SPYxANYA: OPERATION MEMORIESSPYxANYA: OPERATION MEMORIES
Review

SPYxANYA: Operation Memories im Test: Alltagsfotodokumentation

Von Simone Jung am 22. Juli 2024. Getestet auf PS5. Zum Spiel hier klicken.

Die Entwickler von Groove Box Japan bringen mit SPYxANYA: Operation Memories die zur Tarnung zusammengewürfelte Forger-Familie zu ihrem nächsten Einsatz. Die Vorlage hierfür liefert die Manga-Reihe SPYxFAMILY, die ihren Ursprung in 2019 fand und zwischenzeitlich auch als Anime verfügbar ist. Ob die neue Undercover-Mission mit den Cozy-Game-Elementen und Minispielen auch auf den Zockbildschirmen gelingt, observieren wir gemeinsam mit euch in unserem Test.

Liebes Tagebuch

Der Geheimagent Twilight hat einen Auftrag zur Sicherung des Friedens erhalten. Sein Ziel ist der Politiker Donovan Desmond, der allerdings kaum in der Öffentlichkeit, sondern am ehesten über seinen kleinen Sohn zu greifen ist. Um also mit einer guten Tarnung an ihn heranzukommen, adoptiert Twilight unter dem Namen Loid Forger das Waisenmädchen Anya und heiratet die Verwaltungsangestellte Yor. Er weiß jedoch nicht, dass die beiden Damen mit großen Geheimnissen bei ihm einziehen. So ist Yor hinter den Kulissen eine Auftragskillerin, der die Scheinehe zwecks Tarnung natürlich ebenfalls gerade recht kommt. Und Anya wiederum hat die besondere Fähigkeit, Gedanken lesen zu können. Während ihre Eltern nichts von dem geheimen Job des jeweils anderen ahnen, ist Anya daher bestens im Bilde.

Um ihre neu gewonnene Familie und hierbei insbesondere ihren Vater bei seinem Friedensauftrag zu unterstützen, versucht sie sich in der Grundschule mit dem überheblichen Damian Desmond, dem Sohn des Ziel-Politikers, anzufreunden. Als schließlich die Hausaufgabe gestellt wird, ein schönes Tagebuch über ihren Alltag zu erstellen, ist für Anya klar: Um Damian zu beeindrucken und somit endlich mit ihm befreundet zu sein, muss sie das allerbeste und coolste Tagebuch anfertigen. Und da liegt es natürlich wiederum an uns, in der Haut der Forger-Jüngsten alles dafür zu tun, um das Missionsziel zu erreichen.

Soweit die Basis – allerdings erfahren wir im Spiel selbst leider nur den letzten Teil, nämlich dass Anya über die Tagebuch-Hausaufgabe für ihren Vater Freundschaft mit Damian schließen möchte. Alle anderen Hintergrundinformationen und Beweggründe werden als Vorkenntnis vorausgesetzt. Natürlich kann die Manga-Vorlage nicht mit jedem kleinen Detail vorgestellt werden, das würde sicherlich den Rahmen sprengen, aber ein bisschen mehr Einführung in die Grundhandlung und eine kurze Vorstellung der Charaktere wäre definitiv schön gewesen. Gerade für Neulinge in Bezug auf die Reihe gestaltet sich SPYxANYA: Operation Memories so nicht sehr einsteigerfreundlich, denn sie bleiben oftmals mit einem großen Fragezeichen zurück. Neben der fehlenden Einleitung versteht man auch weitere Anspielungen im Spielverlauf schlicht nicht, zum Beispiel wenn Anya plötzlich befürchtet, dass sie gerade unabsichtlich ihre besondere Fähigkeit gegenüber ihren Eltern verraten hat - und dabei noch nicht einmal erklärt wird, welche sie überhaupt besitzt. Alles in allem gestaltet sich die Geschichte zudem in Summe leider auch als gar nicht so relevant, denn sie bleibt im Spielverlauf sehr blass. Eine richtige Erzählung, die uns durch das Spiel führt, gibt es in diesem Sinn nicht. Stattdessen verfolgen wir losgelöste, eher belanglose Gespräche, die teilweise mit ein paar Hinweisen auf die Vorlage gespickt werden. Auch wenn das Hauptaugenmerk des Spiels auf dem Gameplay liegt - storytechnisch hätte man definitiv deutlich mehr aus der etwas verrückten Basis machen können.

