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Old School RallyOld School Rally
Review

Old School Rally im Test: Ein nostalgischer Gruß aus den 90ern

Von Alex Jung am 17. Dezember 2025. Getestet auf PS5. Zum Spiel hier klicken.

Das Indie-Retro-Rennspiel Old School Rally rast bereits seit über einem Jahr auf Steam durch den Early Access. Dabei sind die Rezensionen durchaus mehr als ordentlich und das Feedback entsprechend sehr gut. Nun erscheint das Spiel für die PlayStation sowie die Nintendo Switch und möchte dort ebenfalls die Spielerschaft überzeugen. Nachdem wir uns bereits das ähnlich angelegte Rally Arcade Classics angeschaut haben, werfen wir nun einen genaueren Blick unter die Motorhaube von Old School Rally. Wie schlägt sich das Spiel im Vergleichstest und braucht es wirklich noch einen weiteren Retro-Rally-Racer?

Ausflug in die 90er

Gerade scheinen die 90er wieder modern zu sein, wenn man sich die zahlreichen, neu aufgelegten Musikstücke in den Charts oder die späten Fortsetzungen oder Reboots älterer Filme im Kino so ansieht. Auch vor der Videospielwelt macht dieser Trend nicht halt. Nicht umsonst gibt es etwa eine Trilogy-Box der ersten Tomb-Raider-Spiele oder Rennspiele mit ganz klarem Retro-Einschlag wie das kürzlich erschienene Rally Arcade Classics.

In dieselbe Kerbe schlägt nun Old School Rally. Haben wir Ende der 90er bereits unsere Runden in der legendären Colin-McRae-Rally-Reihe gedreht, so fühlen wir uns sofort heimisch. Zunächst erwartet uns ein sauber aufgebautes und ansprechendes Ringmenü, über das wir die Spielinhalte verwalten. Neben Einzelzeitfahren, diversen Einstellungsmöglichkeiten und einer Option, den sehr guten Soundtrack des Spiels in Ruhe abzuspielen, gibt es noch einen Showroom für unsere freigeschalteten Fahrzeuge. Diese werden in Modellbau-Form präsentiert, was ein sehr nettes Detail darstellt. Ebenso dürfen wir den Raum individuell anpassen und beispielsweise mit Pflanzen oder Arcade-Automaten dekorieren.

Klassentreffen mal anders

Hauptbetätigungsfeld dürfte der Menüpunkt „Rallye“ bleiben. Dieser stellt quasi die Kampagne im Spiel dar. Old School Rally unterteilt seine Fahrzeuge dabei in drei verschiedene Klassen, wobei zunächst nur die Klasse A verfügbar ist. Zudem gibt es die Kategorien S und Classics sowie final einige Wettbewerbe im Open-Bereich, bei denen wir in der Wahl unseres fahrbaren Untersatzes nicht eingeschränkt werden und mit absolut jedem bereits freigespielten Auto antreten können. Jede Gruppe bietet einige Fahrzeuge, die zwar nicht lizensiert wurden, aber dennoch klar erkennbar sind.

So dürfen wir etwa mit dem Subaru Impreza, Peugeot 206 WRC und älteren Klassikern wie Lancia Stratos oder dem legendären Audi Sport Quattro S1 E2 auf die Piste gehen. Ein Highlight stellt der aus der Gran-Turismo-Reihe bekannte und beliebte Suzuki Escudo Pikes Peak dar. Die typische Eingruppierung aus Gruppe A, Gruppe B oder Heck- und Fronttrieblern, wie man sie in der Realität findet, schenkt sich Old School Rally jedoch. So erhalten wir den Peugeot 205 Turbo 16 Evo 2 im Bereich der Klasse A, den eigentlich zur selben Zeit und im gleichen Reglement aktiven Audi Sport Quattro hingegen in Klasse S. Auch werden alle Antriebsformen in den Klassen bunt durchgemischt.

