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Hardware

RIG R5 Pro HS im Test: Leichtgewicht mit Graphen-Treibern für die PS5

Von Dominik Probst am 6. Mai 2026.

Der Markt für PS5-Headsets unter 100 Euro fühlt sich manchmal an, als würden die Hersteller in einen Lostopf greifen und hoffen, dass sie das richtige Modell erwischen. Mal scheppert das Plastik, mal klingt das Mikro wie ein Walkie-Talkie aus dem Kaugummi-Automaten und mal liefert der Bass die Wucht eines Föhns auf Stufe zwei. Genau in dieses Minenfeld schickt RIG, mittlerweile unter der Flagge von Nacon, das R5 Pro HS: ein offiziell für PlayStation lizenziertes Kabelheadset für 79,90 Euro.

Auf dem Datenblatt klingt das alles ziemlich vielversprechend. 40-mm-Treiber mit Graphen-beschichteten Membranen, Memory-Schaum an Bügel und Ohrmuscheln, das hauseigene Snap+Lock-System für magnetisch austauschbare Backplates und natürlich volle Unterstützung für Sonys Tempest 3D AudioTech. Wir haben das Pro HS mehrere Stunden auf der PlayStation 5 traktiert, von langen Gaming-Sessions bis zur Spotify-Probe mit allem, was das Tonspektrum hergibt. Ob das Headset wirklich hält, was es verspricht, oder ob sich hinter dem schicken Auftritt doch nur ein weiteres Plastikbomber-Headset versteckt, klären wir auf den nächsten Zeilen.

Schicker Auftritt mit Magnet-Trick

Auspacken, Headset rausnehmen, einmal kurz prüfen, ob das wirklich der Preis war. Das R5 Pro HS macht direkt einen erstaunlich wertigen Eindruck. Die Verarbeitung ist sauber, nichts knarzt, nichts wackelt, und das Design wirkt schlicht und schick statt nach Gamer-Bling mit RGB-Disco am Ohr. Over-Ear-Muscheln, dezente Polster, dazu ein gut sitzender Bügel: zusammengefasst eine angenehm erwachsene Optik, mit der wir uns auch außerhalb des Gaming-Zimmers nicht verstecken müssen.

Das eigentliche Highlight in Sachen Design ist das Snap+Lock-System. Klingt erst mal nach Marketing-Buzzword, ist im Alltag aber wirklich charmant gelöst. An jeder Ohrmuschel sitzen magnetisch gehaltene Backplates, die sich mit einem beherzten Zug abnehmen und genauso flott wieder andocken lassen. Zwei austauschbare Plates liegen schon der Verpackung bei, weitere verkauft RIG separat. Wer auf Individualität steht, kann sich auch eigene Plates aus dem 3D-Drucker kommen lassen, die passenden Vorlagen liefert RIG direkt auf der Website. Ein bisschen Bastler-Vibe ist da durchaus drin. Das Clan-Logo, den Lieblingshelden oder doch einfach nur Farbakzente auf der Plate? Dank 3D-Druck alles möglich.

Dazu klappen sich die Ohrmuscheln flach an den Bügel, was den Transport im Rucksack deutlich entspannter macht. Insgesamt ein Auftritt, der in dieser Preisklasse mehr Persönlichkeit zeigt, als man eigentlich erwarten dürfte.

Stundenlanger Sitzkomfort ohne Druckpunkte

Komfort ist beim Gaming oft das, was einem erst nach zwei Stunden „Monster Hunter, aber noch eine Mission“ auf die Stirn geschrieben wird. Das R5 Pro HS geht da einen anderen Weg. Als Over-Ear sitzt es großzügig um das Ohr herum, nicht klemmend auf der Muschel, und die Polsterung wirkt von der ersten Minute an eingelaufen statt nach Hartplastik mit Aufkleber.

Die Memory-Schaum-Kissen auf den Ohrmuscheln sind ordentlich dick, ohne dass sich darunter gleich eine Mini-Sauna bildet. Oben auf dem Bügel ist ebenfalls genug Material drauf, damit nicht nach einer halben Stunde das Gefühl entsteht, als hätte man einen Bügelklammer-Gadget bei Ikea falsch montiert. Zusammen ergibt das einen stabilen, aber nicht tyrannischen Sitz: das Headset bleibt auch beim Aufspringen aus der Couch zu einem Bosskampf da, wo es hingehört, ohne dass wir das Gefühl haben, der Kopf wird gerade für die nächste Staffel „Squid Game“ gecastet.

