Review

The Suicide of Rachel Foster – Daedalics linearer Grusel mit Ecken und Kanten

Von Nikolas Rau am 5. März 2020
Publisher: Daedalic Entertainment
Release: 19. Februar 2020
Genre: Adventure
Entwickler: One-O-One GAMES
Verfügbar für: PC | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 16

Das italienische Entwickler-Team One-O-One GAMES hat sein erstes Horror-Abenteuerspiel mit Hilfe von Publisher Daedalic Entertainment rausgebracht. The Suicide of Rachel Foster erzählt die Geschichte einer Tragödie in einem Hotel, die einige ungeklärte Geheimnisse beinhaltet.

Wir haben geschaut, ob dem finanziell angeschlagenen Publisher aus Hamburg damit mal wieder ein großer Hit gelungen ist.

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Spannend aber linear

Die Story beginnt sehr ruhig und scheint recht simpel. Wir müssen als Nicole Wilson im Jahre 1993 zu dem Hotel unseres Vaters. Dieser ist verstorben und hat uns das abseits gelegene Gebäude vermacht. Der Plan von Nicole ist es, kurz alles einmal anzuschauen und dann zu verkaufen. Doch bei der Ankunft im Hotel beginnt draußen ein Sturm, der uns mehrere Tage dort festhält. Nur ein Mitarbeiter der Telefongesellschaft, genannt Irving, steht via tragbarem Telefon zur Verfügung und gibt Hinweise darauf, was zu tun ist. Nach und nach decken wir somit ein altes Familiengeheimnis auf. Denn vor zehn Jahren soll ein Mädchen, das im Hotel lebte, Selbstmord begangen haben. Ihr Name: Rachel Foster.

Die Geschichte wartet mit einigen Wendungen auf und ist Kern des gesamten Spiels. Sie wird in den Dialogen von Nicole und Irving erzählt, reißt mit, erzeugt viel Spannung, lässt uns am Schluss dann aber leider mit einem von zwei eher schwachen Enden zurück. Denn es gibt Entscheidungsmöglichkeiten im Spiel, diese finden aber am Ende keinerlei Konsequenz und machen sie daher überflüssig. Dazu kommt noch, dass die Spielzeit mit ungefähr drei Stunden sehr kurz ist und man eigentlich gerne noch weiter durch das Hotel laufen und noch viel mehr herausfinden will.

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Atmosphäre eine der größten Stärken

Die tolle Geschichte wird mit einer brillanten Atmosphäre untermalt. In den richtigen Momenten schlägt sie um und wird von nostalgisch und entspannt zu extrem gruselig. Dabei werden keine Jumpscares genutzt, sondern es wird subtil durch Storyelemente und Geräusche die Angst im Kopf des Spielers verstärkt.

Dabei handelt es sich bei dem Titel eigentlich um einen Walking Simulator. Es gibt keine ernsthaften Rätsel, wir müssen nur Gegenstände aufsammeln und an die richtige Stelle bringen. Irving leitet uns die meiste Zeit durch das Hotel. Manchmal sind die Anweisungen nicht richtig verständlich und wir irren durch das Haus, auf der Suche nach dem richtigen Ort. Zur Hilfe haben wir eine Karte, die gut zu überblicken ist. Weitere Hilfsmittel, die wir aber kaum brauchen, sind eine Taschenlampe, eine Kamera und ein Mikrofon. Diese haben meist nur einmal einen Nutzen und sind dann für den weiteren Spielverlauf nicht relevant.

Zwar soll das Hotel zum Erkunden einladen, aber leider bringt uns das überhaupt nichts. Die gefundenen Gegenstände haben keinerlei Bezug zur Geschichte, wodurch eine Menge Potential verloren geht.

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Grafikstil und Sound passen hervorragend

Die Grafik ist den Entwicklern wieder sehr gut gelungen. Der Stil ist sehr realistisch gehalten. Die Lichteffekte sind wunderbar und verdichten die Atmosphäre. Dazu kommen die vielen schönen Details. Das Hotel steckt voll von Kleinigkeiten, die es noch authentischer wirken und uns noch weiter in die Spielwelt eintauchen lassen.

Dazu kommt die tolle Vertonung der Gespräche. Die Sprecher sind leider nur auf Englisch verfügbar, machen aber einen tollen Job. Sie schaffen es, die Emotionen der Charaktere sehr gut einzufangen und so das Spielerlebnis noch intensiver werden zu lassen.

Untermalt wird das Ganze mit einer enorm starken Geräuschkulisse. An den richtigen Stellen gibt es ein Knacken hier, ein Rumpeln dort. Dadurch wird die Angst oft verstärkt und man ist als Spieler total verunsichert, ob nicht gleich etwas um die nächste Ecke schießt. Die Musik setzt ebenfalls an den richtigen Orten ein und unterstützt die Atmosphäre weiter.

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Fazit

The Suicide of Rachel Foster gelingt es, die spannende und mysteriöse Geschichte des alten Hotels zu erzählen. Besonders durch die Sprecher und die enorm dichte Atmosphäre schaffen es die Entwickler, den Spieler zu fesseln. Dazu kommt der wirklich stark inszenierte Horror, der viel mehr auf Angst vor dem Unbekannten setzt und nicht direkt ins Gesicht springt. Unterstützt durch einen realistischen Grafikstil und viele Details wird die Spielwelt noch interessanter.

Dabei wird leider sehr viel Potential verschenkt, diese Details auch sinnvoll in die Geschichte einzubetten. Denn leider bringt es uns nichts, das Hotel zu erkunden, da wir keinerlei neue Erkenntnisse dadurch gewinnen oder sie ins Spiel einbringen können. Außerdem hätten einige Rätsel das Spielerlebnis noch etwas aufgepeppt und Abwechslung reingebracht.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass The Suicide of Rachel Foster vieles richtig und gut macht. Jeder Adventure-Fan, der sich gerne gruselt, sollte trotz der kurzen Spielzeit hier einmal reinschauen.

Pro:
  • Spannende Story
  • Tolle Atmosphäre
  • Passender Grafikstil
  • Überragende Soundkulisse
  • Sehr viele Details
Contra:
  • Keine Rätsel
  • Gegenstände sehr unwichtig
  • Schwache Enden
  • Kurze Spielzeit
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
1 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

8.5 / 10
Ein begeisterter PC- Spieler seit Kindheitstagen. Indietitel und Horrorspiele lassen sein Herz meist höher schlagen, aber auch Serien wie Fifa, Far Cry, The Elder Scrolls und Fallout stehen ganz oben auf seiner Liste.

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