Review

The Signifier im Test: Mit der KI auf den Pfaden der Erinnerungen

Von Nikolas Rau am 30. November 2020
Publisher: Raw fury
Release: 15. Oktober 2020
Genre: Adventure
Entwickler: Playmestudio
Verfügbar für: PC | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: ausstehend

Das Mystery-Abenteuerspiel The Signifier ist das erste Werk von den Entwicklern von Playmestudio. Es beschäftigt sich vor allem mit der Psyche des Menschen und künstlicher Intelligenz. Wir haben für euch getestet, ob es dem jungen Team geglückt ist, diese brisanten Themen in einem Spiel gelungen unterzubringen.

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Spannung und Verwirrung

Die Story von The Signifier beginnt recht simpel. Wir schlüpfen in die Rolle von Frederick Russel, einem anerkannten Experten auf dem Feld der KI und Psychologie. Thema unserer aktuellen Forschung ist das Betreten von Erinnerungen mithilfe einer KI, die versucht, diese so gut es geht nachzustellen.

Nach dem Tod der Vizepräsidentin eines großen Technikkonzerns sollen wir herausfinden, ob sie sich wirklich selbst umgebracht hat oder doch ermordet wurde. Dabei treten unterschiedliche Parteien auf und wollen unsere Ermittlungen beeinflussen.

Gerade der erste Teil der Story ist wirklich interessant und motiviert, mehr Informationen zu dem Fall zu suchen. Aber im Laufe der Zeit driftet die Geschichte ab und es wird sehr verwirrend.

Wenn man eines der drei Enden erreicht, bleiben viele Fragen offen und alle sind eher unbefriedigend.

Auch geht der Bezug zu den Themen „Psyche“ und „KI“ im mittleren Teil etwas verloren, wird am Ende aber noch einmal wichtig. Zum Nachdenken regt das Spiel aber nicht unbedingt an.

Walking-Simulator trifft auf Hilflosigkeit

The Signifier ist ein Walking-Simulator, der wenig Interaktion erfordert und mehr durch seine Bilder und die Geschichte lebt. Meistens laufen wir von einem Ziel zum nächsten und dies in einer von drei Welten. Es gibt einmal die Realität, in der Frederick Russel lebt. Dort bereisen wir unterschiedliche Orte, wie unsere Wohnung oder den Tatort. Die Erinnerungen teilen sich in zwei Ebenen auf. Der objektive Teil des Erlebten zeigt die Realität ohne Einfluss von Gefühlen oder Ähnlichem. Hier findet man einfach nur klare Informationen über das Geschehen. Im subjektiven Teil der Erinnerungen spielen Emotionen auch eine Rolle, wodurch wir Angst, Wut oder Freude miterleben.

Wir können schnell innerhalb einer Erinnerung zwischen objektiv und subjektiv wechseln.

In der virtuellen Welt ist es außerdem möglich Rohdaten zu finden, welche dann noch einem bestimmten Ort zugewiesen werden müssen, damit wir darüber eine Information bekommen. Zum Beispiel entdecken wir Daten zu einer Uhr und können somit mehr über den Zeitpunkt des Geschehens herausfinden.

Insgesamt ist das Gameplay aber eher linear und nicht spannend. Die Rätsel sind entweder sehr leicht oder so schwer, sodass nicht klar ist, was getan werden soll. Oft wissen wir auch nicht, wo wir hin müssen oder was es noch zu tun gibt. Dies führt zu sehr viel Hin- und Herlaufen und Frustration.

Viel Licht, aber auch einiges an Schatten

Die Grafik ist teils wirklich gelungen, teils wirkt sie veraltet. Personen, mit denen wir interagieren, sehen altbacken aus, ihre Animationen sind steif und es gibt nicht wirklich eine Mimik.

Der Rest sieht aber zum Teil spektakulär aus. Gerade die bizarre Darstellung der Erinnerungen ist realistisch und sehr erfrischend. Alles scheint etwas verdreht und vermatscht, was aber absolut passt, weil wir uns nicht in der Realität, sondern im Kopf einer Person befinden. Das gibt dem Ganzen sehr viel Authentizität.

Insgesamt gibt es auch nicht viele Bugs, wir können nur ab und an durch Wände oder Böden sehen und an ein paar Orten geht die Bildrate runter. Allerdings stören diese Fehler kaum.

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Starke Atmosphäre, schwache Übersetzung

Der Sound im Spiel ist sehr gut. Die Musik ist passend eingesetzt und erzeugt Spannung. Auch die Sprecher leisten gute Arbeit und bringen Emotionen meist passend rüber. Einziger Wermutstropfen sind die Untertitel. Das Spiel gibt es nur auf Englisch und die Übersetzungen passen ab und zu nicht ganz zum Gesprochenen.

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Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass The Signifier ein Spiel mit zwei Seiten ist. Die Story beginnt spannend und macht neugierig, aber nach der Hälfte wird sie sehr verwirrend und bizarr, sodass man den Überblick verliert. Das Gameplay ist für einen Walking-Simulator noch ausreichend, aber durch das viele Suchen und Hin- und Herlaufen kommt schnell Frust und Langeweile auf. Die Grafik weiß insgesamt zu überzeugen, aber die Charaktere sind sehr altbacken und passen nicht zu den ansonsten gut gelungenen Orten. Dazu kommen die kleinen Bugs, die zwar nicht das Spiel ruinieren, aber schöner wäre es trotzdem ohne die kleinen Fehler. Nehmen wir die Untertitel einmal heraus, weiß wenigstens der Sound voll zu überzeugen und schafft eine gute Atmosphäre, die aber auch leider irgendwann einfach in dem Strudel aus Verwirrung etwas verloren geht.

Insgesamt ist The Signifier im Ansatz gut, macht aber leider zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Das Spiel ist eher etwas für Genre-Liebhaber, die gerne eine sehr komplizierte und offene Geschichte verfolgen wollen und dabei einfach nur ausgiebig durch eine schöne Welt laufen wollen.

Pro:
  • Gute Grafik, die besonders die virtuelle Realität authentisch darstellt
  • Zu Beginn interessante Story
  • Atmosphärischer Sound
  • Schön dargestellte Orte
Contra:
  • Story wird zu kompliziert und verwirrend
  • Enden sind eher unbefriedigend und nicht wirklich abgeschlossen
  • Untertitel teilweise fehlerhaft
Story
3 von 5 Buddies
Gameplay
2 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
3 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

6.5 / 10
Ein begeisterter PC- Spieler seit Kindheitstagen. Indietitel und Horrorspiele lassen sein Herz meist höher schlagen, aber auch Serien wie Fifa, Far Cry, The Elder Scrolls und Fallout stehen ganz oben auf seiner Liste.

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