

Sniper Elite: Resistance im Test: Hauptspiel und erste DLCs unter der Lupe
Mit Sniper Elite: Resistance, das bereits im Januar erschienen ist, will Rebellion die Lücke zum nächsten Hauptableger der Serie überbrücken und schickt hierfür nicht Altmeister Karl Fairburn, sondern mit Harry Hawker einen neuen Scharfschützen in die Schlacht. Passend zum Release des ersten DLCs Vercors Vendetta nehmen wir den jüngsten Ableger des Shooters samt Erweiterung unter die Lupe.
Ein neuer Held
Wir schreiben das Jahr 1944, der Zweite Weltkrieg geht also in die entscheidende Phase. Die Alliierten setzen nun alles daran, Frankreich von den deutschen Besatzern zu befreien, allerdings gibt es Gerüchte, dass die Nazis über eine neue Wunderwaffe verfügen, die die Pläne zur Rückeroberung durchkreuzen könnte. Als Teil der Spezialeinheit SOE liegt es nun an uns, gemeinsam mit der Resistance vor Ort, die Logistik der Deutschen zu stören und den Einsatz der Waffe zu verhindern. Hierfür schlüpfen wir in die Rolle von Harry Hawker, der weit hinter den feindlichen Linien ins Geschehen eingreift. Karl Fairburn, dessen Geschichte in Sniper Elite 5 etwa parallel verläuft, bleibt daher dieses Mal außen vor. Unsere Kampagne startet am imposanten Staudamm von Vallée de l'écluse in den französischen Alpen, der das erste Ziel unserer Sabotagemission ist. Insgesamt hält die Geschichte neun Missionen mit wechselnden Schauplätzen für uns bereit, die uns von mittelalterlichen Bauten und Schlossanlagen, über Industriegebiete, historische Altstädte, Küstenareale und Forts, bis zum Gare du Nord in Amiens und somit einmal quer durch Frankreich führen. Stimmungsmäßig hat Rebellion hierbei wirklich gute Arbeit geleistet und präsentiert uns glaubhafte Kulissen mit authentischer Weltkriegs-Atmosphäre und abwechslungsreichen Settings.
Im Westen nichts Neues
Am Gameplay hat sich im Vergleich zu Sniper Elite 5 quasi nichts verändert, sodass uns ein gewohnt gelungener Mix aus anspruchsvollen Scharfschützen-Aufgaben inklusive Zielmarkierung und Gebietsaufklärung, Stealth-Passagen mit Lautloskills und Versteckmöglichkeiten, sowie temporeicher Third-Person-Shooter-Action erwartet, wenn wir mit dem leisen Vorgehen einmal gescheitert sind. In allen drei Bereichen liefert Sniper Elite: Resistance sehr solide ab, am meisten sticht aber natürlich das Sniper-Gameplay heraus, das je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, schon richtig simulationsmäßig und anspruchsvoll werden kann. Hierbei spielen unter anderem Faktoren wie unser Herzschlag, die Entfernung und natürlich auch die Ballistik der Kugeln eine Rolle. Des Weiteren kommen hier auch die adaptiven Trigger zum Einsatz, die das realistische Gefühl noch zusätzlich unterstreichen.
Weiterhin gehört auch ein spektakulär inszenierter Nahkampf zum Repertoire, der uns gerne mal in Zeitlupe präsentiert, wie wir die Gegner windelweich prügeln. Beim Thema Zeitlupe dürfen natürlich auch die berüchtigten Kill Cams nicht fehlen, die die Sniper Elite Reihe seit jeher prägen. Diese bieten uns wie gewohnt bei einem Volltreffer mit dem Scharfschützengewehr eine gleichermaßen faszinierende wie auch äußerst brutale Röntgenansicht an, die uns zeigt, welche Körperteile wir mit unserer Kugel zerfetzt haben. Wem dies zu viel ist, der kann die Kill Cams aber auch im Menü deaktivieren. Hinzu kommen überraschend viele Kletterpassagen, die zwar nicht so geschmeidig wie in Uncharted ausfallen, aber eine nette Abwechslung zum sonstigen Spielprinzip darstellen. Hier hangeln wir uns an Leitern, Felsen und Pflanzen entlang oder klettern auch mal alte Abflussrohre nach oben, um die Ebenen zu wechseln. Auch die Seilrutsche, die uns schnell längere Distanzen zurücklegen lässt, ist regelmäßig unser Begleiter.
