Review

The Dark Pictures Anthology: Little Hope im Test: Überzeugt der zweite Teil der Horror Anthologie?

Von Marvin Kolb am 29. November 2020
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Release: 30. Oktober 2020
Genre: Survival | Horror
Entwickler: Supermassive Games
Verfügbar für: PC | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 18

Pünktlich zu Halloween erschien Teil zwei der Dark Pictures Anthology Serie und will den Spielern das Gruseln lehren. Dabei setzt das Spiel auf eine Art interaktives Filmerlebnis, das man am besten mit Freunden genießt. Auf dem Papier klingt diese Idee spannend, doch gelingt Supermassive Games die Umsetzung?

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Interaktiver Filmabend

Die Dark Pictures Anthology startete vergangenes Jahr mit dem Titel Man of Medan und ist eine Serie interaktiver Horrorgeschichten, die zwar einen ähnlichen Stil haben, aber eigenständige Stories erzählen. Der Spieler steuert fünf Charaktere durch verschiedene Schauplätze und geht dort auf Hinweissuche und muss kleine Rätsel lösen, die das Weiterkommen sichern. In Dialogen wählt er aus diversen Antwortmöglichkeiten, die sowohl Verlauf der Story, als auch die Beziehungen unter den einzelnen Charakteren maßgeblich beeinflussen. So entsteht eine Geschichte, die sich im Laufe des Spiels von der eines anderen Spielers stark unterscheiden kann.

Erschwerend hinzu kommt der Fakt, dass die fünf spielbaren Charaktere nicht davor gefeit sind zu sterben. Als Spieler gilt es Konfrontationen mit dem Schrecken der kleinen Stadt Little Hope durch Quick-Time-Events zu bestehen und die beim Erkunden der Schauplätze gesammelten Fakten und Vorahnungen richtig zu deuten.

Dabei kann das Spiel sowohl alleine, als auch mit vier anderen Spielern im Online-Koop genossen werden. Ebenfalls sehr interessant ist der “Film-Modus” in dem der Spieler mit bis zu vier Freunden vor einem Bildschirm die Geschichte durchlebt. Dabei wird der Controller zu jedem Charakterwechsel an den jeweiligen Mitspieler abgegeben.

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Willkommen in Little Hope

Die Geschichte beginnt mit einem Busunfall, durch den sich vier Studenten und deren Professor sich mit der Aufgabe konfrontiert sehen im nahegelegenen Städtchen Little Hope nach Hilfe zu suchen. Dort angelangt erkundet die Gruppe nicht nur die Schauplätze, sondern wird auch Zeuge geisterhafter Erscheinungen, die eine Hexenverfolgung zu durchleben scheinen. Doch schon bald werden einzelne Gruppenmitglieder angegriffen und müssen vor ihren Verfolgern fliehen. Um heil aus Little Hope herauszukommen gilt es sowohl die Angriffe genannter Verfolger zu überleben, als auch die Geschichte des Ortes zu erkunden und teils mitzugestalten.

The Dark Pictures Anthology: Little Hope zieht den Spieler dank gutem Pacing und interessanter, wenn auch simpler, Storyline direkt in das Spiel. Sieht man über die teils sehr hölzernen und im deutschen mitunter schlecht vertonten Dialoge hinweg, ergibt sich schnell ein interessantes Setting. Gerade zu Beginn kann es dem Spieler passieren, dass die Immersion unter deplatzierten Antwortmöglichkeiten oder den leicht seltsamen Charakteren leidet. Doch hat die Geschichte nach holperigem Anfang erstmals ihren Sog entwickelt, gibt es kein Entkommen mehr, denn Little Hope besticht durch unglaublich gutes Pacing, spannende Begegnungen und eine interessante, wenn auch teils vorhersehbare Handlung.

Dass keiner der spielbaren Charaktere sicher ist und jederzeit sterben kann verleiht dem Spiel die extra Prise Spannung. Gerade in geselliger Runde wird so die Story umso interessanter. Die Quicktime Events sind hier sehr gut eingesetzt.

Damit beweisen die Entwickler Supermassive Games, was sie schon mit ihrem Erstlingswerk Until Dawn gezeigt haben: sie wissen, wie man eine Geschichte spannend und interaktiv umsetzen kann.

Eine Geschichte mit Wiederspielwert 

Auch wenn einige Jumpscares nicht so ganz zünden wollen, fühlt man sich als Spieler stets gut unterhalten. Vor allem im “Film-Modus” mit mehreren Freunden durchlebt man die kurzweilige und eingängige Geschichte gerne ein zweites Mal, da sich die vielen Entscheidungen so unterschiedlich auf das Spielgeschehen auswirken und man ein verändertes Spielerlebnis geboten bekommt. Auch wenn natürlich fest steht, dass bestimmte Eckpunkte der Geschichte gleich bleiben, ist es doch spannend zu sehen, wie sich die einzelnen gesehenen Versionen des Erlebten unterscheiden können.

Die Schauplätze sind stets interessant und sehen fantastisch aus. Mit Originalität punkten die einzelnen Abschnitte nicht, dafür aber mit Liebe zum Detail und einer sehr dichten und beklemmenden Atmosphäre.

Auch soundtechnisch gibt es wenig zu meckern, denn sowohl Soundtrack, als auch die eingesetzte Geräuschkulisse sind durchweg auf sehr hohem Niveau und tragen einen Großteil zur gelungenen Stimmung des Spiels bei.

3

Fazit

The Dark Pictures Anthology: Little Hope ist ein filmisches Spielerlebnis, das durch eine sehr gute Story, dichte Atmosphäre und einen hohen Wiederspielwert glänzt. Für das intensivste Spielerlebnis empfiehlt es sich mit mehreren Freunden und Freundinnen die Geschichte zu durchleben.

Sieht man über leicht hölzerne Dialoge und ein paar abgegriffene Story-Elemente hinweg, erhält man ein wirklich gelungenes und spannendes Spielerlebnis, das auf eine kinoreife Inszenierung statt forderndem Gameplay setzt. Und die Rechnung geht auf, denn Little Hope besitzt ein gutes Pacing und einen Sog, dem man sich nur schwer widersetzen kann.

Es empfiehlt sich allerdings das Spiel in der englischen Originalvertonung zu spielen, da die deutschen Synchronsprecher mitunter sehr unmotiviert wirken, was dem Spieler etwas Immersion kosten kann.

Hat man ein Faible für Gruselgeschichten, so ist Little Hope uneingeschränkt zu empfehlen. Wer sich in die Geschichte hineinziehen lässt, wird ein unvergleichliches und kurzweiliges interaktives Filmerlebnis allein oder mit Freunden genießen dürfen. Man kann nur hoffen, dass die Reihe weiter Zuwachs findet und so ein langes Bestehen sichert.

7

Pro:
  • Hoher Wiederspielwert, dank unterschiedlicher Storylines
  • Gerade mit Freunden ein einzigartiges Spielerlebnis
  • Dichte und sehr gute Athmosphäre
Contra:
  • Teils hölzerne Dialoge
  • Deutsche Synchronsprecher wirken teils unmotiviert
  • Manche Charakterzüge und die daraus entstehenden Handlungen wirken leicht deplatziert
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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