

Fallout 4: Anniversary Edition für Switch 2 im Test: Auf dem Handheld ins Ödland
Die Fallout 4: Anniversary Edition bringt Bethesdas Rollenspiel-Epos zum ersten Mal auf eine Nintendo-Konsole. So könnt ihr das Endzeit-RPG ab sofort sowohl zu Hause als auch unterwegs auf der Switch 2 genießen. Wie sich das Spiel dort präsentiert, verraten wir euch im Test.

Ein prall gefülltes Paket
Wer sich fragt, welche Inhalte Bethesda für das Nintendo-Debüt von Fallout bereithält, darf sich auf ein umfangreiches Paket freuen. Neben dem Hauptspiel gehören auch alle offiziellen DLCs zum Lieferumfang, also Automatron, Wasteland Workshop, Far Harbor, Contraptions Workshop, Vault-Tec Workshop und Nuka-World. Darüber hinaus haben es auch 150 Inhalte aus dem Creation-Club auf die Switch 2 geschafft, wie Waffen, Unterkünfte, Skins oder Lackierungen, die von der Community erstellt wurden. Anders als bei den großen Versionen müssen diese aber nicht erst über ein separates Menü installiert werden, sondern sind direkt ins Spiel implementiert. Es steht uns also insgesamt wirklich ein breit gefächertes Menü an Inhalten zur Verfügung, mit denen wir unsere Reise durch das Ödland individualisieren oder verlängern können.

Eine unvergessliche Reise
Wenn im Hauptmenü die unverkennbare melancholische Klaviermelodie von Fallout 4 ertönt, werden sofort Erinnerungen an unseren ersten Ausflug geweckt, der uns durch den bis dato neusten Singleplayer-Ableger der legendären Endzeit-Reihe geführt hat. Wer bisher überhaupt nicht mit Fallout 4 in Berührung gekommen ist, für den ordnen wir die Geschichte grob ein, ohne zu viel verraten zu wollen.
Wir schreiben das Jahr 2077, in dem die Welt am Abgrund steht. Die Idylle, die uns zu Beginn des Spiels in einem beschaulichen amerikanischen Vorort präsentiert wird, ist dabei nur von kurzer Dauer. Als Familienmensch leben wir mit unserer Frau und unserem Neugeborenen in einem hübschen Haus und es scheint uns an Nichts zu fehlen. Ein Roboter erledigt den Haushalt für uns und unser Leben scheint perfekt zu sein. Auch als es an der Tür klingelt und ein Vertreter von Vault-Tec auf uns wartet, bleiben wir zunächst entspannt. Dieser bietet uns einen Platz im örtlichen Vault an, einem Bunker, der uns vor der nuklearen Vernichtung im Ernstfall bewahren soll. Erst, als das Gespräch beendet und der Vertreter verschwunden ist und wir uns gerade dem Spiel mit unserem kleinen Sohn gewidmet haben, kippt plötzlich die Stimmung, als uns unser Roboter ins Wohnzimmer ruft.

Im Fernseher berichtet eine Nachrichtensendung über grelle Blitze und Explosionen sowie über Atomdetonationen im ganzen Land und auch vor der Tür bricht bereits die Panik aus. Also schnappen wir uns unsere Familie und rennen schnurstracks zum unweit gelegenen Atombunker, für den wir uns erst vor wenigen Minuten einen Platz gesichert haben. Als wir die Plattform erreicht haben, die uns tief nach unten ins Vault bringt, sehen wir in der Ferne bereits eine grelle Explosion und einen aufsteigenden Atompilz, kurz bevor wir uns nach unten in Sicherheit begeben. Unten angekommen werden wir umgehend zum Arzt der Einrichtung gebracht, der uns ohne viele Worte in eine Dekontaminierungskapsel steckt, zumindest in eine angebliche. Denn statt der angekündigten Entseuchung, bevor es in die tiefer gelegenen Wohnbereiche gehen soll, werden wir in der Kapsel in einen tiefen Schlaf versetzt. Im Delirium beobachten wir allerdings noch, wie in der Kapsel gegenüber unsere Frau erschossen und unser kleiner Sohn von fremden Gestalten entführt wird, bevor wir endgültig vom Kälteschlaf übermannt werden. Als wir endlich wieder zu uns kommen, sind viele Jahre in Vault 111 vergangen, genau genommen zwei Jahrhunderte, und wir sind allein in der unterirdischen Anlage.

