

Sudden Strike 5 im Test: Zurück im Zweiten Weltkrieg
Mit Sudden Strike 5 kehrt eine echte Strategie-Legende zurück und lässt uns entscheidende Schlachten des Zweiten Weltkriegs miterleben. Wie sich der neuste Ableger der Kultreihe vom Entwickler Kite Games schlägt, verraten wir euch im Test.

Ein Krieg - drei Geschichten
Sudden Strike 5 bietet uns drei unterschiedliche Kampagnen an, sodass wir sowohl für die Achsenmäche als auch für die westlichen Alliierten oder die Sowjets in die Schlacht ziehen können. Befehligen wir die Wehrmacht und ihre Verbündeten, ist es unser Ziel, Europa zu erobern, während wir auf der Seite der USA und Großbritanniens die Kontinente Europa und Afrika von den Eroberern befreien möchten. Die Sowjetunion wiederum hat es zum Ziel, die eigene Heimat zu verteidigen und die Eindringlinge zurück zu schlagen. Jede Kampagne besteht aus mehreren Einzelnmissionen, die auf drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gespielt werden können. Dabei erleben wir entscheidende Schlachten des Krieges auf allen Seiten und dürfen uns auf eine Vielzahl an Schauplätzen freuen. So führen uns die verschiedenen Geschichten unter anderem nach Kreta, in die afrikanische Wüste, auf die Krim oder auch nach Ungarn und Italien. Außerdem darf natürlich die berüchtigte Ardennenoffensive nicht fehlen. Manche Schlachten sind dabei in mehrere Missionen unterteilt und kommen unter Umständen auch in mehreren Kampagnen vor, selbstverständlich mit individuellen Perspektiven und Zielen. Insgesamt gibt es 25 Missionen zu erledigen, wobei die deutsche Kampagne mit zehn Einsätzen die längste und die der Sowjets mit sieben die kürzeste ist.

Fight for Victory and Rewards
Durch erfolgreich absolvierte Missionen lassen sich dann auch spezielle Belohnungen freischalten, die uns dann später auch auf dem Schlachtfeld helfen. Hierzu gehören Fähigkeiten und Hilfsmittel, die bestimmte Vorteile bringen. Sandsackbefestigungen für Panzer oder Feldgeschütze, die den erlittenen Schaden der Einheiten reduzieren, Präzisionsschüsse als aktive Fähigkeit für Fahrzeuge, die einen garantierten Treffer mit erhöhtem Durchschlagswert landen oder auch Erste Hilfe Kästen, mit denen sich angeschlagene Einheiten regenerieren können, sind nur einige Beispiele. Bevor wir eine Mission starten, erwartet uns zunächst ein kurzes Briefing, das uns die individuellen Ziele vorstellt. Auch optionale Targets, die uns unter Umständen das Leben erleichtern, wenn wir sie erfüllen, werden hier genannt. Schön ist, dass das Briefing vertont ist und zwar von der Intonation her passend zur jeweiligen Kampagne. Außerdem legen wir vor dem Start eine taktische Ausrichtung fest, also ob wir defensiv, offensiv oder taktisch spielen möchten. Jeder Spielstil bringt dabei eigene Vorteile mit und ist einem individuellen Kommandeur zugeordnet. So finden sich bei den Alliierten zum Beispiel Bernhard Montgomery oder George S. Patton, wohingegen wir bei den Achsenmächten unter anderem Erwin Rommel oder Heinz Guderian wählen können. Die Sowjets halten dagegen Persönlichkeiten wie Konstantin Rokossowski oder Rodion Malinowski bereit. Zu den gewährten Vorteilen gehören, je nach Spielstil, beispielsweise eine erhöhte Gesundheit, eine höhere Geschwindigkeit oder auch eine verbesserte Durchschlagskraft bei Panzerungen. Mal finden diese als aktive Fähigkeit, mal als passiver Bonus statt.