Eine Menge zum Freischalten

Zu Spielbeginn stehen uns lediglich drei Fahrzeuge zur Verfügung. Weitere Boliden erhalten wir als Belohnung für Rennerfolge oder können diese käuflich erwerben, das nötige, virtuelle Kleingeld natürlich vorausgesetzt. Auf die Art enthält das Spiel letztlich 32 Fahrzeuge, ein stattlicher Umfang. Geld und Autos erhalten wir über den Gewinn verschiedener Cups. Diese bestehen aus mindestens vier oder bis zu zehn Etappen, die wir nacheinander unter die Räder nehmen. Entgegen einer traditionellen Rallye führen uns diese Stages innerhalb eines Events quer durch mehrere Länder.

Ebenso stellen die Events keine echten Rallyes, sondern vielmehr nur Einzelzeitfahren dar. In jeder Stage müssen wir dabei eine Zielzeit unterbieten. Scheitern wir, dürfen wir immerhin direkt von neuem antreten, sodass sich der Frust in Grenzen hält, wenn man etwa auf der letzten Stage einen Unfall baut. Schade ist, dass wir nicht Teil eines echten Teilnehmerfeldes sind. Schließlich werden Rallyes meistens nicht dadurch gewonnen, dass man auf jeder Stage absolute Bestzeit fährt. Hier jedoch sind wir dazu gezwungen. Die Implementierung eines Starterfeldes, sei es einfach nur durch das Anzeigen verschiedener Zeiten, hätte ganz klar für noch mehr Immersion gesorgt.

Anzusprechen sind die angezeigten Zwischenzeiten. Generell sind wir meist nur wenige Sekunden unter oder über der zu erreichenden Zielzeit. Es ist uns allerdings mehr als einmal passiert, dass wir bei den Zwischenzeiten knapp im Plus waren, im letzten Sektor dann aber plötzlich zehn oder mehr Sekunden gewonnen haben, fast so, als hätte man für die Zielzeit vor dem Zielstrich angehalten. Ebenso verloren wir trotz einer fehlerfreien Fahrt an anderer Stelle plötzlich fast fünfzehn Sekunden im letzten Sektor. Die Zwischenzeiten sind somit wenig aussagekräftig, es hilft also nur Augen zu und durch.

Ein Best of des Rallyesports

Insgesamt bietet Old School Rally zehn unterschiedliche Länder als Austragungsorte, wobei pro Land zwei bis drei Stages zur Auswahl stehen. Einige davon müssen zunächst im Spielverlauf freigeschaltet werden. Abgebildet werden neben Asphalt und Schotter auch Schnee und Eis, sodass für jeden Driftsüchtigen etwas dabei ist. Die Länderauswahl beinhaltet Klassiker wie Schweden, Australien, Griechenland und Japan sowie Stages in China oder Arizona (USA).

Sämtliche Etappen wurden ansprechend gestaltet und bieten genügend Abwechslung in Form von Gebäuden, Bäumen, Felsen oder sonstigen Bauwerken am Wegesrand, die für entsprechende Atmosphäre sorgen. Die Pisten selbst warten durchaus mit Höhenunterschieden auf, sind in Summe jedoch eher gleichförmig aufgebaut. Zudem fallen immer wieder ähnliche Kurvenkombinationen auf, zum Beispiel enge Links-Rechts-Links-Kombinationen oder offensichtlich eingefügte Sprungkuppen, die ein wenig wie aus einem Baukasten stammen. Spaß und Herausforderung kommen dennoch nicht zu kurz. Wie mittlerweile üblich werden die Stages vor- und rückwärts befahren, wodurch bei der schieren Anzahl an unterschiedlichen Etappen etwas getrickst wird.

Die 90er hätten gerne ihre Grafik zurück

Die Optik von Old School Rally stammt direkt aus den glorreichen Tagen der ersten PlayStation-Generation, was allerdings ganz klar nicht als Nachteil zu sehen ist. So wird das typische Design von Fahrzeugen und Umgebungen der damaligen Zeit gut dargestellt, inklusive der technischen Limitierungen wie wabernde Texturen oder aufpoppende Objekte in der Entfernung. Old School Rally bietet sogar neben Verschmutzung der Autos ein Schadensmodell, durch das sich unser Bolide sichtbar verformt.