Zurück an der Oberfläche, die nach all der Zeit wieder weitestgehend bewohnbar, aber von der atomaren Verseuchung stark gezeichnet ist, beginnt unsere Suche nach unserem verschollenen Sohn, die uns quer durch das Ödland führen wird. Fallout 4 gehört auch heute noch sicherlich zu dem besten, was Bethesda jemals zustande gebracht hat. Egal, ob es um die glaubhaft inszenierte postapokalyptische Welt mit ihren schrulligen Charakteren, um die gelungene Story mit den viele verschiedenen Fraktionen und Schauplätzen oder auch um die dramatischen Ereignisse an sich geht, die Realität und Fiktion äußerst überzeugend verbinden. Über zehn Jahre nach dem Erstrelease ein weiteres Mal ins Ödland zurück zu kehren, hat sich auf jeden Fall angefühlt, als würde man nach Hause kommen. Die stimmungsvolle offene Welt hat in all der Zeit definitiv nichts von ihrer Faszination verloren.

Überzeugende Performance - Grafik mit Abstrichen
Bei der Performance hat uns die Switch-2-Version von Fallout 4 wirklich beeindruckt. So läuft das Spiel gerade im Handheldmodus durchgehend flüssig und ohne störende Ruckler, selbst im hektischen Kampf. Auch die Ladezeiten fallen auf der Hybridkonsole äußerst moderat aus, sodass wir schnell ins Spiel starten können. Wo uns die Performance überzeugen konnte, müssen bei der Grafik definitiv einige Abstriche hingenommen werden im Vergleich zu den großen Konsolen. So wirkt alles insgesamt sehr unscharf und in der Ferne sogar recht stark verschwommen, vor allem im 60 FPS-Modus. Bei 30 Frames fällt die Unschärfe etwas weniger ins Gewicht, zumindest, wenn wir still stehen. Die Texturen der Oberflächen, seien es Risse im Holz, einzelne Gräser am Boden oder abgeblätterte Stellen im Putz, sind in allen Modi leider nur wenig plastisch und sehen dadurch oft wie aufgemalt aus. Lediglich wenn wir direkt auf unsere Füße blicken, erscheinen die Konturen richtig scharf, sobald wir den Blick nach vorne richten, ist alles merklich verwaschener, vor allem im Performance-Modus. Die Weitsicht ist eigentlich gar nicht so eingeschränkt, wie wir es erwartet hätten, dafür sind die Details hier extrem zurück geregelt. Markante Gebäude lassen sich aber auch aus einiger Ferne erkennen. Lichteinfälle, Spiegelungen und Wasseroberflächen sehen dagegen ziemlich ordentlich aus.

Bei den Animationen der Figuren erkennt man dann aber auch definitiv das Alter des Spiels, denn diese sehen aus heutiger Sicht steif und etwas ungelenk aus, das ist aber kein spezielles Problem der Switch-Version, auch wenn es hier schon noch etwas drastischer wirkt. Alles in allem ist die grafische Darstellung in etwa auf dem Niveau, wie wir es für die Hybridkonsole vermutet haben, die Performance, gerade bei 60 FPS, hat uns dagegen positiv überrascht. Wenn man sieht, was bei Spielen wie Cyberpunk oder Star Wars Outlaws aber auch grafisch auf der Switch 2 geht, wäre hier sicherlich noch ein bisschen was möglich gewesen. Wer weder mit 30 noch mit 60 Frames so richtig zufrieden ist, kann sich übrigens zudem für einen 40 FPS-Modus entscheiden, bei dem wir uns gefühlt ziemlich genau in der Mitte bewegen - die Unschärfe ist hier aber schon deutlich auffälliger als beim 30er-Spielmodus.