Vielseitige Gefechte
Auf dem Schlachtfeld verlangt uns Sudden Strike 5 definitiv einiges ab. So können wir nicht einfach mit unseren Bodentruppen in feindliche Areale spazieren und darauf hoffen, irgendwie damit durch zu kommen. Um erfolgreich zu sein, stellt uns das Spiel eine ganze Bandbreite an Optionen zur Verfügung, mit denen wir, je nach Mission, zum Ziel gelangen können. Besonders wichtig sind dabei die Aufklärungsflugzeuge, die die von Nebel bedeckten unbekannten Areale für uns sichtbar machen und dadurch ein taktisches Vorgehen ermöglichen. Weiterhin helfen uns schwere Bomber dabei, Schneisen in die gegnerische Verteidigung zu schlagen, wohingegen taktische Bomber genutzt werden können, um einzelne Ziele gezielt auszuschalten. Dabei stehen uns die verschiedenen Einheiten natürlich nur begrenzt zur Verfügung, sodass wir sie mit Bedacht einsetzen müssen. Da die einzelnen Truppenarten hervorragend ineinander greifen, ist eine strategische Vorgehensweise auch sehr gut möglich, aber nicht immer einfach zu realisieren, je nach den Begebenheiten vor Ort. Weiterhin geht es darum, bestimmte Stellungen einzunehmen, um Prestige zu sichern, Versorgungsdepots unter Kontrolle zu bringen, um den Nachschub an Benzin und Munition sicherzustellen oder auch um die eigenen Fahrzeuge zu reparieren. Auch errichten wir Brücken, um Gewässer zu überqueren oder nutzen die vorherrschende Vegetation zur Tarnung, um unauffällig voran zu kommen. Die Tiefe des Schlachtfeldes setzt das Spiel im Übrigen äußerst realistisch um, sodass wir beispielsweise schon von weit entfernten Geschützen angegriffen werden, die wir noch gar nicht sehen, während wir uns im Nahkampf mit Infanterie und Panzern befinden. Die Kamerasteuerung per Stick, die es uns erlaubt, die Umgebung von allen Seiten zu betrachten, sowie sich durch Herauszoomen einen Überblick über das gesamte Geschehen zu verschaffen, ist dabei ein nützliches Werkzeug. Für unseren Geschmack hätte man aber in beide Richtungen gerne einen etwas weiteren Endpunkt wählen dürfen, denn weder das Heranzoomen noch das Herauszoomen sind sonderlich stark ausgeprägt.

Auch die Kreismenüs, über die wir Einheiten anfordern oder Aktionen ausführen sowie die Standardcontrollertasten, über die wir die grundlegenden Befehle wie Auswahl, Angriff oder Stehenbleiben managen, sind sinnvoll gewählt und ermöglichen an der Konsole eine komfortable Steuerung. Die Erklärungen lassen einen hingegen zu Beginn gerne einmal etwas alleine, sodass man vieles auch durch schlichtes Rumprobieren herausfindet. Sehr gut gelungen ist auch der Realismusanteil, gerade auch in den kleineren Details. So zerlegt es natürlich auch unsere eigenen Einheiten, wenn sich diese in der Anflugschneise unserer Bomber aufhalten. Außerdem können sich Feinde, die eigentlich im Verborgenen unterwegs sind, durch Geräusche verraten, wenn unsere Infanterie nah genug an ihnen dran ist. Eine Minimap zeigt uns übrigens zu jeder Zeit unsere Missionsziele sowie die optionalen Targets an und informiert uns außerdem über Befestigungen und Flussläufe. Das Spiel kann zudem zu jeder Zeit manuell gespeichert werden, wodurch auch länger andauernde Schlachten kein Problem darstellen.

Eine ansprechende Präsentation ohne Schnörkel
Insgesamt kann die optische Präsentation von Sudden Strike 5 überzeugen. Egal, ob es um die gut umgesetzte Vegetation, um Wind und Gewässer oder auch um Staubwolken, Schattenwurf oder Explosionen geht. Die Infanterieeinheiten selbst sind dagegen recht rudimentär gestaltet und bewegen sich auch sehr gleichförmig - hier wäre vielleicht etwas mehr Liebe zum Detail möglich gewesen. Diese finden wir aber definitiv in der Umsetzung der originalgetreuen Fahrzeuge, die von der Optik und auch von der Bewegung her auf ganzer Linie überzeugen können. Alles in allem setzt Sudden Strike 5 auf eine realistische Erfahrung ohne jeglichen Pathos, wie man ihn aus entsprechenden Kriegsfilmen kennt. Wer sich ein wenig mehr Hollywood wünscht, wird von der schnörkellosen Präsentation vielleicht etwas enttäuscht sein. Dennoch weiß das Strategiespiel mit abwechslungsreichen Settings zu überzeugen und schickt uns mal ins saftige Grün, mal in die Wüste oder auch in den tiefen Schnee - mitsamt Wettereffekten.

Schön ist auch, dass die kriegerischen Handlungen deutliche Spuren in der Landschaft hinterlassen, seien es Krater der Explosionen, umgefahrene Bäume oder schlichtweg die Fahrzeugspuren auf dem Boden. Auch umherfliegende Trümmerteile sind deutlich zu erkennen und lassen die Wucht des Schusses erahnen. Wer Wert auf eine originalgetreue geschichtliche Darstellung legt, dem sei gesagt, dass Sudden Strike 5 auf der PS5 keine Symbole der Deutschen zeigt, statt Hakenkreuzen sehen wir auf den Fahnen lediglich die Symbolik der Achsenmächte. Von der Soundgestaltung her bietet Sudden Strike 5 authentische Schuss- und Explosionsgeräusche, garniert diese mit einer Handvoll Funksprüchen und Ausrufen der Soldaten, von "Zu Befehl" bis hin zu "Brauche einen Sanitäter", und fügt zudem glaubhafte Fahrzeugsounds hinzu. Musikalisch setzt das Spiel, wie es bei Kriegsspielen inzwischen üblich ist, auf militärisch anmutende Orchesterklänge. Dominante Streicher und Bläsersegmente sorgen hier für treibende und rhythmische Melodien, die zwar stimmungsmäßig grundsätzlich passen, aber in Sachen Variation zu stark eingeschränkt sind. Dadurch gehen einem die immer gleichen Hintergrundklänge auch sehr schnell auf die Nerven. Vielleicht hätte man die Musik auch nicht dauerhaft präsent halten, sondern nur in Spannungsmomenten einsetzen sollen.

