Review

Tiny Tina’s Wonderlands im Test: Ein wundersames Baller-Abenteuer

Von Tjark am 27. April 2022
Publisher: 2K Games
Release: 25.03.2022
Genre: Loot-Shooter | Action-RPG
Entwickler: Gearbox Software
Verfügbar für: PC | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 16

Das neuste Spiel von Gearbox trägt ausnahmsweise nicht Borderlands im Namen, sondern den Namen des eigentlichen Side Characters Tiny Tina, denn es handelt sich dabei um ein Spinoff, dass einiges anders macht. Ob es mit seinen großen “Brüdern” mithalten kann, finden wir im Test heraus.

tiny tinas wonderlands (1)

Ihr seid Abenteurer und steht auf einer Lichtung…

Wie durch den Titel bereits ersichtlich ist, spielt die gefährlichste Dreizehnjährige des Borderlands Universums, Tiny Tina, in diesem Spiel eine zentrale Rolle. Entgegen den bereits bekannten Teilen des Franchises spielt unsere Geschichte diesmal nicht in den Grenzlanden, sondern in der Vorstellung von Tina, denn wir sind Teil ihrer “Bunkers & Badasses” (ein Pen und Paper Rollenspiel ähnlich zu Dungeons & Dragons) Runde. Das heißt, unser junger Gamemaster beschreibt uns die Umgebung, die sich dann um uns herum aufbaut, lässt Ereignisse passieren und kommentiert das Ganze dann auch noch in bester Erzählerstimme. Da wir es aber eben mit einer leicht beeinflussbaren und sprunghaften Jugendlichen zu tun haben, ist die Umgebung damit aber auch nicht in Stein gemeißelt. Aber nur, weil wir nicht wie gewohnt auf wirklichen Planeten unterwegs sind, heißt das nicht, dass wir auf die wohl zentralsten Elemente des Franchises verzichten müssen und das sind: massenweise Loot, gewaltige Schießereien, epische Gegner und herrlich abgedrehter Humor. Auch, wenn die Spielzeit trotzdem nicht so lange wie in den Hauptteilen ist, gibt es wieder einigen Endgame-Content, mit dem wir nochmal viel Zeit verbringen können.

tiny tinas wonderlands (3)

…und versagt trotzdem vor dem Boss

Die Story, die sich Tina ausgedacht hat, dreht sich um den Dragon Lord und dessen Versuch, die Wonderlands zu erobern beziehungsweise zu unterwerfen. Gleich zu Beginn stehen wir zusammen mit dem Abenteurer Valentine und der Roboterdame Frette direkt dem Bösewicht gegenüber, doch scheitern leider kläglich. In letzter Sekunde kommt uns die beste und größte Herrscherin von allen, Prinzessin Arschgaul, zu Hilfe und verbannt den Schuft in einen magischen, zwanzigseitigen Würfel. Nachdem einige Zeit vergangen ist, bahnt sich aber die Rückkehr des Dragon Lords an und Prinzessin Arschgaul ist nicht aufzufinden, deswegen liegt es ans uns, dem von ihr ernannten “Schicksalsbringer”, das Land erneut zu retten. Aus dem Trio vom letzten Mal wurde allerdings ein Solo, da Tina die anderen beiden aufgrund ihrer blöden Kommentare zu einer lediglich beratenden Funktion degradiert hat. Dadurch, dass Tinas Wort die ganze Welt gestaltet, sorgen die beiden mit ihren Kommentaren aber auch weiterhin dafür, dass sich ganze Areale verändern.

Einmal alles auf Fantasy-Rollenspiel bitte

Nicht nur die Geschichte, sondern auch weite Teile des Spiels sind verändert. Angefangen beim Charakter Creator, denn wir bekommen ganz Pen and Paper typisch zunächst einen Charakterbogen und müssen diesen ausfüllen. Da wir hier eben nicht mehr wie in den Vorgängern in die Haut eines existierenden Helden schlüpfen, haben wir im Charaktereditor viel mehr Freiraum und Optionen. So können wir diesmal den kompletten Körperbau, Geschlecht sowie Kleidung bestimmen. Ein Wechsel der Kleidung war vorher immer nur via Ganzkörper-Skins möglich. Es stehen uns auch statt der üblichen vier Klassen (in Form von vier spielbaren Charakteren) nun sechs Klassen zur Verfügung. Diese sind auch ganz rollenspieltypisch benannt und heißen zum Beispiel Barbar oder Zauberwerfer. Jede Klasse hat dabei gewisse Stärken und Talente, die zum Teil auch wieder über einen Skilltree, wie wir ihn bereits kennen, freigeschaltet werden müssen. Eine Besonderheit in den Wonderlands ist, dass man ab einem bestimmten Level sogar noch eine zweite Klasse dazu bekommt und so seinen Spielstil nochmal grundlegend ändern kann und am Anfang trotzdem nicht überfordert wird. Zusätzlich zur Klasse können wir nun auch noch eine Herkunft wählen, die uns Boni und Mali auf verschiedene Werte gibt. Diesmal haben wir eben nicht nur den klassischen Skilltree, sondern auch sogenannte „Heldenpunkte“. Jeder gibt uns auch eine Prozentchance bei einer bestimmten Sache. Hier gibt es zum Beispiel Stärke, die unseren kritischen Schaden erhöht, und Weisheit, die unsere Chance erhöht, kritischen Schaden auszuteilen, aber auch unsere Skill-Abklingzeit lässt sich verringern. Punkte, die wir hier investieren können, erhalten wir ebenso wie die Punkte für den „normalen“ Skilltree beim Level Up. Einige andere Mechaniken wurden an das neue Theme angepasst, so wirken wir jetzt Zauber, anstatt Granaten zu werfen. Der Nahkampfangriff hat auch eine größere Rolle und jetzt seinen eigenen Waffenslot, was gut zum mittelalterlichen Setting passt.