SPYxANYA_Operation_Memories_2.webpSPYxANYA_Operation_Memories_3.webpSPYxANYA_Operation_Memories_4.webp

Bitte recht freundlich!

Schnell kristallisiert sich heraus, dass Anyas Hausaufgabe ein Fototagebuch mit schönen Szenen aus dem Alltag werden soll. Ihre Eltern unterstützen sie dabei, in dem sie regelmäßig mit ihr Ausflüge unternehmen. Sowohl Zuhause, in der Schule als auch bei den Unternehmungen mit Loid, Yor und dem Familienhund Bond gilt es nun, an verschiedenen Orten Fotos zu schießen, die Anya gemeinsam mit einem Supercool!-Gegenstand ins Auge fallen. Obwohl die Rahmenbedingung des Spiels so aufgezogen ist, dass unsere Protagonistin die Bilder erstellt, übernehmen wir hier die Rolle des Fotografen, während Anya, teils zusammen mit anderen Personen, vor der Linse als Fotomodel fungiert.

Sobald wir uns hinter die Kamera begeben, müssen wir innerhalb eines Zeitlimits in mehreren Runden die optimale Schärfe einstellen, den passenden Winkel finden und zudem das richtige Timing abpassen, um einen besonders lustigen Schnappschuss von Anya festzuhalten. Rahmen in verschiedenen Farben, die uns jeweils den Erfüllungsgrad anzeigen, unterstützen uns bei der Aufgabe. Je besser wir abschneiden, desto mehr Geistesblitze erhalten wir schließlich als Belohnung. Obwohl die tickende Uhr einen gewissen Handlungsdruck suggeriert, der das entspannte Gameplay etwas aushebelt, lassen sich die Aufgaben leicht bewältigen und sind unterhaltsam. Wir können auch mehrere Versuchsbilder schießen, aus denen wir schließlich unseren Favoriten in unser Tagebuch einfügen. Schade ist jedoch, dass wir, abgesehen von den vorgegebenen Fotopunkten, keine zusätzlichen, eigenen Fotos von der Umgebung machen dürfen. Das wäre eine schöne Option gewesen, die den Cozy-Gedanken noch etwas mehr ausgebaut hätte.

Schwerer wiegt allerdings, dass wir vom Spiel in unserer Bewegung schon ziemlich eingeengt werden. Wir folgen stets einem wiederkehrenden Tagesablauf mit verschiedenen Handlungsstationen. Zunächst besuchen wir die Schule, dann sammeln wir Zuhause noch ein wenig Material für unser Fotoalbum, bevor Anya schließlich zu guter Letzt nach dem Abendessen den Tag Revue passieren lässt. Alle paar Tage wird dieser Ablauf durch einen Familienausflug ausgetauscht, dessen Ziel wir im Voraus bestimmen. Um im Tagesverlauf überhaupt an einem Fotopunkt tätig werden zu können, brauchen wir Aktionspunkte. Diese stehen uns aber zumeist in nur sehr beschränkter Anzahl pro Tagesabschnitt zur Verfügung. Sind sie aufgebraucht, werden wir postwendend zur nächsten Station weiter geschickt, beispielsweise Nachhause. Zwar können wir abbrechen, doch dies bringt uns wenig, da wir nun effektiv nichts mehr tun können. Pro Gebiet warten aber mehrere Supercool!-Gegenstände auf eine Fotosession von uns, so dass wir gezwungen sind, jedes Gebiet mehrfach zu besuchen, um unsere Sammlung vervollständigen zu können. Eine gewisse Grindmechanik ist an sich in Ordnung, um die Spannung aufrecht zu erhalten, allerdings gestaltet sie sich in SPYxANYA: Operation Memories leider äußerst zäh und wenig motivierend.