Nach zwei Etappen steht ein Reparaturstopp an, bei dem wir unser beschädigtes Vehikel wieder Instand setzen können. Die Funktion ist sehr rudimentär integriert, aber immerhin liegt ein Schadensmodell vor. Hier hat Old School Rally also die Nase vor Rally Arcade Classics. Beim Fahrgefühl geben sich beide Titel wenig. Auch Old School Rally ist im Kern ein Arcade-Spiel, dementsprechend zugänglich gestaltet sich die Steuerung. Wir haben immer ein gutes Gefühl für unser Fahrzeug, während wir es durch die Stages manövrieren.

Gemeinsam durch die Walachei

Als kleine Bonuszugabe bietet Old School Rally zusätzlich einen rudimentären Multiplayer. In diesem treten wir per Splitscreen gegeneinander an, sind jedoch beide auf der gleichen Piste unterwegs. Dementsprechend muss man natürlich auf sein Gegenüber achten, um keinen zeitraubenden Unfall zu bauen. Einen Online-Multiplayer beinhaltet das Spiel allerdings nicht. An der Stelle orientiert man sich ganz klar an den Spielen der 90er, bei denen kein Online-Multiplayer zur Verfügung stand. Ganz in der Tradition der damaligen Zeit wäre ein Hot-Seat-Modus für mehrere Spieler nacheinander nett gewesen.

Hat man gerade keinen Mitspieler für den lokalen Splitscreen-Modus zur Hand, dürfen wir stattdessen gegen einen KI-Kontrahenten antreten. In dem Fall verzichtet das Spiel auf eine Kollisionsabfrage, sodass wir auf den Gegner nicht weiter Rücksicht nehmen müssen. Gerade, um neue Stages kennenzulernen oder sich alternative Linien anzusehen ist diese Option eine durchaus sinnvolle Ergänzung.

Fazit

Braucht es wirklich noch einen weiteren Retro-Rally-Titel, nachdem hier bereits art of rally, Rally Arcade Classics oder Super Woden GP II die Piste ordentlich beackert haben? Die Antwort lautet: Ja, auf jeden Fall! Jedenfalls wenn es so gelungen umgesetzt wird wie in der Machart von OldSchool Rally. Richtig gut ist der Umfang des Spiels. Die zehn Länder sind sehr schön gestaltet und bieten stets mindestens zwei Stages zur Auswahl. Auch der Fuhrpark kann mit 32 unterschiedlichen Boliden überzeugen. Da viele davon erst freigeschaltet werden müssen, ist Langzeitmotivation definitiv gegeben.

Wer aus der Ära der ersten beiden Colin-McRae-Rally-Titel von Codemasters stammt oder diese zumindest gespielt hat, der findet sich dank der stimmungsvollen Retro-Grafik und der zahlreichen, entsprechenden Filter ohnehin sofort heimisch. Schade ist bei Old School Rally lediglich, dass der eigentliche Karriere-Modus letztlich nur ein zusammenhangloses Zeitfahren darstellt. Zudem sind die Zwischenzeiten auf den Stages wenig aussagekräftig. Vergleichen wir Rally Arcade Classics mit Old School Rally, so bieten beide sehr ähnlich angelegte Spiele Vor- und Nachteile. In Summe geben sie sich aber nicht viel, daher kann ich Old School Rally jedem Rallyefan und/oder nostalgieaffinen Spieler wärmstens empfehlen.

Pro:
  • Tolles Nostalgie-Feeling dank verschiedener Filter
  • Zugängliches, arcadiges Fahrgefühl
  • Zehn Länder mit je zwei bis drei Stages
  • 32 Fahrzeuge in unterschiedlichen Klassen
  • Gute Langzeitmotivation, da vieles freischaltbar
  • Schadensmodell
  • Sehr guter Soundtrack
  • Splitscreen-Modus
Contra:
  • Hauptmodus simples Zeitfahren
  • Zwischenzeiten nicht immer aussagekräftig
  • Strecken recht gleichförmig
  • Keinerlei Online-Optionen
Gameplay:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Sound:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Umfang:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 9.0 / 10
TestingBuddies Award Silber
Spiel getestet auf: PS5
Alex Jung

Alex Jung

Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.

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