Review

No Straight Roads  – less talk, more rock!

Von Marvin Kolb am 8. September 2020
Publisher: Sold Out Ltd.
Release: 25. August 2020
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Metronomik
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 6

Mit No Straight Road setzen die Entwickler von Metronomik auf Rhythmus, groß inszenierte Bosskämpfe, quietschbunte Charaktere und vor allem auf eines: auf Rock! Ob diese Rechnung aufgeht?

Save vinyl city!

In No Straight Roads schlüpft man wahlweise in die Haut der Gitarristin Mayday oder des Drummers Zuke. Die Mission? Vinyl City von der Herrschaft der elektronischen Musik wieder hin zum guten altmodischen Rock zu führen.

Vinyl City, die musikalische Welthauptstadt, wird durch Musik mit Strom betrieben. Dem Konzern NSR und dessen CEO Tatiana ist es zu verdanken, dass dies fast ausschließlich durch EDM geschieht. Mayday und Zuke jedoch sind Rockfans der alten Schule und glauben an die elektrisierende Wirkung ihrer Musik. Zusammen gründen sie die Band Bunkbed Junction und legen ihr ganzes Herzblut in eine Performance, um den Konzern NSR davon zu überzeugen, dass Rockmusik Vinyl City ebenso am Leben halten kann, wie EDM.

Doch schnell zerschellen die Träume der beiden Musiker an der harten Fassade Tatianas, die sich einer Sache sehr sicher ist: Vinyl City verlangt nach EDM und für andere Musikrichtungen gibt es hier keinen Bedarf.

Geschlagen kehren Mayday und Zuke also in ihre Rocker-Bude in der Kanalisation zurück, um von hier erneut zum Schlag auf NSR auszuholen. Es gibt nur einen Weg den Rock wieder nach Vinyl City zu bringen: Bunkbed Junction müssen sich die fünf Erstplatzierten der Charts vorknöpfen.

Dj Subatomic Supernova

Chartstürmer

Doch die fünf Musiker beziehungsweise Musikgruppen geben ihre hart erarbeitete Chartposition nicht kampflos auf. So liegt es an dem Spieler diese einen nach dem anderen zu besiegen, um so die Gunst des Publikums für sich zu gewinnen.

In typischer Third-Person-Manier schaut man dabei den Charakteren über die Schulter. Die Kämpfe folgen hierbei immer einer bestimmten Rhythmik. Attacken und Blocks müssen den im Takt erfolgenden Angriffen der Gegner abgepasst werden. Dabei hat jeder der fünf Bossgegner einen ganz eigenen Track, der dem Kampf zugrunde liegt. Die Stücke variieren von Pianotracks bis hin zu Reggaerhythmen. So ergeben sich durch und durch abwechslungsreiche Kämpfe, die allesamt einen eigenen musikalischen wie optischen Flair bereithalten.

Die Introsequenzen der einzelnen Bosse sind dabei immer humorvoll in Szene gesetzt und so bleibt jeder einzelne von ihnen im Gedächtnis. Ebenso die ganzen schrillen Charaktere, die man über die einzelnen Abschnitte der Levels verteilt findet. Wer sich mit dem comichaft überzogenen Humor anfreunden kann, der wird in Vinyl City eine gute Zeit haben.

Haben Mayday und Zuke einen Boss erfolgreich in die Schranken gewiesen, steigen sie eine Chartplatzierung auf und erhalten eine Vinyl, die sie in ein neues Stadtgebiet bringt. Die besiegten Bosse dürfen dann jederzeit wieder besucht und wahlweise mit einem anderen Hintergrund-Track oder einem anderen Schwierigkeitsgrad bezwungen werden. Das sorgt für Wiederspielwert, den No Straight Roads dringend benötigt, denn die Hauptkampagne fällt sehr kurz aus. Hier und da gibt es noch einige Collectibles einzusammeln und bestimmte Levelareale freizuschalten und zu entdecken, wer sich aber strikt an die Story hält, wird schnell den Abspann sehen dürfen.

Aufgrund der liebevollen Präsentation, der schrägen Charaktere und dem guten Soundtracks ergibt sich aber trotz kurzer Spielzeit eine wirklich runde Story, die eine sehr nette und kreative Erfahrung für den Spieler bietet.