SPYxANYA_Operation_Memories_7.webpSPYxANYA_Operation_Memories_8.webp

Spieleabend

Durch die Fotoaktionen am Tag sammelt Anya Eindrücke, die sich in der bereits erwähnten Ingame-Währung Geistesblitze niederschlagen. Abends vor dem Schlafengehen setzt sich unsere Protagonistin nochmals an ihr Tagebuch, um, wie es das Spiel schön einbettet, ihre Erlebnisse darin als Erinnerungen festzuhalten. Dies wird zur Auflockerung des Spielgeschehens über Minispiele abgebildet. Durch den Einsatz von Geistesblitzen beim Start eines dieser Spiele verdienen wir beim erfolgreichen Abschluss wiederum SP, über die wir benötigte Gegenstände für Ausflüge und Kleidung kaufen können, die uns neben optischen Anpassungen teilweise auch einen Boost für die Gewinnung von Ingame-Währungen verleiht. Meistern wir zudem bestimmte Herausforderungen, erhalten wir Lose, die wir vor einem Familienausflug in der Tombola einlösen können, um weitere Kleidung oder SP als Trostpreise zu gewinnen.

Die Minispiele schalten wir durch das Vervollständigen unseres Fototagebuchs nach und nach frei. Jedes Minispiel wartet weiterhin mit drei Schwierigkeitsstufen auf. Die Spielesammlung, die ein bisschen an Party-Klassiker wie Mario Party oder Raving Rabbids erinnert, stellt uns abwechslungsreiche und kurzweilige Aufgaben. So reiten wir beispielsweise einmal in einer 2D-Umgebung auf dem Familienhund Bond und müssen Sterne einsammeln, während wir Hindernissen ausweichen. Ein anderes Mal machen wir uns in der Schule fleißig Notizen, solange der Lehrer an die Tafel schreibt, und sollten uns dann schnellstmöglich vor unseren Mitschülern melden, wenn er sich umdreht. Ferner lässt Pacman grüßen, wenn wir versuchen, in einem Gebiet Anyas Leibspeise Erdnüsse einzusammeln, bevor uns feindliche Agenten einkassieren. Dann schwingen wir die Bowlingkugel oder versuchen uns á la Fruit Ninja am Gemüseschnippeln. Auch als Loid und Yor dürfen wir antreten, wenn es gilt, in einer geheimen Mission Gemälde zu entwenden, ohne erwischt zu werden oder Horden von Finsterlingen in bester Beat-’em-up-Manier auszuschalten.

Obwohl die Minispiele wirklich Spaß machen, gestaltet sich die Grindmechanik durch die Einschränkungen der Aktionspunkte im Tagesablauf in unmittelbarer Folge ebenfalls sehr schleppend. Wir können mit unseren verfügbaren Geistesblitzen nämlich nur wenige Durchläufe vornehmen, die uns in Bezug auf unsere Konten der anderen Ingame-Währungen oder auf einen höheren Schwierigkeitsgrad weiter voranbringen. Ohne ausreichend Geistesblitze dürfen wir zwar durchaus noch ein Minispiel starten, aber es beschränkt sich dann lediglich auf einen reinen Übungslauf. Somit sorgt der verzögerte und repetitive Ablauf leider recht schnell für eine Abnutzung der eigentlich spaßigen Spiele. Immerhin ist es nach einiger Zeit möglich, die Minispiele zu überspringen und stattdessen die Geistesblitze direkt in SP einzutauschen. Schön ist wiederum, dass wir vom Hauptmenü aus jederzeit einen direkten Zugriff auf alle vorhandenen Minispiele haben und manche sogar in einem lokalen Duell mit einem weiteren Mitspieler bestreiten können.

SPYxANYA_Operation_Memories_9.webpSPYxANYA_Operation_Memories_10.webpSPYxANYA_Operation_Memories_11.webp

Das Spionage-Gewand

SPYxANYA: Operation Memories zeigt sich in einem hübschen Comic-Look, der ein sehr schönes Anime-Feeling transportiert. So werden die Gesichtsausdrücke der Charaktere, insbesondere bei Anya, je nach Gefühlslage typisch überspitzt dargestellt und durch die gute Synchronisation auch akustisch weiter untermalt. Allerdings ist nur eine japanische Vertonung vorhanden. Die Bildschirmtexte sind hingegen in Deutscher Sprache verfügbar.