Zeitloses Gameplay
Die Fallout-Formel funktioniert natürlich auf jeder Hardware gleich gut. So hatten wir auch auf der Switch 2 jede Menge Spaß am Erkunden, am Looten, am Errichten unseres Lagers sowie am Ballern mit oder ohne Zeitlupe und Prügeln mit mal mehr mal weniger improvisierten Waffen. Auch die Tatsache, dass es stets mehrere Lösungsansätze gibt, wir in den Dialogen immer wieder Entscheidungen treffen dürfen und oft zwischen lautem und leisem Weg wählen können, ist Teil des zeitlosen Fallout-Konzepts, ebenso wie die innovative Umsetzung der SPECIAL-Attribute, die uns unseren Charakter individuell formen lassen.

Hinzu kommt eine Welt voller Gefahren unterschiedlichster Art, von tödlichen Ghoulen oder infizierten Wildviechern bis hin zu aggressiven Raidern oder der allgegenwärtigen Strahlung, die das Ödland zu einem glaubhaft lebensfeindlichen Ort machen. Bei aller Freude am bekannten Konzept fanden wir es etwas schade, dass sich Bethesda die Gelegenheit entgehen gelassen hat, den innovativen Mausmodus der Switch 2 ins Spiel einzubauen. Hier hätte man ein für Konsolen einzigartiges Spielerlebnis schaffen können, nah am PC-Erlebnis, was der Nintendo-Version ein echtes Alleinstellungsmerkmal verpasst hätte. Auch die Gyro-Steuerung fehlt, was bei einem Spiel mit hohem Shooter-Anteil immer etwas schade ist.

Fazit
Die Switch-2-Version der Fallout 4: Anniversary Edition ist insgesamt ein solides Gesamtpaket, bei dem man allerdings einige Abstriche machen muss. So ist und bleibt Fallout 4 in meinen Augen eines der besten Rollenspiele aller Zeiten und diese Faszination lässt sich definitiv auch auf der Switch 2 erleben. Story und Worldbuilding sowie der typische Mix aus Erkunden, Kämpfen, Looten und Entscheidungen treffen ist zeitlos und funktioniert auch zehn Jahre nach Release noch einwandfrei. Die Performance auf der Switch 2 hat uns gerade im 60-FPS-Modus positiv überrascht, bei der Grafik haben uns dagegen die erwarteten Einschränkungen getroffen. Auch, wenn die Welt insgesamt die benötigte Atmosphäre mitbringt, ist die deutliche Unschärfe im Performance-Modus und in Bewegung nicht von der Hand zu weisen und auch die Gesichtsanimationen sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Zweiteres ist kein Switch 2 Problem, hier sicherlich aber noch etwas drastischer als auf den großen Konsolen. Ein fehlender Mausmodus und der Verzicht auf eine Gyro-Steuerung ist eine verpasste Chance, die Nintendo-Version von anderen abzuheben und vielleicht auch, den für ein zehn Jahre altes Spiel hohen Preis zu rechtfertigen. Für diesen bekommt man aber immerhin alle DLCs und ausgewählte Community-Inhalte. Alles in allem ist die Switch-2-Ausgabe von Fallout 4 gerade für unterwegs im Handheld-Modus definitiv eine gute Möglichkeit, wer ausschließlich stationär spielt, ist mit einer Anniversary Edition für die großen Konsolen vielleicht besser dran.
- Typisches Fallout-Feeling für unterwegs
- Noch immer ein Meilenstein des Genres mit großartiger Stimmung
- Fallout-Konzept funktioniert hervorragend auf dem Handheld
- Überraschend flüssige Performance, gerade bei 60 Frames
- Kurze Ladezeiten
- Inklusive aller DLCs und ausgewählter Community-Inhalte
- Deutliche Unschärfe bei der Grafik, vor allem bei 60 FPS und in Bewegung
- Texturen wenig plastisch
- Weitsicht ziemlich matschig mit deutlichen Einsparungen bei den Details
- Animationen inzwischen sehr altbacken
- Kein Maus-Modus und keine Gyro-Steuerung
- Hoher Preis für ein zehn Jahre altes Spiel

Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.