Review

Demon’s Souls im Test: Trial and Error in Spieleform

Von Marvin Kolb am 10. Dezember 2020
Publisher: Sony
Release: 19. November 2020
Genre: Action | Rollenspiel
Entwickler: Bluepoint Games
Verfügbar für: PS5
USK Altersfreigabe: 16

Mit Demon’s Souls landete From Software im Jahre 2009 einen Überraschungshit, der ein ganzes Genre nach sich zog. Das Third-Person Action-Rollenspiel konnte mit einer unglaublichen Gameplaytiefe und einer sehr knackigen Herausforderung überzeugen. Zum Launch der PlayStation 5 nahmen sich die Remake-Experten von Bluepoint Game das Spiel zur Brust.

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Ein einstiger Nischentitel als Start in eine neue Konsolengeneration

Demon’s Souls aus dem Jahre 2009 sollte erst gar nicht in Europa erscheinen. Man traute dem Spiel keine große Zukunft zu, doch schnell entpuppte sich das in Japan, Amerika und Kanada veröffentlichte Game als echter Geheimtipp, nachdem auch europäische Spieler verlangten. So entschloss man sich, das Spiel im Herbst 2010 auch auf den europäischen Markt loszulassen, und erntete damit nicht nur eine sehr treue und stetig wachsende Fangemeinde, sondern auch durchweg gute Kritiken.

Mittlerweile sind neben drei Dark Souls Teilen viele weitere “Souls-like” Spiele, wie sie die Gamergemeinde nennt, erschienen. Darunter namhafte Titel, wie Bloodborne und Sekiro, die beide ebenfalls von Entwickler From Software stammen.

Eine gewisse Ironie birgt der Fakt also, dass gerade Demon’s Souls nun als der große Hoffnungsträger des PlayStation 5 Start-Lineups gilt.

Bedenkt man, dass Demon’s Souls einen sperrigen Einstieg in die eigene Spielewelt bietet, so überrascht diese Entscheidung umso mehr. Hier merkt man, welch großer Beliebtheit sich das Original und dessen geistige Nachfolger erfreuen können.

Für das Remake des Titels zeichnen sich Bluepoint Games verantwortlich, die schon mit den Remakes der ersten drei Uncharted Titel und zuletzt mit der Neuauflage von Shadow Of The Colossus unter Beweis stellen konnten, dass sie wissen, wie man ein gutes Remake angeht.Demon's Souls 20201129134726

Dark Fantasy mit ausgedehnter Geschichte

Entgegen dem, was man als Spieler gewohnt ist, wird die Geschichte des Spiels eher am Rande erzählt. Es gibt ein Introvideo, das das Setting des Spiels in groben Zügen umreißt, den Rest gilt es, in der Spielwelt selbst zu entdecken. Fünf unterschiedliche Welten gibt es von einer Hub-Welt, dem Nexus, zu bereisen und alle bieten eine unterschiedliche Erfahrung mit unterschiedlichen Gegnertypen und eigenen Bossen an den Enden der Level-Abschnitte.

Hintergrund der Dark-Fantasy-Welt ist der folgende: König Allant der 12. stürzte das Königreich Boletaria ins Verderben, als er einen uralten Dämon zum Leben erweckte und damit einen mysteriösen Nebel über das Königreich legte, aus dem gefährliche Kreaturen heraus nach dem Leben und den Seelen der Anwohner trachteten. Wer seiner Seele beraubt wurde, verfiel dem Wahnsinn und griff wild alle Verbliebenen an. Abgegrenzt von der Welt, wagten sich nur wenige Helden in den Nebel, um das Königreich zu befreien. Keiner von ihnen kam lebend zurück. Nun liegt es am Spieler, sich den Gefahren innerhalb des Nebels zu stellen und Boletaria zu befreien. 

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Trial and Error – Das Spielprinzip

In Demon’s Souls trachtet alles nach dem Leben des Spielers. Nicht nur die zahlreichen und grundverschiedenen Gegnertypen sind eine große Gefahr, auch Fallen und einige andere versteckte Gefahren warten auf unerschrockene Helden. Wer sich dann durch die sehr knackigen Level gekämpft hat, findet an deren Ende einen Bossgegner, der es in sich hat. Wie schon bei den kleineren Feinden gilt es hier, eine bestimmte Mechanik zu verwenden oder eine Schwachstelle zu erkennen und diese gezielt auszunutzen. Dabei ist jeder Versuch eine echte Probe für die eigenen Nerven, denn Checkpoints gibt es in den Leveln keine. Wer stirbt, verliert nicht nur die mühsam gesammelten Seelen, die es zum Aufwerten und Erwerben einiger Gegenstände oder deren Reparaturen braucht, sondern fängt auch ganz am Levelbeginn erneut an. Es können zwar Abkürzungen freigespielt werden, diese machen die Reisen künftig etwas kürzer, aber dadurch nicht weniger gefährlich.

