

Assassin's Creed Black Flag Resynced im Test: Gelungene Hommage oder Schiffbruch?
Mit Assassin's Creed Black Flag Resynced steht das erste echte Remake der Assassinenreihe in den Startlöchern. Natürlich hat man sich dafür den beliebtesten aller Ableger ausgesucht, sodass uns ein erneuter Ausflug in die Karibik zur Hochzeit der Piraten erwartet. Ob die Neuauflage des Meisterwerks vergangener Tage überzeugen kann oder ob man echte Legenden lieber unangetastet lässt, verraten wir euch im Test.

Ohne Umwege in die Schlacht
Bevor wir in das Abenteuer starten, haben wir die Möglichkeit, die Schwierigkeit von Kampf, Schleichen, Schiffskampf und den übrigen Aktivitäten separat in jeweils drei Stufen zu regeln. Sind wir zufrieden, wirft uns Resynced sofort in Edwards Geschichte, die in Kuba während einer Schlacht auf hoher See beginnt. Zugegeben, der Einstieg ist optisch extrem opulent und beeindruckend, wenn wir bei strömendem Regen und Gewitter unsere erste Seeschlacht bestreiten - hier wird der grafische Unterschied zum Original sofort in aller Klarheit sichtbar. Die Witterungseffekte, die Spiegelungen und auch die Darstellung von Feuer, Nebel oder Rauch sind extrem gut gelungen, sodass die Atmosphäre sehr schön eingefangen wird. Gleiches gilt für die extrem realistische Gestaltung der Wasseroberfläche.

Skull and Bones mit Landgang
Der Schiffskampf fühlt sich indes an wie eine modernisierte Version des Originals, die stark in Richtung Skull and Bones geht. Ob dies jetzt eine gute Entwicklung ist, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Etwas zugänglicher wird der Seekampf im Remake auf jeden Fall, das arcadigere Spielgefühl nimmt dem Seekampf von früher aber auch etwas die Kanten weg. Dadurch ist die gesamte Präsentation mehr Hollywood-like, fühlt sich aber eben auch nicht mehr so richtig nach dem Ur-Black Flag an. Auf der einen Seite sind die optischen Effekte, die uns die Sicht nehmen und das Manövrieren erschweren natürlich wirklich gut gemacht, das originale Spielgefühl geht dadurch aber auch ein Stück weit verloren. Es wirkt eben nicht mehr so richtig wie das vertraute Black Flag, sondern eher wie Skull and Bones mit Landgang. Die Landschaften sehen ebenfalls verdammt gut aus, egal, ob es um den dichten Dschungel mit beeindruckender Palmenpracht oder die wunderschöne Unterwasserwelt geht. Auch die Lichteinfälle und Schattenwürfe sind atemberaubend und sorgen immer wieder für Postkartenmotive - gut, dass es einen Fotomodus gibt. Nach dem Eröffnungsgefecht dürfen wir dann auch direkt die erste echte Sequenz bestaunen und auch hier geizt Ubisoft nicht mit grafischer Pracht. Die Mimik, die Haare oder auch die Augen, Münder oder Gesichtsfalten der Figuren sehen extrem realistisch aus und sorgen für eine kinoreife Präsentation in den Cutscenes. Hier merkt man schon deutlich die Power aktueller Systeme, die einfach eine viel höhere Fülle an Details ermöglichen.

Die Reisen mit dem Schiff in Resynced sind vor allem optisch wirklich sehenswert, gerade da man auch auf viele kleine Details drumherum geachtet hat, die im Remake präsenter sind, was natürlich ebenfalls an der stärkeren Leistung aktueller Konsolen liegt. So bewegt sich auf dem Schiff während der Fahrt mehr als früher und die einzelnen Crewmitglieder legen ein realistischeres und abwechslungsreicheres Verhalten während der Schiffsreisen an den Tag. Dies gilt auch für die Umgebung, wo wir zum Beispiel wahre Möwenscharen oder auch wieder diverse Meeresbewohner beobachten können. Was auf dem Schiff gelingt, gelingt übrigens auch an Land: so sehen die Orte belebter aus als im Original, was natürlich gerade in größeren Siedlungen wie Havanna eine deutliche Verbesserung ist. Die großartige Stimmung der Schauplätze aus dem Original erreicht Resynced dagegen häufig nicht. Dafür fehlt es den neu gestalteten Orten einfach immer wieder an Seele, die sie früher in Fülle hatten. Woran dies am Ende genau liegt, lässt sich schwer ausmachen. Die Gänsehaut, die wir früher beim Durchwandern der Piratensiedlungen hatten, blieb im Remake aber definitiv aus. Letztlich ist Resynced ein äußerst schickes Piratenspiel, das wir ohne den Namen und den damit verbundenen Vergleich zum Original wahrscheinlich deutlich positiver wahrgenommen hätten. Beim Transfer des Feelings des Originals hapert es für unser Empfinden dann aber doch merklich.

