

Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden im Test: Animal Crossings merkwürdiger kleiner Bruder
Mit Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden bringt Nintendo seine schrullige Lebensimulationsreihe nun auf die Switch. Ob der Titel mit seiner speziellen Mii-Optik und seinem noch spezielleren Humor hier punkten kann, verraten wir euch im Test.

Gestrandet im Nirgendwo
Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden lässt uns auf einer kleinen grünen tropischen Insel mitten im Nirgendwo mit einer Fülle an spielerischen Optionen ankommen. Bevor es richtig losgeht, müssen wir unseren eigenen Mii-Charakter erstellen, was auf unterschiedliche Arten möglich ist. So können wir die Figur anhand von Fragen erstellen, die uns das Spiel stellt, oder den Charakter klassisch Körperteil für Körperteil im Editor zusammensetzen. Die erste Option geht dabei besonders schnell und stressfrei von der Hand - ideal für alle, die sich jetzt nicht unbedingt im Erstellen eines Alter-Egos verlieren möchten. Man fragt uns nach favorisierter Gesichtsform, Alter, Augen- und Hautfarbe, Augen-, Mund- und Nasentyp oder Haarlänge und lässt uns an verschiedenen Stellen zwischen zahlreichen Optionen wählen, beispielsweise bei der Frisur. Hier kann man sich am Beispiel der langen Haare nicht nur für eine offene oder gebundene Variante entscheiden, sondern auch wählen, ob die Haare geacheitelt oder mit Pony, zum Zopf oder Dutt gebunden werden sollen - sogar die Höhe des Zopfes kann hierbei festgelegt werden. Sind wir mit der halb automatischen Charaktererstellung durch, dürfen wir am Ende bei Bedarf auch noch manuell nachjustieren.

Ein individueller Charakter
Im letzten Schritt bestimmen wir Größe und Körperbau und geben der Figur einen Namen, der übrigens auch mit einer passenden Aussprache versehen wird, was bei uns wirklich hervorragend funktioniert hat. Ist man damit nicht zufrieden, kann man auch manuell den gewünschten Klang des Namens in den Editor eingeben, indem man ihn so buchstabiert, wie er klingen soll. Will man also dass der Name Daniel Englisch ausgesprochen wird, müsste man hier etwa Dennjel eintragen. Beim Geschlecht können wir übrigens zwischen männlich, weiblich und nicht binär wählen und damit unserer Kreativität freien Lauf lassen. Auch die Partnerpräferenz jedes Miis lässt sich individuell festlegen, also ein Geschlecht, mehrere oder auch gar keins. Schön ist auch, dass wir einstellen können, ob unsere Figur altert oder nicht - also auf Wunsch ist die ewige Jugend zum Greifen nah.

Zu guter letzt bestimmen wir noch die Stimmfarbe des Miis und dürfen hier auf verschiedene Altersgruppen, Roboter- und Tierstimmen oder sogar eine komplett eigene Stimmfarbe mit individueller Tonhöhe und Modulation sowie eigenem Sprechtempo und Tonfall zurückgreifen. Wer sich für den klassischen Charaktereditor entscheidet, der sich übrigens komplett auch per Touchscreen bedienen lässt, geht wie gewohnt Körperregion für Körperregion durch, passt dabei Details wie Form, Farbe oder Position an und kann seine Figur am Ende auch noch schminken, indem man direkt auf das Gesicht des Miis malt.
Eure Majestät, ich habe ein Anliegen
Nach der optischen Feinjustierung geht es dann auch noch um das Wesen der Figur. So legen wir in einem 8er-Raster fest, wie spontan, direkt, lebhaft, sorglos oder auffällig unser Mii ist, woraufhin wir im Anschluss eine Art Persönlichkeitsbeschreibung vorgelegt bekommen. Diese fasst den Charakter in wenigen Zeilen zusammen und bringt die gewählten Einstellungen auf den Punkt - die Persönlichkeit ordnet unserem Mii dann wiederum eine bestimmte Farbe zu, die sich in Kleidung und Einrichtung niederschlägt. Ist unsere Figur fertig, empfängt sie uns als Inselchef in ihrem neuen Zuhause. Hier können wir dann auch festlegen, wie uns die Miis ansprechen sollen - ja, sie wenden sich immer wieder direkt an uns, wenn sie ein Anliegen haben - und dürfen dabei auch jeden erdenklichen Gotteskomplex ausleben. Von Inselpapa, über Majestät bis hin zu jedem anderen Titel, den wir uns selbst geben, ist hier alles möglich.