Wenn der Bass den Sessel zum Beben bringt

Wir können Datenblätter mit Graphen-Membranen und harmonischer Verzerrung unter einem halben Prozent gerne stehen lassen. Entscheidend ist, ob sich das Ding auch dort nicht wie eine billige Dosenradio-Kopie anhört, wo Musik nicht nur Hintergrund ist, sondern aktiv Stress machen soll. Also haben wir eine Playlist zusammengestellt, die von „schön gesäuselt“ bis „bitte zerlegt die unteren Register“ alles abdeckt.

Daft Punks „Get Lucky“ kommt sauber und rund rüber, ohne dass uns die Gitarre digitale Zähne zeigt. Bei Hans Zimmers „Time“ merkt man sofort, wie das Headset Druck aufbaut, wenn die Streicher und das tiefe Fundament anrollen. Bei Kendrick Lamars „Humble“ darf der Bass ordentlich wummern, und genau das tut er: präsent, kontrolliert genug, dass nicht alles zu Matsch wird.

The Weeknds „Blinding Lights“ wirkt insgesamt angenehm geschichtet, nicht übergeboostet, aber auch nicht dünn. Ein echtes Schmunzeln gab es bei „I Love Big Speakers“, weil der richtig tiefe Subbereich hier noch klar und nachvollziehbar bleibt. Viele Konkurrenten in der Preisklasse verschlucken genau diesen Part oder liefern nur eine vage Vibration mit Ansage von Bass.

Billie Eilishs „Bad Guy“ profitiert vom Stereo-Spiel links und rechts, das hier knackig und nachvollziehbar bleibt. Bei Adeles „Hello“ und Norah Jones’ „Don’t Know Why“ zeigen sich die Höhen und die feinen Nuancen ohne Piepen oder aufgesetzte Schärfe. Kurz gesagt: wir hätten hier durchaus etwas zu meckern gesucht, aber außerhalb von Geschmacksfragen und Genre-Erwartungen bleibt der Hut unten.

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Tempest 3D auf der PS5

Musik ist eine Sache, Games sind eine andere. Hier geht es weniger um „klingt das schön“ und mehr darum, ob wir Schritte übernehmen, bevor sie uns umlegen, und ob Explosionen nur laut sind oder auch irgendwo im Raum stehen. Das R5 Pro HS ist explizit auf Sonys Tempest 3D AudioTech ausgelegt, und auf der PS5 merkt man schnell, dass Stereo nicht automatisch dasselbe ist wie Richtung.

Action-lastige Momente profitieren vor allem von der räumlichen Auflösung: Geräusche wirken nicht wie eine Fläche zwischen beiden Ohren, sondern wie eine Szene, in der sich etwas links vor uns abspielt, rechts hinten nachzieht oder über uns einrollt. Das hilft nicht nur in ruppigen Online-Runden, sondern auch bei allem, was mit Atmosphäre zu tun hat, wenn Wind, Hall oder Fernkampfgeräusch den Raum füllen sollen.

Nach mehreren Stunden auf der Konsole bleibt der Eindruck: Das Headset transportiert die PS5-Audiokette ohne nach hinten zu fallen. Es wirkt präzise genug, dass wir Kommunikation und Spielsound nicht gegeneinander ausspielen müssen, sondern sauber voneinander trennen können. Wer Tempest bisher nur als Marketingwort kannte, bekommt hier zumindest Hardware, die nicht der Flaschenhals ist.

Mikrofon und Alltag

Wenn ihr wie wir erst Musik zerlegen und dann plötzlich im Party-Chat landet, ist die zweite große Frage immer dieselbe: Wie klingen wir für die anderen? Beim R5 Pro HS ist die Kurzfassung erfreulich unspektakulär. Sprache wirkt klar und natürlich und kommt verständlich rüber, ohne dass wir uns extra wie Moderatoren in die Mikrofonstellung ducken müssen.