Das kann mitunter sehr frustrierend sein, macht aber auch den Reiz von Demon’s Souls aus. Der Spieler bekommt nichts geschenkt, aber die präzise Steuerung und die vielfältigen Möglichkeiten, den Helden mit Equipment und Waffen auf die bevorstehenden Herausforderungen vorzubereiten, machen das Spiel zu jederzeit fair und schaffbar. Und dadurch wird der Ehrgeiz geweckt, sich Stück für Stück durch die feindlichen Umgebungen zu kämpfen, mit jedem Versuch ein kleines Stückchen näher am nächsten Bossgegner. Auch wenn die Nerven oft blank liegen, macht das Spielprinzip von Demon’s Souls schnell süchtig und motiviert so stark, wie kaum ein anderes Spiel.

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Dabei ist die Herausforderung hier der wahre Reiz, denn aus der Flut an Open-World-Titeln, die einfach zu bewältigen, aber unnötig umfangreich scheinen ist diese Herausforderung oft gewichen. So sehnt man sich als Spieler nach genau diesen Spielen, wie Demon’s Souls, die das eigene Können auf die Probe stellen und dazu antreiben, eben dieses Können so lange zu verbessern, bis man ein weiteres Areal gemeistert hat. In typischer Rollenspielmanier können die eigenen Fähigkeiten, wie Stärke, Vitalität oder Geschicklichkeit, dem eigenen Spielstil fördernd aufgebessert werden. Zauber und Wunder vervollständigen das eigene Waffenarsenal.

Die Komplexität der Spielmechaniken kann anfangs erschlagen. Kämpft man sich aber einige Male durch Statistiken, probiert verschiedene Spielstile, bis man den passenden gefunden hat und nimmt man sich die Zeit, die Welt von Demon’s Souls und deren Mechaniken zu verstehen, erschließt sich einem ein ungewohnt forderndes, wie motivierendes Spiel, das seinen Kultstatus vollkommen zu Recht verdient hat.

Einzig die teils seltsame Gegner-KI ist zu bemängeln. Aber diese ist eher die Ausnahme.

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Was ist neu im Remake?

Auf welche Neuerungen dürfen sich Spieler freuen, die schon das Original ausgiebig gespielt haben?

  • Schon vor Beginn des eigentlichen Spiels gibt es eine Neuerung: der Charaktereditor wurde ordentlich aufpoliert und erweitert. So kann man nun die eigenen Proportionen und Gesichtspartien der Spielfigur anpassen und aus einer größeren Vielzahl an Optionen wählen.
  • Der neu hinzugefügte Fotomodus lässt Spieler nun die eigene Umgebung fotografieren. Wahlweise mit dem eigenen Charakter auf dem Bild, oder als Aufnahme der Umgebung ohne diesen. Klingt erst mal, wie ein nettes, aber “nutzloses” Gimmick, erweist sich aber schnell als nützlich, da man hier das Spielgeschehen “pausieren” kann. Befindet sich der Spieler nämlich in einem Menü pausiert die Spielwelt nicht und man läuft Gefahr, angegriffen zu werden und zu sterben. Zudem können hier Farbfilter für das Spiel ausgewählt und sogar selbst entworfen werden.
  • Das User-Interface kann nun nach Belieben aus- und wieder eingeblendet werden.
  • Gefundene Gegenstände können im Remake direkt aus dem Level ins Lager geschickt werden. Dies ist vor allem nützlich, wenn man die eigene Traglast des Charakters erreicht hat und nicht umständlicher Weise in den Nexus zurücklaufen möchte, nur um sich einiger Gegenstände zu entledigen.
  • Zudem kann die Spielwelt nun gespiegelt werden und man kann den Charakter-Editor auch während eines laufenden Spieles aus dem Nexus erreichen.
  • Eine wichtige Neuerung ist das Ausweichen in acht Richtungen. Im Original ging dies nur in vier. Das hört sich noch immer wenig an, ist aber eine wahre Erleichterung.
  • Einige neue Items wurden dem Spiel hinzugefügt und die Traglast der Heilkräuter wurde begrenzt.

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Demon’s Souls zeigt die Stärken der PlayStation 5

Grafisch ist Demon’s Souls ein wahres Fest. Alle fünf Welten bieten eine sehr dichte und jeweils einzigartige Atmosphäre, die durch die Grafikpower der PlayStation 5 detailreich und durchweg beeindruckend präsentiert wird. Ob es die dunkle Miene oder die Burg mit unfassbarem Weitblick auf die umliegende Berglandschaft ist, die Schauplätze des Spiels sind allesamt liebevoll animiert. Feuereffekte, Spiegelungen und die durchweg flüssigen Animationen lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sich kommende PlayStation Spiele einige Monate an dieser Grafikpracht messen lassen müssen.

