

The Legend of Khiimori: Corruption Update im Vorab Test auf dem Steam Deck - Die Idylle bekommt dunkle Risse
In unserer Preview zum Open World Pferdespiel The Legend of Khiimori, das mit dem 13. Jahrhundert in der Mongolei ein äußerst interessantes Setting gewählt hat, haben wir uns zum Early Access Release bereits ausführlich mit dem grundlegenden Gameplay des Titels beschäftigt. Nun werfen wir erneut einen Blick auf das ambitionierte Projekt, das im Rahmen des Corruption Updates neue Funktionen einführt, die das Spielerlebnis maßgeblich verändern.
Ein gelungener Mix wird erweitert
Als Kurier sind wir in Khiimori eine große Zeit des Spiels auf dem Rücken unseres Pferdes unterwegs. Dabei erledigen wir Botengänge, liefern Waren aus, sammeln Ressourcen und durchstreifen die stimmungsvoll gestaltete, äußerst atmosphärische offene Welt, bei der vor allem auch der Soundtrack aus authentischen asiatischen Instrumentalstücken überzeugen kann. Trotz des Einsatzes von Pfeil und Bogen, zum Beispiel für die Jagd, und verschiedenen Wurfgeschossen, beispielsweise zum Verjagen von Bären, fühlt sich die Welt in Khiimori insgesamt eher friedlich und weitestgehend harmlos an, zumindest bis jetzt, denn mit der Einführung des Corruption Updates soll sich im Bezug auf die Gefahren innerhalb der Welt einiges ändern. Auf diese Weise möchte das Spiel seinen insgesamt sehr interessanten Ansatz eines historischen Open-World-Games mit Fokus auf Pferdepflege, Crafting, dem Zähmen wilder Pferde und einer Light-Form von Survival um einen weiteren Aspekt erweitern.
Schon ohne die Corruption Inhalte bietet Khiimori einige spannende Gameplay-Elemente, die wir so noch nicht in vielen Spielen gesehen haben. Angefangen bei der individuellen Planung einer Route mit mehreren eigenen Eckpunkten, was man so eher aus Bus-Simulationen kennt, bis hin zur optimalen Verteilung des Gewichts der zu befördernden Gegenstände, die sinnvoll auf die beiden Satteltaschen des Pferdes aufgeteilt werden müssen, um es in der Balance zu halten und ein Stolpern zu vermeiden. Insgesamt ist die Bewegung des Pferdes mitsamt aller drei Gangarten glaubhaft realisiert mit passenden Animationen, die die verschiedenen Tempi gut wiedergeben.
Auch die Pferdepflege ist mit Liebe zum Detail umgesetzt und erstreckt sich auf mehrere Möglichkeiten, dem Tier etwas Gutes zu tun, vom Streicheln und Striegeln bis hin zum Auskratzen der Hufe. Darüber hinaus müssen wir bei unserem tierischen Begleiter Nahrung, Wasser und Stimmung im Blick behalten und dürfen uns außerdem auf individuelle Attribute bei jedem Pferd freuen, die durch entsprechende Aktionen gezielt ausgebaut werden können. So erhöhen wir das Durchhaltevermögen zum Beispiel durch Reiten bei Hitze und Kälte wohingegen wir die Balance durch Reiten mit Gegenwind trainieren.
Interessant ist auch der Herkunftsaspekt der Pferde, deren genetische Zusammensetzung anhand des jeweiligen Gensets genaustens nachvollziehen lässt. Dies ist dann auch für die später ebenfalls mögliche Pferdezucht ein entscheidender Baustein. Bei uns selbst spielt der Survival-Aspekt im Übrigen auch eine Rolle, da wir auch hier auf ausreichend Nahrung und Wasser achten müssen. Im Vergleich zu echten Survival-Spielen sind wir hier aber im gut machbaren Bereich unterwegs, es sei denn, wir erhöhen die Schwierigkeit des Überlebens über das Menü. Erholen können wir uns übrigens unter anderem an selbst errichteten Lagern - ganz im Stille von Red Dead Redemption.
Ergänzend zu den Bedürfnissen von Reiter und Pferd gehört mit dem Herstellen von Objekten aus gesammelten Ressourcen, zum Beispiel für Nahrung, Medizin oder auch den Kampf, ein weiterer klassischer Survival-Aspekt zum Gameplay. Auch hier setzt man aber mit der Tatsache, dass Ressourcen auch bei vollem Reittempo vom Rücken des Pferdes aus mitsamt entsprechender Animationen gesammelt werden können, eigene Akzente. Hinzu kommt das Spiel mit den vorherrschenden Temperaturen in bestimmten Arealen, wo wir ohne entsprechende Ausrüstung nur schwer unterwegs sein können. Hier werden Erinnerungen an die jüngeren Zelda-Ableger wach. Schön ist hier auch die Umsetzung der Witterungen, egal, ob es um Blätterstürme, Schneefall oder Regen geht.