Glück als Währung
Im Spiel steuern wir die Miis dann übrigens nicht selbst, sondern schauen wie eine Art Gottesfigur (Erinnerungen an Black & White werden wach) auf die Inselbewohner herab. Dabei ist es unsere Aufgabe, uns mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen, die sich anhand von Gefühlsblasen über ihren Köpfen äußern. Sie verraten uns, an was es ihnen mangelt, was sie beschäftigt oder warum sie gerade unglücklich sind und wir dürfen dann dafür sorgen, dass es ihnen wieder besser geht. Zufriedene Miis spülen uns dank ihrer Glücksspähren nämlich Geld in die Kasse, sodass wir auch von ihrer Zufriedenheit profitieren. Damit kaufen wir zum Beispiel im Supermarkt Lebensmittel, die wir dann als Geschenk an unsere Miis ausgeben dürfen. Hier gibt es täglich wechselnde Angebote und, da das Spiel in Echtzeit abläuft, auch zur jeweiligen Saison passende Produkte, zum Beispiel Osterleckereien. Mithilfe der gekauften Speisen und Getränke finden wir nicht nur heraus, was jeder Mii gerne nascht, sondern sorgen auch dafür, dass er nach und nach im Level aufsteigt. Auf diese Weise sowie durch zusätzliche Charaktere, die wir einziehen lassen, schalten wir außerdem weitere Gebäude auf der Insel frei, wie eine Boutique, einen Wunschbrunnen oder ein Designzentrum.

Vom einsamen Eiland zur Trendinsel
Wenn ein Mii im Level aufsteigt, überreichen wir ihm zur Feier des Tages ein besonderes Geschenk, das entweder eine zusätzliche Eigenart, eine neue Phrase oder auch ein spezieller Gegenstand sein kann. Dies sorgt nicht nur für zusätzliche Glücksspähren, sondern bietet uns auch die Chance, die Interessen des Miis zu beeinflussen, beispielsweise indem wir ihm ein Musikinstrument schenken. Geschenke sind aber nicht die einzige Möglichkeit, um die Bewohner glücklich zu machen. Oft reicht schon das Tätscheln des Kopfes aus, was übrigens auch per Touchscreen möglich ist, um dem Mii ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Manchmal haben die Miis auch Kopfweh, was uns vor ein lustiges Minigame stellt, bei dem wir die Gedanken, die im Kopf herum schwirren per Tastendruck zum Platzen bringen müssen, bevor die Zeit abläuft.
Es warten im Spiel auch noch weitere Minigames auf uns, wie zum Beispiel Nicht nachsagen. Hier müssen wir aus einer Liste von Antworten eine passende für die genannte Kategorie auswählen, ohne eine Option zu wählen, die unser Mii schon genannt hat. Verpixelt ist eine weitere coole Beschäftigung für zwischendurch, denn hier gilt es, ein verpixeltes Objekt zu erkennen. Die Minispiele sind zwar nicht hochtrabend, sorgen aber definitiv für Abwechslung und sind zudem äußerst unterhaltsam inszeniert. Unsere gesammelten Glücksspähren lassen sich dann, sobald wir einen Wunschbrunnen zur Verfügung haben, an eben jenem einlösen, um weitere Geschenke für den Levelaufstieg oder später auch zusätzliche Raum- oder Inseldekorationen und ähnliches freizuschalten und die Auswahl zu erhöhen. Im Wunschbrunnen finden wir zudem einmal täglich eine Geldspende der Bewohner, die wir wiederum in den Ausbau der Insel stecken können.

Ein weiterer wichtiger Hotspot ist die Boutique, die, sobald sie zur Verfügung steht, der perfekte Ort ist, um individuelle Outfits für unsere Miis zu kaufen. Auch hier warten wechselnde Tagesangebote auf uns, die von Oberteilen, Hosen und Röcken, über Accessoires wie Mützen und Schmuck, bis hin zu Schuhen oder Strümpfen reichen. Das Sortiment deckt dabei auch Looks für jeden Geschmack ab, passend zur jeweiligen Jahreszeit, von leger bis elegant. Wer möchte, kann statt einzelnen Kleidungsstücken auch komplett aufeinander abgestimmte Outfits kaufen. Die gekauften Klamotten lassen sich dann auch unabhängig von Geschlechtern dem jeweiligen Mii zuweisen, um seinen persönlichen Charakter zum Ausdruck zu bringen.

Natürlich dürfen wir aber nicht nur die Kleider, sondern auch das Zuhause der Miis verschönern. Hierfür steht uns ein Renovierungszentrum zur Verfügung, sobald wir vier Einwohner und zwei Freundespaare auf der Insel vorweisen können. Dort finden wir verschiedene thematisch abgestimmte Räume, bei denen Möbel, Tapeten und Dekorationen perfekt zueinander passen. Vom Zimmerpflanzenset für Grünliebhaber über ein Autowerkstattset für Schrauber bis hin zum Salonset mit äußerst elegantem Stil ist hier für jeden Geschmack etwas dabei. Vor dem Kauf können wir jeweils die Farbakzente auswählen und die Sets dadurch an die Vorlieben jedes Miis anpassen. Tapeten und Böden dürfen wir aber auch separat abändern. Außerdem ist möglich, das äußere Erscheinungsbild der Insel zu verändern, durch individuelle Fassaden, durch Straßen, mit denen sich die einzelnen Gebäude verbinden lassen, oder auch durch passende Straßenlaternen für eine stimmungsvolle Nachtansicht. Für diese größeren Bauprojekte greifen wir auf entsprechende Baupläne zurück, um sie auf unserer Insel umzusetzen. Dies geschieht dann automatisch. Einzelne Objekte für die Insel gibt es später dann auch im Inseldesignzentrum zu kaufen, von Bänken, über Zäune bis hin zur Vegetation.

