Review

Guardians of the Galaxy im Test: Lizenzgurke oder Pflichttitel? 

Von Marvin Kolb am 16. November 2021
Publisher: Square Enix
Release: 26. Oktober 2021
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Eidos Montreal
Verfügbar für: PC | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 12

Lizenzspiele bleiben oft hinter den Erwartungen zurück und locken mit großen Namen, bieten aber wenig Spielwert. Nachdem viele Spieler und Spielerinnen vom aktuellen Marvel’s Avengers Spiel enttäuscht wurden, setzt Eidos Montreal nun mit Guardians of the Galaxy auf eine geradlinig erzählte Geschichte, die versucht, die Stimmung der Comics, aber auch der beiden Filme einzufangen.

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Star-Lord saves the day

Spieler dürfen in Guardians of the Galaxy in die Haut von Star-Lord schlüpfen. Die Geschichte beginnt in einem typischen Jugendzimmer der 80er-Jahre: Walkman, Poster von Metal-Bands und jede Menge Popkultur-Anspielungen. Die Grundzüge der Geschichte dürften jeden Comicfan bekannt sein: Peter Quill wird nach dem Tod seiner Mutter unfreiwillig in den Weltraum entführt und lernt dort zu überleben. Einige Jahre später lernt er durch eine Verkettung an Ereignissen den bewaffneten Nager Rocket samt Sidekick Groot, den Gesetzlosen Drax und Thanos Adoptivtochter Gamora kennen. Eher unfreiwillig schließen sie sich zusammen und sind von nun an als die Guardians of the Galaxy unterwegs. Star-Lord, wie Peter sich fortan nennt, ist deren inoffizieller Anführer.

Das Spiel beginnt mit einer kleinen unerlaubten Schatzsuche innerhalb einer abgesperrten Quarantänezone. Eigentlich wollt ihr nur ein Raumschiff-Wrack auf mögliche Schätze hin untersuchen, als euer unbefugtes Betreten des Schauplatzes auffällt. Ihr bekommt eine saftige Strafe aufgebrummt und müsst nun im Spielverlauf die nötigen finanziellen Mittel heranschaffen, um diese Strafe begleichen zu können.

So simpel, so geradlinig. Auch wenn ihr in diesem Third-Person Abenteuer einige kleinere Entscheidungen treffen könnt, folgt die Geschichte sehr ihrem roten Faden.

Dabei ist die Story durchweg sehr gut und mit dem nötigen Humor erzählt. Das Feeling der Reihe wurde hier perfekt umgesetzt und sowohl die Dynamiken der Charaktere untereinander als auch mit deren Umwelt wirkt sehr organisch und lebendig. Hier und da kann das Dauergeplapper der Guardians etwas nerven, aber so ist dieses Franchise eben. Mit über 12 Stunden Spielzeit ergibt sich eine gut getaktete Geschichte, die durch einige wirklich beeindruckende, aber auch ein paar eher langweilige Schauplätze trägt und endet, bevor sie langweilig werden kann. In Zeiten von künstlich aufgeblähten Open World Spielen und Grind-verseuchten MMOs spielt sich die geradlinige und gut gepacte Story sehr erfrischend.

Abseits des Weges gibt es kleine Collectibles zu finden, die die Geschichte etwas vertiefen. Interessant sind auch die alternativen Kostüme, die in den Levels gut versteckt liegen.

Weltraum-Sightseeing

Schon das erste große Areal des Spiels lädt zum Staunen ein. Die Umgebung ist oft sehr gut in Szene gesetzt und dank der Technik der PlayStation 5 grafisch auf gutem Niveau. Dabei schwanken die Areale von wirklich beeindruckend hin zu etwas grau geratenen Abschnitten, die aber oft nur durchquert werden müssen und so zu verschmerzen sind.

Das haptische Feedback des PS5-Controllers wurde nur spärlich eingesetzt, was aber nicht weiter stört. Die Steuerung ist intuitiv, aber an manchen Stellen ist die Tastenbelegung etwas ungünstig gelöst. So kann es zum Beispiel hier und da mal vorkommen, dass man eine Superfähigkeit aus Versehen auslöst. Hat man sich aber etwas eingewöhnt, geht die Steuerung präzise von der Hand.

Das Kampfsystem ist relativ simpel. Der Spieler kann als Star-Lord Schießen, Schlagen und mit den eigenen Raketen-Stiefeln immer wieder über dem Geschehen herumfliegen. Die anderen Guardians werden mit einer kleinen Tastenkombination im Kampf dirigiert und jeder besitzt eine eigene Attacke, die im Kampfgeschehen helfen kann. Groot kann beispielsweise die Massen im Zaum halten, in dem er mit in den Boden geschlagenen Wurzeln einige Gegner festhält, während Gamora mit ihren Klingen starke Attacken austeilen kann. In besonders brenzligen Situationen kann man die Mitstreiter zu einem Huddle zusammenrufen und mit in die Luft gestrecktem Walkman eine Spezialattacke ausführen, die für besonders viel Schaden sorgt.