Zusätzliche Spielmöglichkeiten
Wem die Kampagne nicht ausreicht, der kann sich in weiteren Spielvarianten austoben. So steht mit dem Scharmützel eine Option bereit, die es uns erlaubt, gegen KI-gesteuerte Teams anzutreten, wahlweise alleine gegen ein oder zwei Teams oder auch an der Seite eines KI-Mitspielers gegen bis zu zwei Gegner. Dabei stehen mit Dominanz und Vorstoß zwei Spielmodi bereit, außerdem lässt sich die KI-Stärke in drei Stufen regulieren. Weiterhin wählen wir optional ein Zeitlimit von bis zu 45 Minuten und bestimmen zudem für jedes Team einen Kommandanten. An Karten stehen, abhängig vom Spielmodus, flache und Gebirgskarten sowie eine Winter- und eine Nachtmap bereit. Die beiden Spielvarianten sind schnell erklärt. So geht es in Vorstoß darum, dass ein Team nacheinander mehrere Frontlinien angreift und die Verteidiger versuchen, den Fortschritt aufzuhalten. Dabei müssen an jeder Frontlinie mehrere Punkte erobert werden, um weiter vor zu rücken. Für die Angreifer gilt dabei ein Zeitlimit für jeden Abschnitt. Verstreicht dieses, gewinnt das verteidigende Team. Der Modus Dominanz ist ein klassischer Eroberungsmodus. Hier geht es darum, markierte Dominanzzonen unter Kontrolle zu bringen, und zwar mehr als unser Gegner, um Dominanzpunkte zu sammeln. Wer nach Ablauf der Zeit mehr Punkte hat, gewinnt das Spiel. Vorbereitungsphasen für die individuelle Planung sowie Möglichkeiten, neue Einheiten zu kaufen, unterbrechen dabei immer wieder das eigentliche Gameplay. Wer zusätzliche Herausforderung sucht, kann die Modi außerdem im Multiplayer gegen menschliche Gegner erleben, PS Plus vorausgesetzt.

Fazit
Sudden Strike 5 bringt eine alteingesessene Strategiereihe zurück und setzt dabei auf eine schnörkellose realistisch anmutende Präsentation. Der Fokus liegt ganz klar auf vielseitigen Schlachten mit taktischer Tiefe und hier liefert das Spiel auch sehr ordentlich ab. Die Art und Weise, wie die verschiedenen Einheiten ineinander greifen müssen, um erfolgreich zu sein, hat uns sehr gut gefallen, da unüberlegtes, planloses Vorgehen eigentlich jedes Mal bestraft wird. Auch die Größe der Schlachten kommt definitiv beim Spieler an, ebenso wie die Fülle an Optionen, die beim Planen der nächsten Schritte zur Verfügung stehen. Hinzu kommen eine griffige und komfortable Controllersteuerung, eine ansprechende Grafik sowie eine umfangreiche Kampagne mit vielen wichtigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs, teilweise aus drei Perspektiven. Neben der etwas anstrengenden musikalischen Untermalung, den teilweise recht knappen Erklärungen und der sehr gleichförmigen Darstellung der Soldaten war es für mich vor allem die Tatsache, dass sich in den drei Kampagnen die Schauplätze stark überschneiden, die mir weniger gut gefallen hat. Auch habe ich persönlich nichts gegen eine etwas pathetischere Umsetzung von Kriegsszenerien, hier konzentriert man sich definitiv auf das Wesentliche.
- Umfangreiche Kampagne mit drei Perspektiven
- Schlachten erfordern taktisches Vorgehen
- Verschiedene Spielstile möglich
- Die unterschiedlichen Einheiten müssen ineinander greifen, um erfolgreich zu sein
- Ansprechende Präsentation mit Fokus auf Realismus
- Gelungene Controllersteuerung
- Scharmützel und Multiplayer als zusätzliche Spieloptionen
- Erklärungen teilweise etwas knapp
- Starke Überschneidung der Schauplätze innerhalb der drei Kampagnen
- Auf Dauer anstrengende Hintergrundmusik
- Darstellung der Soldaten sehr reduziert
- Keine korrekten historischen Symbole
- Könnte etwas Pathos vertragen
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Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.