Das Schöne an Sniper Elite ist aber wie immer, dass wir uns in einer weitläufigen Sandbox befinden und ganz im Stile von Hitman unterschiedliche Methoden ausprobieren können, um ans Ziel zu gelangen. Ob wir laut oder leise vorgehen, Fallen platzieren, aus der Distanz angreifen oder möglichst viele Feinde lautlos von hinten oder mit der schallgedämpften Pistole ausschalten, bleibt uns weitestgehend selbst überlassen. Dabei hält die Welt auch eine Vielzahl an Dokumenten bereit oder lässt uns Gespräche belauschen, um hilfreiche Informationen zu unserer Mission zu erhalten. Durch unseren Fortschritt steigen wir zudem im Level auf und können die damit verdienten Fähigkeitspunkte auf drei Kategorien verteilen, nämlich Kampf, Ausrüstung und Körper. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel das Schwanken des Zielfernrohrs minimieren, das Tragelimit für Verbände erhöhen oder auch die eigene HP-Leiste erweitern. Das Fertigkeitenmenü ist dabei definitiv nur rudimentär und verlangt nicht wirklich von uns, dass wir uns näher damit beschäftigen.
Stimmungsvolle Orte mit angestaubter Optik
Grafisch bietet Sniper Elite: Resistance im Vergleich zum Vorgänger quasi keine Veränderung, wodurch es von der Optik her schon etwas älter wirkt. Hochauflösende Texturen oder Fotorealismus sucht man hier also vergebens, was jetzt aber auch nicht unbedingt das Aushängeschild von Rebellion ist. Dafür strotzen die Schauplätze nur so vor Atmosphäre, egal, ob es um die äußerst stimmungsvoll eingefangene Natur um uns herum, die authentische Architektur mit sichtbar französischem Flair oder auch um die penibel dekorierten Innenräume geht, die mit vielen kleinen Dekorationen überzeugen. Ja, Vegetation, metallische Oberflächen, Wasser und Rauch haben wir wahrlich schon besser gesehen, aber die Gesamtpräsentation wirkt trotzdem rund und stimmig und fängt die damalige Zeit wirklich gut ein. Ein weiteres Manko sind sicherlich die Gesichtsanimationen, die ebenfalls nicht mehr wirklich frisch wirken, gerade auch durch das Zielfernrohr, wenn wir besonders nah heranzoomen. An dieser Stelle sei auch noch angemerkt, dass im Spiel keine Symbole mehr zensiert sind, sodass uns ein historisch korrektes Bild mit Nazisymbolik erwartet, zum Beispiel auf Flaggen, Uniformen oder Rüstungsteilen - mit Hinblick auf die Glaubwürdigkeit der Szenerie mit Sicherheit die richtige Entscheidung! Hierzu trägt auch die Musik wieder einen entscheidenden Teil bei, denn die dramatischen Orchesterarrangements fangen die Kriegsstimmung sehr gut ein und verleihen den Geschehnissen einen gewissen Schwermut. Dabei können die Scores mit gutem Timing und auch mit hochwertiger Produktion punkten!