So simpel wie dieses Kampfsystem ist, so spaßig ist es auch. Leider wirken die Kämpfe aber oft wie Füllmaterial, bis man sich wieder auf das gut inszenierte Geschehen der Geschichte konzentrieren kann. So ist Guardians of the Galaxy eher ein Story-getriebenes Erlebnis als die große Gameplay-Offenbarung.

Zurück in die 80er

Musikalisch setzt das Spiel auf Nostalgie. Ein umfassender Katalog lizenzierter 80er-Titel weckt eine Menge Erinnerungen. Von Pop-Klassikern bis zu Anfängen des Heavy-Metal ist hier eine bunte Mischung an stimmigen Songs vertreten. Ein großes Plus des Spiels, denn was wäre Guardians of the Galaxy ohne das Mixtape in Star-Lords Walkman?

Als nette Dreingabe dürfen Spieler die Songs im Schiff der Crew, die auch als Homebase zwischen den Missionen dient, in beliebiger Reihenfolge immer und immer wieder hören.

Auch das restliche Design des Spiels ist detailverliebt und sehr stimmig. Atmosphärisch kann man dem Game also nichts vorwerfen. Massig Anspielungen an die Film- und Comicreihe sind natürlich ein Muss und hier gibt es einiges zu entdecken.

Grafisch ist das Spiel in der Oberklasse anzusiedeln, wenn auch hier und da mal ein kleinerer Bug auftaucht. Gerade auf der PlayStation 5 sieht alles sehr gut aus und kleine Lichteffekte bringen zum Staunen. Schon das erste Areal ist eine echte Augenweide und man erwischt sich das ein oder andere Mal, wie man kurz innehält und die Umgebung auf sich wirken lässt.

Die Charaktere eures Teams sind ständig am Reden und Interagieren. Sie beschimpfen sich, scherzen miteinander und sorgen so für eine noch tiefere Atmosphäre. Kleinere Entscheidungen haben Auswirkungen auf die Dialoge und immer wieder kommt der Moment, in dem man sich zwischen zwei Antwortmöglichkeiten entscheiden muss. So kann man einen der Guardians mit den eigenen Worten entweder motivieren, oder sich über ihn lustig machen. Einen großen spielerischen Einfluss hat das nicht, aber wenn auf die getroffene Entscheidung in Dialogen immer wieder Bezug genommen wird, zum Beispiel wenn Rocket sauer ist über eine Schlucht geworfen zu werden, dann wirkt das alles rundum organisch und gut in das Gesamtbild des Spieles eingebunden. Man hat über das komplette Spiel hinweg das Gefühl, ein Teil der Guardians zu sein und so ist man immer unmittelbar in der Action. Hier haben die Entwickler und Entwicklerinnen von Eidos Montreal sehr gute Arbeit geleistet. So sollten sich Lizenztitel anfühlen. Zuletzt gelang das der Spider Man Reihe.

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Fazit

Guardians of the Galaxy vereint einige sehr starke Aspekte, eine gute Optik und eine rundum gelungene Atmosphäre zu einem sehr geradlinigen, wie auch stimmigen Abenteuer, das man gerne spielt und das sich rundum organisch anfühlt.

Gameplaytechnisch hätte es gerne etwas mehr Herausforderung sein dürfen, denn die Rätsel sind wenig spannend und die Kämpfe eher Beiwerk zur guten Story. Betrachtet man aber das Gesamtgefühl während des Spielens fällt das wenig ins Gewicht, denn der Titel lebt von der gut erzählten und inszenierten Geschichte, die eben hier und da etwas aufgelockert wird durch Kämpfe und kleine Rätselpassagen. Hier findet sicher auch ein unerfahreneres Spiele-Publikum eine Menge Spaß mit dem Titel.

Eidos Montreal haben ein rundum stimmiges Spiel aus der Guardians Lizenz geschaffen, dessen Fokus ganz klar auf der Präsentation liegt. Für mich ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild und ein großartiges Erlebnis, das durch gute Musik und die Charaktere lebt.

Kleinere Bugs kann man bei der schönen Optik und dem sehr guten Sounddesign verschmerzen. Dass nicht jede Aufgabe eine große Herausforderung darstellt und einige Rätsel sehr repetitiv sind, fällt ebenfalls nur sehr wenig ins Gewicht. Marvel Fans sowie Fans des Franchise an sich dürfen auf jeden Fall bedenkenlos zugreifen und sich an einem Spiel erfreuen, das eben wie ein guter Kinofilm unterhält und für 12 bis 15 Stunden mit Humor und Liebe zum Detail überzeugt.

Pro:
  • Die "Guardians-Stimmung" wird perfekt eingefangen
  • Großartiger Soundtrack
  • Sehr gut inszenierte Geschichte
Contra:
  • Schnell eintönig werdende Spielmechaniken
  • Wenig Wiederspielwert
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS5

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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