzen. Entscheidungen müssen vorausgeplant werden, spontanes Reagieren wird erschwert. Gerade über längere Spielabschnitte hinweg verlangt diese Bedienung viel Konzentration und Geduld.

Verstehen als Spielfortschritt

Routine erzählt seine Geschichte fragmentarisch. Logs, Terminals und Umgebungsdetails sind die einzigen Informationsquellen. Zwischensequenzen oder klare Storyansagen gibt es nicht. Wer verstehen will, was passiert ist und was als Nächstes zu tun ist, muss lesen.

Storytelling und Orientierung sind dabei eng miteinander verknüpft. Narrative Hinweise dienen gleichzeitig als Wegweiser für den Spielfortschritt. Wer aufmerksam ist, erkennt Zusammenhänge und kommt voran. Wer Inhalte übersieht oder ignoriert, verliert schnell die Richtung.

Das kann faszinieren, aber auch frustrieren. Marker oder Erinnerungen an offene Aufgaben fehlen vollständig. Die daraus entstehende Hilflosigkeit ist Teil des Designs, trifft jedoch nicht immer die Balance zwischen Herausforderung und Motivation. Routine verlangt Eigenverantwortung und macht keinen Versuch, diesen Anspruch abzufedern.

Für wen dieses Tempo funktioniert

Routine ist kein Spiel für kurze Sitzungen oder nebenbei. Das ruhige Tempo verlangt Aufmerksamkeit über längere Zeiträume hinweg. Wer längere Pausen einlegt, ohne sich an Hinweise oder Orte zu erinnern, läuft Gefahr, den Überblick zu verlieren.

Das langsame Pacing funktioniert vor allem für Spielerinnen und Spieler, die ihre Motivation aus Atmosphäre und Neugier ziehen. Routine erzeugt Spannung weniger durch stetigen Fortschritt als durch Erwartung. Solange dieses Gefühl trägt, bleibt das Erlebnis fesselnd. Fehlt diese innere Spannung, wird das Tempo schnell zur Hürde.

Technik und Performance

Technisch zeigt sich Routine auf dem PC stabil. Gespielt mit Maus und Tastatur lief der Titel ohne Abstürze, ohne auffällige Bugs und ohne spürbare Performance-Probleme. Gerade für ein atmosphärisch dichtes Spiel ist diese Zuverlässigkeit entscheidend.

Die Steuerung ist bewusst leicht träge und passt zum langsamen Spieltempo. Eingaben werden zuverlässig erkannt, auch wenn viele Aktionen absichtlich Zeit benötigen. Grafisch setzt das Spiel weniger auf Detailfülle als auf klare Lichtstimmung und funktionale Räume, was gut zur Atmosphäre passt.

Fazit

Ich empfinde Routine als ein Spiel, das sehr genau weiß, was es sein will. Die Atmosphäre ist stark, das Design konsequent und die Spielwelt glaubwürdig. Gleichzeitig fordert das Spiel Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich aktiv mit Inhalten auseinanderzusetzen. Wer liest, beobachtet und Zusammenhänge herstellt, erlebt einen intensiven Sci-Fi-Horrortrip, der weniger auf Schockmomente als auf dauerhafte Anspannung setzt.

Routine ist jedoch wenig nachsichtig. Fehlende Orientierung oder kurze Unaufmerksamkeit können schnell zu Stillstand und Frustration führen. Für Spielerinnen und Spieler, die genau diese Herausforderung suchen, ist das Teil des Reizes. Alle anderen sollten wissen, dass Routine kein Horror zum Zurücklehnen ist, sondern ein Spiel, das Konzentration einfordert.

Pro:
  • Sehr dichte, glaubwürdige Atmosphäre
  • Konsequentes Schleichen statt beliebiger Kämpfe
  • Bedrohung durch Verfolgung statt Daueraction
  • Technik sinnvoll in die Spielwelt eingebettet
  • Stabile Performance auf dem PC
Contra:
  • Sehr kryptische Erzähl- und Aufgabenstruktur
  • Hohes Frustpotenzial bei fehlender Orientierung
  • Umständliche Bedienung des C.A.T.-Tools
  • Langsames Tempo verlangt hohe Konzentration
  • Kaum Fehlertoleranz bei Unaufmerksamkeit
Story:
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Gameplay:
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Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 7.5 / 10
Spiel getestet auf: PC
Dominik Probst

Dominik Probst

Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.

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