

Drei Griffe, ein Stick: Warum ich den N64-Controller bis heute liebe
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Drei Griffe, ein grauer Stick in der Mitte, gelbe C-Tasten und ein Abzug auf der Rückseite: Der Controller des Nintendo 64 sah 1996 aus, als hätte ihn jemand aus einer anderen Galaxie mitgebracht. Viele haben ihn damals belächelt, manche verflucht. Ich dagegen habe ihn geliebt und tue es bis heute. In dieser Kolumne erkläre ich, warum dieses seltsame Stück Plastik für mich einer der wichtigsten Controller der Videospielgeschichte ist.
Der N64-Controller erschien im Juni 1996 in Japan, im September in Nordamerika und am 1. März 1997 zusammen mit der Konsole in Europa. Entwickelt wurde er von Nintendos Abteilung R&D3 und eines war von Anfang an klar: Nintendo wollte nicht einfach den SNES-Controller mit ein paar zusätzlichen Tasten versehen. Das Ergebnis war ein M-förmiges Gehäuse mit drei Griffen, zehn Tasten, einem Steuerkreuz, einem Stick und einem Anschluss für Zubehör auf der Rückseite.
Spannend ist, dass Nintendo den Controller parallel zu Super Mario 64 verfeinerte. Die Bewegungen von Mario und das Gefühl des Sticks wurden gemeinsam abgestimmt. Wer damals zum ersten Mal Mario mit sanftem Druck schleichen und mit vollem Ausschlag sprinten ließ, wusste sofort, warum dieser Controller so aussah, wie er aussah.
Das Herzstück war natürlich der Stick in der Mitte. Er gehörte zu den ersten Daumensticks an einer Heimkonsole, die sich wirklich im Massenmarkt durchsetzten. Kurioserweise arbeitete er technisch digital, mit einem optischen Encoder, der Bewegungen in sehr feinen Stufen erfasste. In der Praxis fühlte er sich trotzdem genau so an, wie man sich eine präzise analoge Steuerung vorstellt.
Für mich war dieser Stick eine Offenbarung. Plötzlich konnte ich Spielfiguren nicht nur in acht Richtungen bewegen, sondern stufenlos, langsam oder schnell, vorsichtig oder hektisch. Super Mario 64, Ocarina of Time, GoldenEye 007, Wave Race 64 oder Star Fox 64 wären ohne diesen Stick schlicht nicht denkbar gewesen. Heute hat jeder Controller zwei Analogsticks und vieles davon geht auf genau diesen Moment zurück.
Einen Haken hatte der Stick allerdings: Er nutzte sich ab. Nach vielen Stunden Mario Party, in denen man den Stick wie verrückt im Kreis drehen musste, wurde er wackelig und ungenau. Manche Spieler holten sich dabei sogar Blasen an den Handflächen, was in den USA zu einer Einigung mit der Generalstaatsanwaltschaft von New York führte, in deren Rahmen Nintendo tatsächlich Schutzhandschuhe anbot.
Der Grund für die ungewöhnliche Form war ziemlich clever. Der Controller ließ sich auf drei Arten halten. Mit dem linken und mittleren Griff hattest du Stick, Z-Trigger, A, B und die C-Tasten im Zugriff, perfekt für 3D-Spiele. Mit dem linken und rechten Griff nutztest du das Steuerkreuz und die L-Taste, ideal für 2D-Spiele oder Prügler. Und manche Spiele nutzten beide Varianten im Wechsel.
Klar, nicht jeder kam damit zurecht. Kritiker bemängelten, dass man nie alle Tasten gleichzeitig erreichen konnte und die L-Taste in 3D-Spielen quasi nutzlos war. Ich fand das nie schlimm. Im Gegenteil: Der mittlere Griff lag für mich perfekt in der Hand und der Z-Trigger unter dem Zeigefinger fühlte sich in GoldenEye wie ein echter Abzug an. Das Zielen mit dem Stick, Schießen mit Z und das Ausweichen mit den C-Tasten wurde für mich zur zweiten Natur.