Flüche bedrohen den Frieden
Mit den verfluchten Rissen warten nun auch echte Bedrohungen auf uns. Zu Beginn treten sie, bei normalem Schwierigkeitsgrad, nur vereinzelt nachts auf und sorgen für düstere Flecken in der sonst so idyllischen Landschaft. Mit der Zeit breiten sich die in dunklem Lila und Schwarz gehaltenen korrumpierten Gebiete aber an immer mehr Stellen aus und bedrohen sowohl die Natur als auch uns selbst. Anders als bisher werden wir in den befallenen Regionen auch aktiv angegriffen und können Schaden nehmen, wenn wir uns in den verseuchten Gebieten aufhalten. Umher schwebende Geister und korrumpierte Tiere greifen uns hier ebenso an wie elektrische Wellen am Boden, die uns kontinuierlich Gesundheit abziehen. Darüber hinaus ängstigen die düsteren Areale auch unser Pferd und sorgen für eine immer schlechtere Stimmung, bis wir das Gebiet verlassen haben.
Optisch sind die Areale wirklich imposant und bedrohlich gehalten und ein echter Einschnitt in das sonstige Umgebungsbild. So breiten sich rund um die spitzen, zeltartigen Risse lila Ranken aus, die die Landschaft zunehmend befallen. Dadurch ist die Atmosphäre hier auch besonders intensiv und sticht deutlich heraus - ein echter Mehrwert für das Gameplay, da zusätzliche Abwechslung kreiert wird, sowohl bei der Präsentation als auch beim Gameplay. Auch die Stimmung und die Vertonung ändern sich schlagartig, sobald wir uns einem Riss nähern. So wird quasi sofort alle Farbe aus der Umgebung gezogen, sodass es fast nach einem Film Noir aussieht, mit Ausnahme der gruseligen lila Ranken auf dem Boden sowie der bläulich schimmernden elektrischen Wellen. Beim Sound dominieren plötzlich flächige Synthesizerklänge, die allerdings keine Melodie, sondern nur bedrohliche Klangteppiche kreieren, wodurch die Gefahr der Risse zu jeder Zeit spürbar ist. In ihrer Häufigkeit dürften die Gebiete in der riesigen offenen Welt für unseren Geschmack allerdings gerne noch etwas präsenter sein - gerade zu Beginn des Spiels.
Die Flüche lassen sich auch mithilfe neuer Optionen bekämpfen, sodass wir nicht tatenlos dabei zusehen müssen, wie die Idylle zerstört wird. So gibt es mit dem Cleansing Arrow einen speziellen Pfeil, der Flüchen punktuell am Ort des Einschlags entgegen wirken kann. Wer eine größere Reinigungswirkung benötigt, kann dagegen auch auf das Cleansing Powder zurückgreifen, das die Flüche innerhalb eines kleinen Radius zurückhält. Als Kombination aus beidem gibt es außerdem einen Cleansing Powder Arrow. Die beiden Waffenoptionen, die wie gewohnt im Herstellungsmenü angefertigt werden können, ergänzen also die bisherigen Mittel zur Geisterabwehr wie den pfeifenden Pfeil oder den Geisterabschreckungsbeutel und sind speziell auf die neuen Flüche ausgerichtet. An verfluchten Rissen in der Spielwelt besteht zudem die Möglichkeit, durch verschiedene Opfergaben den Flüchen kurzzeitig entgegen zu wirken.
Über die Einstellungen im Spielmenü lässt sich übrigens auch festlegen, wie stark sich die Flüche in der Welt ausbreiten und ob diese überhaupt auftreten. Mit Nachsichtig, Normal und Herausfordernd stehen drei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen im Bezug auf die neue Spieloption zur Verfügung. Alle, die lieber weiterhin die friedliche Idylle erleben wollen, können die Corruption bei Bedarf auch komplett deaktivieren. Die Rissmechanik startet übrigens sofort, nachdem wir das erste Mal in der Spielwelt ein solches Areal gesehen haben. In diesem Moment beginnt umgehend eine Quest, in der wir uns näher mit dem Savdag-Un Khor befassen, dem Ursprung der Flüche.