Alt vs. Neu
Beim Parcours setzt sich dieses Gefühl dann leider fort. Hier ist alles geschmeidig und gefällig, eben so, wie man es aus den neueren AC-Ablegern wie Shadows kennt - es wirkt aber nie so richtig wie aus einem Guss. Betrachtet man Resynched als neuen Teil der Reihe, hätten wir hier vermutlich wenig zu meckern. Das originale Parcours-System von Black Flag, das mit seinem deutlich stärkeren Flow definitiv eines der besten wenn nicht das beste des gesamten Franchises war, ist dagegen gänzlich verschwunden und dem modernen Pendant gewichen. Dadurch ist der Parcours aber eben auch austauschbar und nichts wirklich besonderes mehr, da wir ihn so quasi Eins zu Eins aus den neueren Teilen kennen. Gleiches gilt auch für das Klettern, das sich häufig mehr nach Uncharted als nach Assassin's Creed anfühlt. Im Original konnte man hier definitiv mehr Eigenständigkeit schaffen.

Die Kämpfe laufen grundsätzlich in typischer Assassin's-Creed-Manier ab, es ist also wieder eine Kombination aus Schlagen, Parieren und Ausweichen, die im Großen und Ganzen wie immer funktioniert. Die Animationen der Bewegungen wirken in den Kämpfen allerdings derart schnell und abgehakt, dass man sich teilweise wie in einem Ableger der Yakuza-Reihe fühlt. Die Resynced-Problematik setzt sich daher auch hier fort: Das Kampfsystem geht im Großen und Ganzen in Ordnung, es lässt den Geist des Originals aber links liegen, zugunsten eines modernen Spielgefühls im Stile von Shadows. Das klassische Kämpfen wurde zudem durch aufladbare Angriffe ergänzt, wie man es aus den neueren Teilen kennt. Eine weitere Entscheidung, die den Geist des Originals nach hinten drängt. Zudem fallen die Gefechte im Remake spürbar leichter aus, was man spätestens dann merkt, wenn man sich im Original mit einer größeren Gruppe an Feinden anlegt und gnadenlos untergeht.

Die Heimlichkeit ist dagegen das, wo es sich am meisten nach einem klassischen AC anfühlt. So können wir glücklicherweise noch immer in Menschenmengen untertauchen, um uns zu verstecken, im hohen Gras oder in Heuwägen Schutz suchen, um aus der Deckung heraus angreifen zu können, sowie Wachen mit Pfiffen anlocken, um sie zu eliminieren. Außerdem halten wir uns im Verborgenen auf, um Gespräche zu belauschen, Feinde zu verfolgen und neue Informationen zu erhalten - also klassisches Assassin's Creed Stealth-Gameplay. Auch hier wurde allerdings wieder eine neue Duftmarke gesetzt, die einige freuen wird, uns hat es allerdings eher gestört. So fallen die Beschattungsmissionen deutlich leichter aus, da sie nicht wie früher beim ersten längeren Blickkontakt sofort abbrechen. Das ganze war zwar mitunter langwierig und stressig, hat sich dann aber auch sehr belohnend angefühlt, wenn man es geschafft hat. Dieses Belohnungsgefühl nimmt man uns ein Stück weit weg.

Hochwertiger Soundtrack
Wie auch bei der grafischen Präsentationen lässt sich an der Vertonung nur wenig rütteln. Die orchestralen Arrangements von Resynced sind kraftvoll, hochwertig produziert und maßgeblich mitverantwortlich für die Atmosphäre der Spielwelt. Hinzu kommen instrumentale Piratenlieder und Shantys, die das Setting perfekt umrahmen. Hier kommt man dem Original von allen Elementen auf jeden Fall am nächsten. Auch die Synchronisation ist wieder richtig gut gelungen und man merkt kaum den Unterschied zum echten Black Flag, da die Stimmen weitestgehend identisch sind oder ihnen in den neuen Szenen so nahe kommen, dass man den Übergang nicht negativ wahrnimmt.