Die verschiedenen Bereiche sehen gut aus und bieten beispielsweise mit dem Brunnenplatz oder dem Aquarium ansprechend bunte, fröhliche Kulissen für unsere Fotos. Manche Umgebungen weisen dennoch ein paar Schwächen auf. So fallen sie teilweise etwas spartanisch aus, wie etwa in Anyas Schule. Oder sie hätten durchaus noch etwas mehr Politur vertragen können, wie zum Beispiel der Boden der Stadt, der lediglich aus einer flachen Textur ohne optische Tiefen bei den Pflastersteinen besteht.

Direkt beim Spielstart empfängt uns im Hauptmenü eine treibende, agentenmäßige Musik, die die Ausgangsbasis der Manga-Vorlage wunderbar trifft. Da das Spiel selbst aber einen entspannten Ansatz verfolgt, der wiederum zu der Hausaufgabenthematik passt, ist auch die musikalische Untermalung im Spielverlauf von eher ruhiger Natur. Somit fällt ein unstimmiger Kontrast auf, da im Hauptmenü eine ganz andere Stimmung vermittelt wird als schließlich im Spiel selbst. Mitunter deshalb erscheint die Musik nicht so stark und plätschert mehr im Hintergrund vor sich hin. Zwar wäre auch hier noch Luft nach oben, aber sie liefert dennoch eine ganz nette Soundkulisse rund um das Spielgeschehen.

SPYxANYA_Operation_Memories_12.webpSPYxANYA_Operation_Memories_13.webp

Fazit

SPYxANYA: Operation Memories zeigt sich in einer schönen Comic-Optik mit typischem Anime-Flair. Wir fertigen in einem entspannten Gameplay ein Fototagebuch mit Szenen aus dem Alltag der Grundschülerin Anya an. In verschiedenen Gebieten gilt es an fixen Fotopunkten die richtige Schärfe, den Winkel und einen besonders lustigen Moment zu treffen. Aufgelockert wird das Spielgeschehen zudem mit diversen spaßigen Minispielen, die teils an Party-Klassiker erinnern und sogar aus dem Hauptmenü heraus jederzeit vollständig, auch im lokalen Zweispielermodus, zur Verfügung stehen.

Leider werden wir aber in unserer Bewegung vom Spiel ziemlich eingeengt. Wir folgen einem sehr repetitiven und vor allem starren Tagesablauf. Sowohl die Vervollständigung unserer Fotosammlung als auch die Erfolge bei den Minispielen und der daraus resultierenden Freischaltung anderer Spielinhalte wie neuer Kleidung gestalten sich sehr grindlastig und zäh. So nutzen sich die Mechaniken schnell ab. Weiterhin wird aus der zugrundeliegenden Manga- und Anime-Vorlage rund um die Forger-Familie nur wenig gemacht. Es ist in dem Sinn keine durchgehende Story vorhanden und es erfolgt auch keine Vorstellung der Charaktere und Hintergründe. Neulinge in Bezug auf die Vorlage verstehen Anspielungen ohne im Internet nachzulesen daher kaum. Es ist wirklich schade, denn das Spiel hat schon seine Momente, lässt aber zeitgleich einiges an Potenzial liegen.

Pro:
  • Schöner Anime-Flair mit entspannter Atmosphäre
  • Unterhaltsame Fotomotive
  • Spaßige Minispiele
  • Alle Minispiele jederzeit im Hauptmenü im lokalen Ein- oder Zweispielermodus verfügbar
Contra:
  • Fehlende Einleitung in die Manga- und Anime-Vorlage
  • Keine durchgängige Story
  • Etwas verrückte Vorlage wird kaum genutzt
  • Sehr eingeschränkte Bewegung im Spiel
  • Repetitives, seichtes Gameplay, das sich schnell abnutzt
  • Grindlastig und zäh
Story:
2 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Gameplay:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Sound:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 6.5 / 10
Spiel getestet auf: PS5
Simone Jung

Simone Jung

Konsolenzockerin seit der Kindheit, bevorzugt auf der PlayStation. Zu den Lieblingsspielreihen gehören Grandia, Project Zero, Tomb Raider, Uncharted und Tekken, aber es finden auch gerne mal Indie-Titel den Weg auf den Bildschirm.

Schreibe einen Kommentar