Unkompliziertes Spielerlebnis auf dem Steam Deck mit Einschränkungen
Wir nutzen unseren zweiten Blick auf The Legend of Khiimori außerdem dafür, um uns die Performance auf dem Steam Deck anzusehen. Hier lässt sich zunächst einmal lobend herausstellen, dass das Spiel in der Grundkonfiguration ohne manuelle Anpassungen äußerst flüssig auf Valves Handheld läuft. Insgesamt sind die Ruckler überschaubar und das grundlegende Gameplay lässt sich ohne krasse Einschränkungen auch auf dem Steam Deck erleben. Valve ordnet The Legend of Khiimori übrigens als spielbar ein, also in der mittleren, gelben Kategorie. Warum, das zeigt sich mit Blick auf die grafische Präsentation, denn hier müssen wir definitiv einige Einschnitte hinnehmen. Die eigentlich wirklich sehenswerte Welt des Spiels wirkt auf dem Steam Deck stark verwaschen und unscharf, was bei schnellem Reiten natürlich noch verstärkt wird. Auch die Kanten der Objekte und Personen sind krisselig und gerade die wehenden Haare oder Mähnen sehen hierbei schon sehr grobkörnig aus.
Auch die Weitsicht auf dem Steam Deck ist überschaubar, so sehen wir zwar weit entfernte Hügel und Berge, dazwischen aber im Prinzip nur grüne Flächen ohne weitere Details. Diese ploppen erst dann auf, wenn wir näher heranreiten. Dadurch wirkt die ohnehin noch recht leere Umgebung noch ein bisschen verlassener. Ein weiteres Problem der Grafik, die sich aber nicht auf das Steam Deck beschränkt, sind die teilweise wirklich gruseligen Gesichtsanimationen, die ihre besten Tage definitiv hinter sich haben. Hier müsste im Laufe des Early Access noch nachgebessert werden, um mit den wirklich gelungenen Bewegungsanimationen der Pferde mithalten zu können. Die Ladezeiten auf dem Deck sind dagegen aber absolut in Ordnung und ermöglichen einen schnellen Spieleinstieg. Insgesamt ist The Legend of Khiimori auf dem Steam Deck aber auf jeden Fall gut spielbar, man sollte allerdings nicht allzu großen Wert auf das grafische Erlebnis legen. Hier bietet sich dann eher der PC an.
Fazit
Mit dem Corruption Update macht The Legend of Khiimori einen wichtigen Schritt nach vorne. Die bislang vor allem ruhige und entschleunigte Open World erhält durch die sich ausbreitenden Flüche eine neue Dynamik, die sowohl spielerisch als auch atmosphärisch überzeugt. Die korrumpierten Gebiete sorgen für deutlich mehr Spannung und verlangen den gezielten Einsatz neuer Reinigungswerkzeuge, wodurch das Gameplay sinnvoll erweitert wird, ohne die Stärken des Spiels aus den Augen zu verlieren. Sie dürften allerdings gerne noch etwas präsenter in der Welt sein, gerade da die düstere Atmosphäre wirklich hervorragend getroffen ist. Gleichzeitig bleiben die liebevoll umgesetzte Pferdepflege, das durchdachte Survival- und Crafting-System sowie die stimmungsvolle Welt die größten Pluspunkte des Titels. Zwar zeigt der Early Access vor allem mit ausbaufähigen Gesichtsanimationen noch Verbesserungspotenzial, insgesamt entwickelt sich The Legend of Khiimori mit dem Corruption Update aber in die richtige Richtung und gewinnt spürbar an Abwechslung.
- Corruption Update sorgt mit Flüchen und neuen Reinigungsmechaniken für mehr Spannung und Abwechslung
- Korrumpierte Gebiete überzeugen mit ihrer Atmosphäre
- Intensität der Corruption lässt sich im Menü anpassen
- Corruption kann auch komplett ausgeschaltet werden
- Detailreiche Pferdepflege und Pferdezucht sowie glaubwürdige Reitmechanik noch immer die größten Stärken des Spiels
- Stimmungsvolle Open World mit gelungenem Soundtrack sowie durchdachten Survival- und Crafting-Elementen für Mensch und Tier sorgt für eine abwechslungsreiche Reise
- Gute Performance auf dem Steam Deck trotz Early Access
- Die korrumpierten Gebiete dürften noch etwas präsenter in der Welt sein
- Grafik auf dem Steam Deck deutlich verwaschen und unscharf
- Teilweise veraltete Gesichtsanimationen trüben das Gesamtbild
- Spielwelt wirkt immer noch etwas leer
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Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.