Mother And Child 2

aus der bude auf die bühne

Um für einen Bosskampf ausreichend vorbereitet zu sein, können sich Mayday und Zuke in ihrer kleinen Bude in der Kanalisation für kommende Kämpfe rüsten. Buffs auf Schnelligkeit oder die Schlagkraft der Spezialattacken bekommen die zwei Musiker durch Sticker, die es überall in der Stadt zu finden gibt und die für eine gewisse Zeit die Instrumente schmücken. Eine taktische Lagebesprechung kann vor jedem Kampf abgehalten werden und in einer kleinen Underground-Konzerthalle dürfen dann überschaubare Skilltrees ausgebaut werden. Welche Skills man sich leisten kann hängt hierbei von der Zahl der Fans ab, die man sich im Laufe der Bosskämpfe erspielt hat. Zusätzliche Fans gibt es auch durch kleinere Aktionen in Vinyl City zu gewinnen. Buffs und Skills sind dabei recht überschaubar gehalten, um nicht den schnell getakteten Spielfluss unnötig zu unterbrechen. Eine nette Dreingabe sind sie dennoch.

Hat man erst einmal den richtigen Groove gefunden, spielen sich die einzelnen Bosssequenzen wirklich großartig. Das Wechseln zwischen Heavy-Hitter Mayday und Combo-Meister Zuke läuft butterweich und intuitiv. Ganz großer Pluspunkt: wer einen zweiten Controller besitzt und einen guten Freund begeistern kann, der wird No Straight Roads im Couch-Koop genießen können. Zusammen rockt es sich dann doppelt so gut.

Mother And Child

Willkommen in vinyl city

Grafisch ist No Straight Roads kein AAA-Titel, jedoch sehr schön und voller Details in Szene gesetzt. Vinyl City versprüht den selben Charme wie seine schrägen Einwohner. Optisch und visuell hat das Spiel Musik- und Videospielfans einiges zu bieten. Sowohl Charakterdesigns, als auch die Arenen, in denen die Bosskämpfe ausgetragen werden, sind ansehnlich inszeniert. Für ein Indiespiel gibt es hier wirklich wenig zu meckern.

Das einzig wirklich störende Manko ist die Kamera, die gerade in den Bosskämpfen, nicht mehr nachjustierbar ist. Das sorgt an manchen Stellen für Frust und kann einen schon mal aus dem Flow bringen.

Ansonsten hat Metronomik aber eine saubere Spielbarkeit mit einer sehr netten Optik und einem wirklich großartigen Soundtrack gepaart. Alle Tracks gehen sofort ins Ohr und reißen mit. Dabei ist jeder Track einige Hördurchgänge wert. Kleinere Gegner hätten es jedoch ein paar mehr sein dürfen. Denn neben den Bossen beschränken sich die Gegner auf zwei Typen, die mit zwei unterschiedlichen Taktiken bezwungen werden müssen. Hier fehlt es ein wenig an Abwechslung.

Sewer

FAZIT

No Straight Roads bietet ein frisches Spielkonzept, eine gut inszenierte Story und einen wahnsinnig guten Soundtrack. Um das Ganze abzurunden kann das Spiel im Couch-Koop mit einem Freund oder einer Freundin gerockt werden.

Die liebevolle Präsentation, die gute Spielbarkeit und die erinnerungswürdigen Bosskämpfe lassen die kurze Spielzeit verschmerzen. Wer mit dem eigenwilligen comichaften Stil und den aufgedrehten Charakteren zurechtkommt, wird hier ein wirklich durch und durch liebenswertes Game finden. No Straight Roads ist eine kleine audiophile Indieperle mit kleinen Schnitzern, aber sehr großem Spielspaß.

Pro:
  • Der Soundtrack rockt!
  • Sehr schön inszenierte Story
  • Bossfights bieten hohen Wiederspielwert
  • Eigener, aber sehr unterhaltsamer Humor
Contra:
  • Sehr kurze Playtime
  • Für den einen oder anderen mag das Game zu "überdreht" oder "hibbelig" sein
  • Ein paar Gegnertypen hätten es mehr sein können
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

8.5 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

Schreibe einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentar absenden