Die vier gelben C-Tasten waren ursprünglich für die Kamerasteuerung gedacht. In Super Mario 64 hast du damit Lakitu und seine Kamera gedreht. Schnell zeigte sich aber, wie vielseitig die Tasten waren. In Ocarina of Time lagen darauf deine Items wie Bogen, Greifhaken oder Bomben und natürlich die Okarina. Wer heute noch die Hymne der Zeit oder Zeldas Wiegenlied spielen kann, weil er die Tastenfolge im Kopf hat, weiß, wovon ich rede.
Auch in GoldenEye 007 waren die C-Tasten unverzichtbar, etwa zum seitlichen Ausweichen und Hoch- und Runterschauen. Viele Spiele entwickelten so ihre eigenen Steuerungskonzepte, die sich überraschend frisch anfühlten.
Auf der Rückseite des Controllers befand sich ein Schacht für Zubehör. Der Controller Pak war eine Speicherkarte, auf der manche Spiele ihre Spielstände ablegten. Der Transfer Pak verband Game-Boy-Module mit dem N64, etwa um Pokémon aus den Rot- und Blau-Editionen in Pokémon Stadium zu übertragen.
Das wichtigste Zubehör war aber der Rumble Pak, der im April 1997 zusammen mit Star Fox 64 erschien. Er brachte zum ersten Mal Force Feedback in größerem Stil auf eine Heimkonsole. Wenn der Arwing getroffen wurde, vibrierte der Controller in der Hand und das fühlte sich damals revolutionär an. Heute ist Vibration selbstverständlich, damals war es ein echtes Wow-Erlebnis. Der kleine Haken: Rumble Pak und Controller Pak teilten sich denselben Schacht, also musste man bei manchen Spielen wechseln.
Ein weiterer Grund, warum ich den N64-Controller so sehr mag, sind die Erinnerungen an Multiplayer-Abende. Das N64 hatte direkt vier Controller-Anschlüsse und die Controller gab es in vielen Farben, von Grau und Schwarz über Rot, Blau, Grün und Gelb bis zu durchsichtigen Varianten. Jeder hatte seine Lieblingsfarbe und Streit darum, wer welchen Controller bekommt, war fester Bestandteil jedes Spieleabends.
GoldenEye 007, Mario Kart 64, Super Smash Bros., Mario Party oder Diddy Kong Racing haben diese Abende geprägt. Viele dieser Spiele sind nur deshalb so legendär geworden, weil vier Leute gemeinsam vor einem Röhrenfernseher saßen und sich gegenseitig mit Controllern in der Hand anschrien.
Dass der Controller bis heute Kultstatus genießt, zeigt sich auch daran, dass er nie ganz verschwunden ist. Im Oktober 2021 veröffentlichte Nintendo eine kabellose Version für die Nintendo Switch, passend zu den N64-Spielen im Erweiterungspaket von Nintendo Switch Online. Mit integrierter Vibration und dem bekannten Design lassen sich Klassiker wie Ocarina of Time, Majora's Mask oder Mario Kart 64 wieder so spielen, wie sie gedacht waren.
Auch Drittanbieter haben das Design wiederentdeckt. 8BitDo brachte 2025 mit dem 64 Controller eine moderne Interpretation heraus, die sich an der klassischen Tastenanordnung orientiert und unter anderem mit dem Analogue 3D genutzt werden kann, einer neuen Konsole für originale N64-Module. Dass Hersteller fast 30 Jahre später noch Controller in diesem Stil bauen, sagt eigentlich alles.
Der N64-Controller war seltsam, gewagt und nicht perfekt. Der Stick nutzte sich ab, die L-Taste war oft überflüssig und manche Hände kamen mit den drei Griffen nie richtig klar. Trotzdem hat kaum ein anderer Controller die Spielewelt so geprägt. Er hat analoges Steuern in 3D-Welten massentauglich gemacht, Vibration populär gemacht und unzählige Multiplayer-Abende begleitet. Für mich ist er bis heute der Controller, an den ich mit dem größten Grinsen zurückdenke.
Wenn du mehr über die Hardware-Geschichte von Nintendo lesen willst, schau in unseren Artikel Die Evolution der Nintendo-Konsolen. Und wer wissen will, was moderne Sticks besser machen, wird in Gamepads und Hall-Effect: Warum moderne Sticks endlich das Drift-Problem lösen könnten fündig. Passend zum Thema N64 empfehle ich außerdem meine Kolumne zu Majora's Mask.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.