Die Kampagne ist nicht das Ende
Ergänzend zur Kampagne bietet uns Sniper Elite: Resistance auch eine Auswahl an weiteren Spielmodi an. Hierzu gehören zum Beispiel die Propagandamissionen, die es uns erlauben, als Teil des französischen Widerstands gegen die Nazis zu kämpfen und bestimmte Herausforderungen aus den Bereichen Scharfschütze, Kampf und Schleichen zu meistern. Um diese Missionen freizuschalten, müssen wir allerdings erst entsprechende Plakate in den Missionen der Kampagne entdecken, sodass diese nicht sofort zur Verfügung stehen. Darüber hinaus gehört auch wieder der Modus "Invasion der Achsenmächte" zum Spielumfang, der es uns erlaubt, als feindlicher Scharfschütze Chaos in der Kampagne eines anderen Spielers anzurichten. Das ganze macht richtig Laune und ist natürlich auch völlig optional!
Im Multiplayer warten darüber hinaus wieder mehrere vertraute Spielvarianten auf uns, wie Team Match (8 vs 8), Free for All (Jeder für sich) oder No Cross (Team Match mit unüberwindbarer Barriere zwischen den Teams), sodass auch hier für Abwechslung gesorgt ist - PS Plus vorausgesetzt. Wer an den eigenen Fertigkeiten schrauben möchte, kann sich außerdem zum Schießstand begeben und dort in aller Ruhe mit verschiedenen Waffen hantieren. Richtig gut gefallen hat uns außerdem der Überlebensmodus, der es uns ermöglicht, solo oder im Koop mit einem Freund gegen mehrere Wellen an Feinden auf unterschiedlichen Karten anzutreten. Hier müssen auf großflächigen Maps nacheinander vier Areale gegen heran nahende Feinde verteidigt werden. Vor jeder Welle haben wir dabei die Chance, unsere Vorräte an entsprechenden Kisten aufzufüllen, um den Gegnern bestmöglich ausgestattet entgegen treten zu können.
Spannende DLC-Inhalte für Sniper Elite: Resistance
Wem die Hauptkampagne und die Zusatzmodi nicht reichen, der kann entweder zur Deluxe Edition, zum Season Pass oder zu den separat erhältlichen DLCs greifen, die neben frischen Waffen auch neue Missionen ins Spiel bringen. Der erste in der Liste hört auf den Namen Licht, Kamera, Achtung und lässt uns Adolf Hitler persönlich ins Fadenkreuz nehmen, und zwar vor dem spektakulären Hintergrund der Filmstudios in La Ville-du-Lach. Hier will der Diktator neue Propaganda-Videos produzieren, um die Franzosen auf seine Seite zu ziehen, und wird dabei zu einem leichten Ziel für uns. Das Setting ist dabei wirklich sehr gut getroffen und lässt uns unter anderem die Werkstätten, Requisitenlager, kleinere und größere Filmsets sowie imposante Kulissen drinnen und draußen erkunden, auf der Suche nach dem deutschen Oberbefehlshaber. Es gibt immer wieder Schauplätze, die einem auch nach Abschluss der Mission in Erinnerung bleiben, und dazu gehört definitiv auch der von Licht, Kamera, Achtung mit seiner stimmungsvollen Hollywood-Aura.
Der zweite DLC, der Mitte März erschienen ist, hört auf den Namen Vercors-Vendetta und ist von der Story her nach der Haupthandlung angesiedelt, weshalb wir hier nicht näher darauf eingehen. Es geht in jedem Fall darum, den Abschuss einer bestimmten Waffe zu verhindern und unschuldige Zivilisten zu retten. Landschaftlich ist der DLC einer der schönsten, den wir in Sniper Elite je gesehen haben. Eine weitläufige bergige Szenerie, die von einem kleinen Fluss durchzogen sowie von romantischen Steinbrücken, stillgelegten Windmühlen und ländlicher Architektur umrahmt wird, ist fast zu atmosphärisch für einen Scharfschützen-Shooter. Man ist dadurch ständig damit beschäftigt, die traumhafte Umgebung durch das Zielfernrohr zu beobachten und vergisst zuweilen, die darin befindlichen Nazis zu eliminieren. Durch die zahlreichen Versteckmöglichkeiten wie Felsen oder Nischen, die kleinen Lager, die auf der ganzen Karte verteilt sind, sowie die zahlreichen erhöhten Punkte, von denen aus man uns beim kleinsten Geräusch perfekt ins Visier nehmen kann, ist der DLC auf jeden Fall sehr anspruchsvoll und nicht in fünf Minuten erledigt. Nur ein bedachtes und schrittweises Vorgehen bringt uns näher an unser Ziel heran und lässt uns unbemerkt durch die Map navigieren. Vercors Vendetta ist nicht ganz das Spektakel wie der Filmstudio-DLC, mit seinem wirklich sehenswerten Setting aber trotzdem eine tolle Ergänzung zum Hauptspiel.