Der Sound ist ebenso beeindruckend und wer das Spiel mit geeigneten Kopfhörern oder einer Heimkinoanlage genießt, wird auch akustisch im Königreich Boletaria versinken können. Die Standorte der Gegner sind an deren Geräuschen klar zu lokalisieren und große Gegner, wie der Drache aus dem ersten Level, haben eine beeindruckende audiovisuelle Macht, die den Spieler erzittern lässt.

Die unterschiedlichen und liebevoll gestalteten Schauplätze, die fast makellose Grafik und der brachiale Sound ergeben in Summe ein wahnsinnig intensives Spielerlebnis.

Dabei sind Erfolgserlebnisse oft hart erarbeitet, denn Spielmechaniken werden ebenso wenig erklärt, wie die Geschichte. Alles muss vom Spieler durch Ausprobieren herausgefunden werden. Die Beschreibung einiger Gegenstände kann dabei hilfreich sein und weitere Hintergründe der groß angelegten Geschichte des Spiels enthüllen.

Spielerleichternde Hilfen, wie Questmarker oder eine Karte mit deren Hilfe man sich orientieren könnte, gibt es nicht.

Zudem haben Spieler die Möglichkeit, anderen Spielern Nachrichten in den einzelnen Levelabschnitten zu hinterlassen. Ob diese jedoch wirkliche Tipps oder irreführende Angaben sind, muss man selbst herausfinden, denn nicht jeder ist den anderen Spielern freundlich gesonnen.

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Ist man auch nach mehreren Versuchen einer bestimmten Herausforderung nicht gewachsen, kann man das Spiel auch mit Freunden im Coop angehen. Aber Vorsicht, denn wer die eigene Spielwelt der Online-Community öffnet, kann ebenso von anderen Spielern überfallen werden.

Wie bei vielen anderen Spielen der neuen Konsolengeneration darf man als Spieler bei der Bildwiedergabe zwischen 1440p und 60 Bildern pro Sekunde oder einer höheren Auflösung, also 4K und 30 Bildern pro Sekunde, wählen. Hier entscheidet man sich also, ob das Spiel etwas schöner und detailreicher aussehen, oder flüssiger laufen soll. Dabei ist die Grafik auch bei 60 Bildern in der Sekunde noch mehr als beeindruckend.

Der Soundtrack des Spiels wurde mit einem kompletten Orchester aufgenommen und unterstreicht das Spielgeschehen an vielen Stellen mit einer unglaublichen Wucht. Die Musik trägt viel zur düsteren und dichten Atmosphäre des Spiels bei.

Auch die Möglichkeiten des neuen PlayStation 5 Controllers werden hier sehr stimmungsvoll in das Spiel eingebaut. Das haptische Feedback der Schultertasten gibt dem Spieler Rückmeldung, ob das eigene Schwert nun die Wand, oder den Gegner getroffen hat. Auch die Rumble-Funktion wurde teils so subtil, wie stimmig eingebaut. Steht man zum Beispiel vor einem langsam ratternden Aufzug, spürt man dessen Bewegung im Controller.

Das Demon’s Souls Remake nutzt also die Möglichkeiten der PlayStation 5 so gekonnt wie beeindruckend aus und sorgt so für ein ungewohntes Maß an Immersion. Der Spieler befindet sich mit allen Sinnen in der düsteren Welt des Games.

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Fazit

Grafik, Sound, Atmosphäre und die epische Erzählweite der Geschichte kombinieren sich in Demon’s Souls mit einem ausgefeilten und unfassbar motivierenden Gameplay zu einer durchweg spannenden, fordernden und einzigartigen Erfahrung, die es so noch nicht gegeben hat.

Demon’s Souls lädt dazu ein, stundenlang in der düsteren Welt Boletarias zu versinken und an den eigenen Fähigkeiten zu feilen, die Ausrüstung und Waffentypen aufeinander abzustimmen und tiefer in die Geschichte und deren epische Erzählung einzutauchen.

Einige Spieler mögen durch den knackigen Schwierigkeitsgrad, den hohen Zeitaufwand und das sperrige Gesamtkonzept des Spiels abgeschreckt sein. Wer sich aber auf Demon’s Souls einlässt, wird eine rundum gelungene Spieleperle vorfinden, die es in dieser Qualität nur alle paar Jahre zu bestaunen gibt.

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Pro:
  • Süchtig machende Spielmechanik
  • Unglaubliche Spieltiefe
  • Atmosphärisch sehr dicht und stimmig
Contra:
  • Selten fällt die Gegner-KI etwas negativ auf
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS5

Unsere Wertung:

9.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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