Was ein kleiner Haken ist: Die Aufnahmelautstärke liegt etwas zurückhaltend. Nicht dramatisch, aber wenn ihr nach den ersten Sekunden merkt, dass ihr die Mikro-Einstellung noch zwei Stufen nach oben schieben müsst, ist das normal. Dafür funktioniert Flip-to-Mute so, wie man es sich wünscht: Mikro nach oben, Ruhe im Kanal.

Ein Punkt, der beim Datenblatt und auf der Produktseite gerne durcheinanderläuft: Dort taucht „abnehmbares Mikrofon“ auf. Unser Testgerät hat aber einen fest verbauten Boom und lässt sich nur hochklappen. Für den Alltag ist das okay. Für alle, die ein zweites Kabel-Mikro als Backup erwarten, ist es aber ein klassischer „lies nochmal nach“ Moment.

Lieferumfang und Bedienung

Der Karton mutet beim Öffnen ehrlich an: Headset, zwei zusätzliche Backplates, Papierkram mit Erklärungen und Garantiehinweisen, fertig. Keine Überraschungsbox mit Aufklebern, Poster und einem Schlüsselanhänger, den wir nach drei Tagen sowieso nicht wiederfinden. Für 79,90 Euro ist das okay, weil das Budget offensichtlich ins Produkt und nicht ins Packaging-Theater fließt.

Das Anschlusskonzept ist klassisch und dadurch nervenschonend: ein 1,5 Meter langes Kabel mit 3,5-mm-Klinke. Am DualSense steckt ihr den Stecker wie bei jedem klassischen Klinke-Headset für die PS5. Am PC oder am Handy ist es dieselbe Buchse, und meistens braucht ihr dafür keinen Adapter und keine zweite Gehirnhälfte für Setup-Rätsel. Die Lautstärkeregelung sitzt inline am Kabel, sodass wir nicht erst durch Menüs wühlen müssen, wenn uns eine Zwischensequenz gerade die Trommelfelle poliert.

Praktisch heißt das: auspacken, anschließen, läuft. Wer Funk und Ladepflicht hasst, bekommt hier eine sehr entspannte Sorte „Plug and Play“, ohne dass wir uns einen Doktor in Klinken-Adaptern holen müssen.

Fazit

Ich gebe es gerne zu: Ich hatte nicht erwartet, dass mir ein kabelgebundenes RIG-Headset unter 80 Euro so viel Spaß beim Hören macht. Nach mehreren Stunden auf der PS5 und einem Musik-Marathon, der von Filmscore bis Bass-Terror alles abdeckt, bleibt bei mir ein klarer Eindruck hängen. Das R5 Pro HS sieht schick aus, fühlt sich hochwertiger an, als der Preis vermuten lässt, und der Klang liefert bei mir durchweg Konstanz statt Überraschungen mit Ansage von Matsch.

Das Mikro passt für Party-Chats und normale Online-Runden, auch wenn ich die Aufnahmelautstärke etwas nachziehen würde. Flip-to-Mute ist bei mir genau dieser Moment „funktioniert einfach“, ohne Drama. Der kleine Stolperstein mit dem Datenblatt zum abnehmbaren Mikro nervt zwar, ändert aber nichts daran, dass ich das Headset insgesamt mit einem entspannten Daumen nach oben aus der Session schicke.

Pro:
  • Klang ist vielseitig stark: feine Höhen, saubere Mitten und Bass, der auch wirklich tiefe Parts noch erkennbar macht
  • Verarbeitung und Look sind aufgeräumt schick, ohne billiges Gamer-Kitsch-Gefühl
  • Snap+Lock-Backplates sind Spaß und Individualität ohne Werkzeugstress
  • Auf der PS5 kommt Tempest 3D AudioTech ordentlich zur Geltung
  • Für 79,90 Euro wirkt das Gesamtpaket fair dosiert, wenn man Klinke und Kabelführung mag
Contra:
  • Mikrofonaufnahme ist etwas zurückhaltend
  • Produktinfos und Datenblatt sprechen von abnehmbarem Mikro
  • Kabelgebunden bleibt Kabelgebunden: wer Funk will, sucht woanders
Design & Verarbeitung:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Tragekomfort:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Klangqualität:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Mikrofon:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Preis-Leistung:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 9.5 / 10
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Dominik Probst

Dominik Probst

Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.

Kommentare

EEdTrtIpyVQRPiGSNvJX am 13. Mai 2026 um 16:09

YyKYXrWCvCNpMCyitNaNaNOj

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