Wenn aus Fremden Freunde werden - dank Mehlwürmern
Richtig spannend wird das Spiel aber dann, wenn wir weitere Miis erstellen und die verschiedenen Figuren miteinander interagieren. Sobald mehrere Bewohner auf der Insel sind, haben wir die Chance, sie zu greifen und nebeneinander zu platzieren, damit sie sich kennenlernen. Die Interaktionen untereinander finden dann weitestgehend automatisch statt, sodass wir quasi nur als Kuppler fungieren. Es passiert auch nicht jedes Mal dasselbe, wenn die Miis sich begegnen, da der Verlauf auch von äußeren Faktoren abhängen kann. Die Gespräche sind dabei nur teilweise vertont, die Animationen sprechen aber Bände und sorgen für äußerst schrullige, extrem unterhaltsame Momente voller überzeichneter Emotionen. Ab und an müssen wir den Bewohnern aber auch helfen, wenn sie nicht wissen, über was sie reden sollen. Auf diese Weise lassen sich auch ohne Probleme extrem abgefahrene Trends schaffen, indem man zum Beispiel das Thema Mehlwürmer zum Gesprächsthema Nummer 1 macht, oder natürlich jedes andere, denn wir können per Tastatur alles erdenkliche in das Spiel integrieren. Sind Miis dann endlich befreundet, können sie sich auch Spitznamen geben, sich verlieben und auch heiraten, je nachdem, wie sich ihre Beziehung entwickelt. Solch spektakuläre Geschehnisse wie eine geschlossene Freundschaft schaffen es dann natürlich auch in die Insel-eigenen Nachrichten, die die Bewohner regelmäßig über die wichtigsten Entwicklungen informieren. Hierzu gehören natürlich auch Geburtstagspartys mitsamt Ständchen und standesgemäßer Torte, die in den News übertragen werden.

Ein schräges Feelgood-Game
Optisch platziert sich Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden mit seiner typischen Mii-Optik bewusst zwischen hausinterner Konkurrenz wie Animal Crossing und Pokopia. Die Kombination aus comicartigem Look und komplett überzeichneter Darstellung ist dabei definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, das das Spiel von anderen Genrevertretern abhebt und dabei eventuell auch eine Zielgruppe anspricht, die nicht zwingend in Lebensimulationen zu Hause ist. Der Humor ist in jedem Fall außergewöhnlich und dürfte Jung und Alt gleichermaßen abholen - wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Kindlicher Slapstick trifft hier auf echte Cringe-Momente, die nur die älteren Semester verstehen. Die musikalische Untermalung beschränkt sich weitestgehend auf wohlklingende unaufdringliche Instrumentalsongs, die sich wohl am ehesten mit denen der Sims-Reihe vergleichen lassen. Hinzu kommt eine unfassbar lustige Vertonung, die sich komplett künstlich nach KI-Stimme anhört, irgendwo zwischen Navi-Ansage und automatischer Warteschleife beim Arzt. Wer auf abgefahrene humorvolle Inszenierungen steht, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

Fazit
Mit Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden bringt Nintendo eine weitere exklusive Lebenssimulation auf den Markt und damit interne Konkurrenz für Animal Crossing und Pokopia. Tomodachi setzt allerdings mit schrägem Humor, einzigartigem Look und sehr viel gestalterischer und kreativer Freiheit eigene Akzente und dürfte gerade mit seinen stark überzeichneten Interaktionen und Emotionen auch viele Spieler abseits des klassischen Lifesim-Genres ansprechen. Uns hat Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden mit seinen schrulligen Charakteren, den zahlreichen Möglichkeiten, sich selbst einzubringen, und den überwiegend äußerst unterhaltsamen Minispielen insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn wir die Langzeitmotivation etwas in Frage stellen würden, da die Abläufe recht gleichförmig bleiben - dies hängt aber am Ende natürlich vom Spielertyp ab. Dennoch macht das vielseitige Inselleben mit den häufig sehr unbeholfenen Interaktionen der Miis untereinander jede Menge Spaß und sorgt definitiv für gute Laune. Wer sich von dem speziellen Humor nicht abschrecken lässt, erhält hier in jedem Fall eine sehenswerte Lebenssimulation für Switch und Switch 2.
- Unterhaltsamer schräger Humor und schrullige Charaktere
- Zahlreiche Möglichkeiten, sich selbst einzubringen
- Spaßige Minispiele
- Motivierendes Belohnungssystem
- Miis mit echtem Charakter und individueller Vertonung
- Überzeichnete Emotionen und Interaktionen garantieren Lacher
- Feelgood-Soundtrack
- Abläufe wiederholen sich schnell
- Humor sicherlich Geschmackssache
- Langzeitmotivation hängt stark vom Spielertyp ab
- Kein Onlinespiel
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Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.
