

Warum The Binding of Isaac: Rebirth wohl immer mein Lieblings-Roguelike sein wird
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Es gibt Spiele, die man durchspielt und abhakt. Und es gibt Spiele, zu denen man immer wieder zurückkehrt, manchmal für eine halbe Stunde, manchmal für ein ganzes Wochenende. The Binding of Isaac: Rebirth ist für mich genau so ein Spiel. Es gibt inzwischen unzählige großartige Roguelikes, von Hades über Dead Cells bis Slay the Spire. Trotzdem lande ich am Ende immer wieder im Keller von Isaacs Mutter. In dieser Kolumne erkläre ich, warum Rebirth für mich wohl für immer das beste Roguelike bleiben wird.
Die Geschichte ist so verstörend wie einfach. Isaacs Mutter hört eine Stimme, die sie für die Stimme Gottes hält und glaubt, ihren Sohn opfern zu müssen. Isaac flieht durch eine Falltür in den Keller und kämpft sich durch immer tiefere und groteskere Ebenen. Seine Waffen sind seine eigenen Tränen, die er auf Monster, Fliegen und missgebildete Kreaturen schießt.
Das klingt düster und das ist es auch. Edmund McMillen, der schon mit Super Meat Boy bekannt wurde, verarbeitet in Isaac viele Themen aus seiner eigenen Kindheit und seiner religiösen Erziehung. Gleichzeitig steckt das Spiel voller schwarzem Humor, absurder Items und skurriler Gegner. Diese Mischung aus Ekel, Witz und Tragik ist einzigartig und hat mich vom ersten Run an gepackt.
Das ursprüngliche The Binding of Isaac erschien 2011 als Flash-Spiel und wurde überraschend zum Hit. Die Technik kam allerdings schnell an ihre Grenzen. McMillen tat sich deshalb mit Nicalis zusammen und baute das Spiel komplett neu auf. Das Ergebnis war Rebirth, das am 4. November 2014 für PC, PS4 und PS Vita erschien, später gefolgt von Versionen für Xbox, Nintendo-Konsolen und Smartphones.
Rebirth war deutlich mehr als ein Remaster. Neuer Grafikstil, neue Engine, Controller-Support, lokaler Koop und vor allem jede Menge zusätzlicher Inhalte. Danach folgten drei große Erweiterungen: Afterbirth im Jahr 2015, Afterbirth+ 2017 mit Unterstützung für Mods und 2021 schließlich Repentance, das auf der Fan-Mod Antibirth basiert. Seit Ende 2024 bringt Repentance+ zudem einen Online-Koop-Modus, auf den die Community jahrelang gewartet hatte.
Der wichtigste Grund, warum ich Isaac nicht loslassen kann, ist die unfassbare Menge an Inhalten. Mit allen Erweiterungen gibt es über 700 Gegenstände, dutzende Charaktere, unzählige Bosse und eine ganze Reihe verschiedener Enden. Jedes Item verändert Isaacs Aussehen und Fähigkeiten und viele von ihnen lassen sich auf die verrücktesten Arten kombinieren.
Genau diese Synergien machen für mich den Reiz aus. Mal schießt Isaac riesige Laserstrahlen aus den Augen, mal wirft er ein Küchenmesser wie einen Bumerang, mal wird er von einem halben Dutzend Begleitern umschwirrt, die den Raum für ihn aufräumen. Es gibt Runs, in denen du dich ab dem zweiten Stockwerk wie ein Gott fühlst und Runs, in denen du mit einer Handvoll nutzloser Items ums Überleben kämpfst. Beides gehört dazu und beides macht auf seine Art Spaß.
Dazu kommt, dass sich das Spiel nach jedem Durchlauf ein Stück weiterentwickelt. Neue Items, neue Charaktere, neue Kapitel und neue Bosse werden nach und nach freigeschaltet. Selbst nach vielen Stunden entdecke ich immer noch Kombinationen, die ich so noch nie gesehen habe. Wer wirklich alles erreichen will, jagt den berüchtigten Dead God-Erfolg, für den du sämtliche Errungenschaften des Spiels freischalten musst. Ein Ziel, für das selbst erfahrene Spieler hunderte Stunden brauchen.
Ein normaler Run dauert meist zwischen 20 und 60 Minuten, je nachdem, wie tief du gehst. Das macht Isaac zum perfekten Spiel für einen Feierabend, an dem ich nicht stundenlang in eine Geschichte eintauchen will. Einmal Keller, einmal Mama besiegen und wenn es gut läuft, noch ein paar Stockwerke tiefer. Auf der Switch und dem Steam Deck spielt sich das Ganze zudem hervorragend unterwegs.
Natürlich kennt jeder Isaac-Spieler den Moment, in dem aus einem schnellen Run plötzlich ein ganzer Abend wird. Ein starkes Item am Anfang, ein guter Deal mit dem Teufel und schon denkst du: Den Run kann ich jetzt nicht abbrechen. Genau dieser Sog ist es, der mich immer wieder zurückholt.
Versteh mich nicht falsch: Hades hat die bessere Geschichte, Dead Cells das flüssigere Kampfsystem und Slay the Spire die cleverere Strategie. Alle drei sind großartige Spiele. Aber keines davon hat diese schier endlose Tiefe und diese Unberechenbarkeit, die Isaac auszeichnet. Bei vielen modernen Roguelites weiß ich nach einer Weile, welche Builds stark sind und spiele sie gezielt an. Bei Isaac entscheidet der Zufall deutlich stärker und genau das sorgt dafür, dass jeder Run eine Geschichte für sich ist.
Dazu kommt der einzigartige Stil. Die Grafik, die bedrückende Musik von Ridiculon und das morbide Design der Gegner sind so unverwechselbar, dass ich jeden Screenshot sofort erkenne. Isaac versucht nie, allen zu gefallen und gerade das macht es so besonders.
Dass Isaac auch über zehn Jahre nach Rebirth noch eine riesige Fangemeinde hat, zeigen die Zahlen eindrucksvoll. Nach einem großen Rabatt auf Steam im Juni 2026 stieg die Zahl der gleichzeitigen Spieler auf rund 156.000. McMillen zufolge kauften fast vier Millionen Menschen das Spiel während dieses Sales. Für den 19. November 2026 ist zudem eine eigenständige Version von Repentance+ für Switch 2, PS5 und Xbox Series X/S angekündigt, inklusive Online-Koop.
Auch die Modding-Community hält das Spiel seit Jahren frisch. Über den Steam Workshop gibt es tausende Mods, von kleinen Komfortfunktionen bis zu kompletten neuen Charakteren und Kapiteln. Wer glaubt, Isaac schon komplett gesehen zu haben, findet dort garantiert neue Herausforderungen.
The Binding of Isaac: Rebirth ist für mich das perfekte Roguelike. Es ist düster, witzig, unberechenbar und so vollgepackt mit Inhalten, dass ich es vermutlich nie wirklich durchgespielt haben werde. Andere Spiele mögen in einzelnen Disziplinen besser sein, aber kein anderes Roguelike hat mich so lange und so intensiv begleitet. Und solange ich noch nicht jedes Item gefunden und jede Synergie ausprobiert habe, werde ich immer wieder zurück in diesen Keller steigen.
Wenn dich das Genre insgesamt interessiert, lies auch unseren Artikel Warum Roguelikes gerade so beliebt sind und unsere Kolumne Warum Indie-Games oft die besseren Ideen haben.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.