Ohne Neuzeit kein echtes Black Flag
Ein riesiges Manko des Remakes ist für uns das Fehlen der Gegenwartsmissionen und die Entscheidung, Abstergo gänzlich abstrakt zu halten - als Verwaltungsmenü vor Beginn des eigentlichen Spiels. Was früher das Aushängeschild der Reihe war, nämlich die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, spielt in den neueren Anlegern kaum noch eine Rolle. Auch, wenn es schade ist, dass moderne Assassin's Creeds weitestgehend auf die Gegenwart verzichten, ist es dennoch einfach der Evolution der Reihe geschuldet, die sich in all den Jahren weiterentwickelt hat. Es ist aber eine Sache, ein Element aus der Vergangenheit in neuen Ablegern nicht mehr zu berücksichtigen oder es aus alten Titeln herauszustreichen, in denen es früher ein tragender Baustein war. Mit dem Wegfall der Gegenwart verliert Black Flag einen maßgeblichen Teil seiner Identität, denn damals war die Abstergo-Story noch ein zentraler Bestandteil der Reihe - gerade in Black Flag, wo wir die weitläufigen Büros der Firma durchwandern können, war das Ganze auch äußerst gut umgesetzt. Der Verzicht darauf ist ein herber Einschnitt, denn auch das Spielgefühl ändert sich dadurch. Die Gegenwart mag zwar nicht jedem gefallen haben, dennoch ist sie in den frühen Jahren von Assassin's Creed eigentlich mit das wichtigste Alleinstellungsmerkmal, das aus einem gewöhnlichen History-RPG etwas ganz besonderes gemacht hat. Den Wegfall kann man dann leider auch nicht mit einer Handvoll neuer Missionen im Spiel ausgleichen.

Fazit
Ich habe seit Teil 1 jedes Assassin's Creed, mit Ausnahme der 2,5-D Ableger, von vorne bis hinten gespielt und kein Spiel hat mich dabei so gefesselt wie Assassin's Creed IV. Black Flag hat mich damals mit seiner fantastischen Spielwelt, dem herausragenden Piraten-Setting, der überraschend guten Geschichte und Edward als Hauptfigur in allen Belangen überzeugt. Hinzu kamen das für mich bis zum heutigen Tag beste Parcours-System der Reihe sowie die eindrucksvollsten Schiffskämpfe, die ich bis dahin je erlebt habe. Daher war meine Vorfreude auf Resynced entsprechend groß, da ich einfach gehofft habe, den Zauber des Originals noch einmal mit moderner Grafik erleben zu können. Als ich dann im Vorfeld allerdings bereits gehört habe, dass die Gegenwart als Element gestrichen wird, hatte ich bereits große Bedenken, die sich leider bestätigt haben.
Assassin's Creed Black Flag Resynced bringt eine wunderschön gestaltete moderne Version der offenen Karibikwelt mit, die mich aber trotz Grafikbombast, großartiger Lichteinfälle, einer atemberaubenden Unterwasserwelt und hochwertiger Sequenzen weitestgehend kalt lässt. Warum? Weil es für mich einfach nicht gelungen ist, die früher schier greifbare Seele der Schauplätze mit in den Neuzeit zu übertragen. Die Orte sehen schön aus, besitzen aber einfach nicht das Flair von damals. Zudem reißt das Fehlen der Gegenwart für mich ein riesiges Loch, das dem Spiel die Identität nimmt. Darüber hinaus wurde auch einfach zu viel am Gameplay geschraubt, als dass es sich noch wie Black Flag anfühlen könnte. Die Kampfanimationen sind seltsam hektisch, die Schiffssteuerung zu sehr Skull and Bones und der einst großartige Parcours nun ein Abklatsch von Shadows. Mir fehlt einfach von vorne bis hinten das Gefühl, das ich damals auf der Xbox 360 hatte und auch beim Port der Rebel Collection für die Switch noch ein weiteres Mal genauso erlebt habe. Resynced ist für mich ein optisch herausragendes Piratenspiel mit hochwertiger Grafik, tollem Soundtrack und einer noch immer sehenswerten Geschichte, hat aber vom Spielgefühl her nur noch sehr wenig mit dem zu tun, das mir Assassin's Creed Black Flag vor vielen Jahren bei seinem Release beschert hat. Wer einen kurzweiligen Ausflug in eine sehr schön gestaltete Karibik unternehmen will, wird hier aber definitiv seinen Spaß haben. Wer die echte Magie von Black Flag sucht, greift dagegen besser zur Rebel Collection.
- Tolle Lichteinfälle und Schattenwürfe
- Detailliert gestaltete Welt, bei der vor allem der Dschungel überzeugt
- Hochwertige Sequenzen
- Jede Menge Grafikbombast
- Grandioser Soundtrack
- Orte belebter als früher
- Eine immer noch sehenswerte Piratengeschichte
- Orte besitzen nicht den Flair von früher
- Fehlen der Gegenwartsmissionen nimmt dem Spiel einen elementaren Baustein
- Kampfanimationen seltsam hektisch und abgehakt
- Kämpfe merklich leichter als früher
- Parcours-System von Shadows ersetzt das gelungene Original
- Parcours, Klettern, Kämpfe und auch die Schiffssteuerung insgesamt zu glatt
- Überarbeitete Beschattungsmissionen zu gefällig
- Freedom Cry fehlt
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Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.