Fazit
Sniper Elite: Resistance bietet uns ganz genau das, was wir von einem Sniper Elite Titel erwarten - nicht mehr und auch nicht weniger. So dürfen wir uns auf abwechslungsreiches Gameplay mit einer Kombination aus Stealth-Elementen, äußerst authentischer Scharfschützen-Action sowie gelungenen Third-Person-Schießereien freuen. Dabei überlässt es uns das Spiel fast vollständig selbst, wann wir laut und wann leise vorgehen. Die sehr weitläufigen Areale mit einer überzeugenden Auswahl an Settings können dabei mit ihrer Atmosphäre und ihrer gut eingefangenen Szenerie überzeugen, bei der Grafik darf man hingegen keinen Fotorealismus erwarten. Auch der Fertigkeitenbaum ist wahrlich kein Innovationsprodukt und auch bei den Gesichtsanimationen müssen Abstriche gemacht werden. Alles in allem überzeugt Sniper Elite: Resistance aber mit einer soliden Performance auf allen Ebenen, so, wie man es auch aus der Vergangenheit kennt. Trotzdem hoffen wir, dass Teil 6 dann vielleicht doch mal die eine oder andere interessante Neuerung mit sich bringt.
Bei den beiden bisher erhältlichen DLCs ist uns vor allem die Filmstudio-Erweiterung im Gedächtnis geblieben, die einen spektakulären Schauplatz zu bieten hat. Aber auch der zweite DLC Vercors Vendetta kann mit sehenswerter Kulisse und anspruchsvollem Gameplay überzeugen. Zusammenfassend können wir Hauptspiel und DLCs all denjenigen ans Herz legen, die Sniper Elite für das lieben, was es ist. Wer große Sprünge erwartet, sollte hingegen erst einmal abwarten, was Teil 6 zu bieten haben wird.
- Bekannter Mix aus Stealth-, Sniper- und Shooter-Gameplay
- Weitläufige stimmungsvolle Schauplätze in ganz Frankreich
- Neue Hauptfigur sorgt für etwas frischen Wind
- Häufige Kletterpassagen schaffen Abwechslung
- Spektakulärer Schauplatz im ersten DLC...
- ... wunderschöne Landschaften im zweiten
- Authentische Atmosphäre und realistische Scharfschützen-Herausforderung
- Multiplayer, Wellen-Modus und Resistance-Herausforderungen ergänzen die Kampagne
- Quasi kein Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger
- Grafik recht angestaubt
- Gesichtsanimationen nicht wirklich überzeugend
- Sehr rudimentäres Fortschrittssystem

Ein begeisterter Konsolenspieler mit einem breit gefächerten Interessengebiet. Neben Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty gehören auch Action-Adventures wie klassische Assassin's Creeds, die Batman-Arkham-Reihe oder The Last of Us Part 1/2 zu den bevorzugten Titeln. Hinzu kommen Survival-Games wie ARK, Horror-Klassiker a la Resident Evil sowie Open-World-Abenteuer im Stile von Far Cry oder Red Dead Redemption. Sport-Franchises wie FIFA oder Tour de France erweitern das Interessenfeld, ebenso wie sämtliche Titel aus dem Star-Wars-Universum.