Eine Oberwelt, sie alle zu verbinden

Eine weitere Neuerung ist, dass es nicht mehr einfach eine riesige Welt gibt, die wir durchstreifen, sondern Dungeons und andere kleinere Gebiete. Diese sind über eine Weltkarte, über die wir in Third Person mit übergroßem Kopf laufen, verbunden und als gut sichtbare Orientierungspunkte zu finden. Die Oberwelt dient aber zu mehr, als nur von einem Gebiet ins nächste zu kommen, denn es gibt auch allerhand Collectibles, Shortcuts oder sogar NPCs mit Nebenquests zu finden. Neben dem, was wir finden können, können wir auch gefunden werden, und zwar von Gegnern, die, wie in einem anderen bekannten Franchise namens Pokémon, in hohem Gras erscheinen und uns dann verfolgen. Sobald Kontakt zwischen unserem Avatar und dem Gegner entsteht, werden wir in eine Arena geportet, in der wir dann mehrere Wellen von Gegnern erledigen müssen und am Schluss natürlich mit einer großen Kiste belohnt werden.

Soo viel Glitzer

Wobei wir auch schon beim Loot wären: Es gibt natürlich genug für jeden, eigentlich gibt es sogar so viel, dass wir andauernd Sachen liegen lassen müssen, weil unser Inventar bereits voll ist. Borderlands brüstet sich ja schon länger damit, dass es eine absurde Anzahl an Waffen gibt, das hat sich auch in Tiny Tina‘s Wonderlands nicht geändert. Es gibt eine Vielzahl an neuen interessanten und abgedrehten Waffen, mit unterschiedlichem Aussehen, Schaden und Elementar- oder anderen Fähigkeiten. Um auf die hohe Zahl „unterschiedlicher“ Waffen zu kommen, wurden dann aber wieder dieselben Waffen mit zufälligen Werten generiert, sodass wir einen guten Teil unserer Spielzeit dafür verwenden, die verschiedenen Ausprägungen zu vergleichen. Und wir bekommen Waffen und andere Ausrüstung an quasi jeder Ecke: als Drop von Gegnern, in Kisten am Wegesrand, in besonderen Würfelkisten, als Belohnung für Quests oder andere Aufgaben oder ganz klassisch per Kauf beim Händler. Das bietet uns zwar konstant die Möglichkeit, Neues zu probieren, aber aufgrund der Masse kommt es auch leicht zur Überforderung.

Sowohl grafisch als auch audiotechnisch hebt sich Wonderlands nicht von seiner Grundlage Borderlands 3 ab. Dadurch bleiben auch die Anforderungen auf dem PC weitestgehend gleich. Die Atmosphäre eines Fantasy Rollenspiels wurde mit neuen Modellen, Texturen und Gegnern aber perfekt getroffen. Hier ist der inzwischen als Standalone erschienene ehemalige Borderlands 2 DLC „Tiny Tinas Sturm auf die Drachenfestung“ schon ein guter Vorbote gewesen.

Fazit

Tiny Tina‘s Wonderlands spielt sich zu großen Teilen wie der neuste Hauptteil der Serie Borderlands 3. Es wurde aber an einigen Stellen nochmal etwas verfeinert und wirkt allgemein runder. Aber obwohl es sehr ähnlich ist, wurde mit dem neuen Setting und der Narrative eine gute Neuerung geschaffen. Das Theme ist dabei gut umgesetzt und wirkt nicht einfach nur zwanghaft „übergestülpt“.

Dennoch hätten ich mir an der einen oder anderen Stelle noch ein Tick mehr Rollenspiel Elemente, wie zum Beispiel das signifikante Beeinflussen der Geschichte oder ein alternatives Lösen von Rätseln, gewünscht. Man hätte auch die Schießereien reduzieren können, um dem Ganzen mehr Raum zu geben. Die Gegnerkämpfe auf der Weltkarte werden zum Beispiel sehr schnell ermüdend, lassen sich aber größtenteils umgehen. Auch das Inventarmanagement beziehungsweise Loot-Verhalten ist inzwischen nichts mehr Neues und nutzt sich etwas ab. Hier wäre die Chance gewesen, durch das Fantasy-Setting eine gravierende Änderung auszuprobieren, die frischem Wind in die Mechanik gebracht hätte. Ein weiterer Wermutstropfen ist hier vielleicht noch, dass der Titel ebenso bepreist ist, wie der letzte Hauptteil, obwohl er eine geringere Spielzeit aufweist.

Wer aber Spaß an den bisherigen Teilen der Borderlands-Reihe hatte, der wird sich auch hier schnell einfinden und seinen Spaß haben. Das liegt nicht zuletzt an der guten Inszenierung und Meta-Ebene der Erzählung. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß und die meisten der hier negativ erwähnten Punkte waren an sich auch nicht wirklich verwunderlich, wie der Rollenspiel-Aspekt eingebaut wurde, dafür eine positive Überraschung. Hier sehen wir aber auch die Chance, der Reihe neue Energie zu geben.

Pro:
  • Neues Setting
  • Abgedrehter Humor
  • Overworld statt Schnellreise
Contra:
  • Ballern nimmt den größten Teil ein
  • Loot ist fast schon zu viel und sehr ähnlich
  • Borderlands-Formel nutzt sich so langsam ab
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

Schreibe einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentar absenden