Review

Wavetale – das Stadia-Exclusive im Test

Von Daniel Walter am 30. November 2021
Publisher: Thunderful Group
Release: 10. November 2021
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Thunderful Group
Verfügbar für: Stadia
USK Altersfreigabe: 6

Mit Wavetale wartet nach längerer Zeit mal wieder ein Stadia-Exklusive auf uns. Wie sich der Indietitel mit außergewöhnlichem Grafikstil und emotionaler Geschichte im Test geschlagen hat, verraten wir euch hier.

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Auf dem Wasser ist die Freiheit grenzenlos

In Wavetale schlüpfen wir in die Rolle der jungen Sigrid, die zusammen mit ihrer Großmutter auf einer Insel lebt. Wir erfahren, dass die Welt wohl früher eine andere gewesen sein muss, bevor die sogenannten Dreckpfoten sie für immer verändert haben und große Landteile im Ozean verschwunden sind. So beschränkt sich das Leben von Sigrid schon immer auf den sicheren Bereich der Insel, die von einem hellen Leuchtturm vor dem dichten und unheilvollen Nebel geschützt wird, der sie umgibt. Schon in der Introsequenz wird allerdings klar, dass es Sigrid nach mehr verlangt und dass sie unbedingt herausfinden möchte, was hinter dem unbekannten Horizont auf sie wartet. Nachdem wir für einige Zeit entspannt die Insel erkundet und dabei mit einem Kescher hüpfende Funken eingefangen haben, mit denen der Leuchtturm betrieben wird, kündigt sich in der Ferne im Nebel eine düstere Bedrohung an. Wenig später wird Sigrids Heimat von einer mächtigen Dunkelwelle überschwemmt, die sie und ihre Großmutter mit voller Wucht trifft. Nach kurzer Zeit der Ohnmacht kommt Sigrid wieder zu sich und muss erkennen, dass weite Teile ihres geliebten Zuhauses nun von einer wabernden schwarzen Masse, genannt Dunkel, überzogen sind. Außerdem lauern nun überall auf der einst so friedlichen Insel dunkle Kreaturen auf sie, die sie mit ihrem Kescher bekämpfen muss. Doch die Dunkelwelle hat nicht nur negative Veränderungen mit sich gebracht. So wird Sigrid seit dem Ereignis von einem mysteriösen Unterwasserschatten verfolgt, der es ihr ermöglicht, mit ihren blanken Füßen über die Wasseroberfläche zu rennen, zu springen und zu gleiten. Mithilfe ihrer neuen Fähigkeiten kann die Protagonistin nicht nur ihre Großmutter retten, sondern auch neue Areale mit weiteren Funken erreichen, um das Dunkel mit dem Licht des Leuchtturms zu vertreiben. Im Laufe der Geschichte gilt es, immer mehr Funken zu sammeln, um nach und nach alle Bereiche der Umgebung wieder vom Dunkel zu befreien. Die Geschichte ist dabei zwar nicht wahnsinnig komplex, geht mit ihren liebenswürdigen und leicht schrulligen Charakteren aber definitiv ans Herz.

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Innovative Gameplayelemente treffen auf recht gewöhnliches Kampfsystem

Das Surfen auf dem Wasser ist eigentlich das wichtigste Alleinstellungsmerkmal des Spiels ist und macht auch wirklich enorm viel Spaß. Wir schlittern über die glänzende blaue Oberfläche und können dabei Luftsprünge ausführen, kurze Wege per Slide überbrücken und das Tempo bei Bedarf zusätzlich erhöhen. Dadurch sind die Wege, die von einem Ort zum anderen führen, eigentlich die wahren Höhepunkte, denn hier schlägt Wavetale einen neuen, außergewöhnlichen Pfad ein, der rundum begeistern kann. Aber auch an Land hinterlassen die geschickt eingesetzten Jump’n’Run-Elemente einen guten Eindruck, wenn wir von einer Plattform zur nächsten Springen, einen Luftslide ausführen oder größere Distanzen mit unserem Kescher als Propeller überbrücken. Hinzu kommen Kletterpassagen mit festen Ankerpunkten, mit deren Hilfe wir uns auf höhere Ebenen hieven können. Das Kampfsystem des Third-Person-Adventures fällt dagegen etwas rudimentärer aus und beschränkt sich auf zwei verschiedene Angriffsschläge und eine Ausweichbewegung. Da die Kämpfe aber immer nur eine Begleiterscheinung zur großartigen Fortbewegung auf dem Wasser sowie zur rührenden Geschichte mit liebevoll gezeichneten Charakteren sind, kann man hier auch problemlos ein Auge zudrücken. Unterhaltsam sind die temporeichen Hau-Drauf-Passagen in jedem Fall, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreich. Beim Erkunden der Welt treffen wir übrigens auch immer wieder auf NPCs, die kleinere Nebenaufgaben für uns bereithalten. Dabei müssen beispielsweise Gegenstände gesammelt oder auch Charaktere aufgespürt und befreit werden, sodass es auch abseits der Geschichte das eine oder andere zu entdecken gibt.

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Stimmungsvolle Comicgrafik und atmosphärische Musik bilden einen perfekten Rahmen

Ein weiterer großer Pluspunkt von Wavetale ist die kreierte Atmosphäre. Hier setzt das Spiel einerseits auf eine außergewöhnliche stark stilisierte Comicgrafik, die irgendwo zwischen Sea of Thieves, Life is Strange und Fortnite liegt. Dabei sind es vor allem die besondere Farbgebung und auch die überwiegend rund gehaltenen Formen, die das Erscheinungsbild der Spielwelt prägen. Hier erkunden wir verschiedene Orte, die an das Leben in der früheren Welt erinnern, heute aber weitestgehend unterhalb der Wasseroberfläche verschollen sind. Riesenräder und Turmuhren ragen beispielsweise ebenso aus dem Wasser heraus wie Autobahnbrücken, Straßenlaternen oder Felsen, die nun kleine Inseln im Ozean bilden. Die malerische und leicht verträumte Kulisse wird andererseits auch von der instrumentalen Hintergrundmusik bestimmt, bei der neben melancholischen Klavierklängen auch tragende Streicher- und Bläsermelodien zum Einsatz kommen. Grafik und Musik harmonieren hierbei perfekt miteinander und schaffen so den idealen Rahmen für die Geschichte.

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Fazit:

Wavetale ist alles in allem eine echte Indie-Perle, die Stadia-Spielern Mut und Hoffnung schenken sollte, dass die Plattform noch echte Highlights in der Hinterhand hat. Sowohl die stimmungsvolle Umgebung mitsamt ihrer intensiven musikalischen Umrahmung als auch die liebevollen Charaktere und die rührende Geschichte können definitiv überzeugen. Als wahres Highlight des Spiels entpuppt sich aber die Fortbewegung auf der Wasseroberfläche, die gleichermaßen innovativ wie hervorragend umgesetzt ist. In die gleiche Kategorie fallen übrigens auch die Jump’n’Run-Elemente, die abseits des Wassers für Abwechslung sorgen. Natürlich müssen hier und da auch kleinere Abstriche gemacht werden, zum Beispiel beim recht austauschbaren Kampfsystem oder auch bei der offen gehaltenen Umgebung, die an einigen Stellen vielleicht etwas zu weitläufig und auch zu leer ausgefallen ist. Ähnlich wie bei Biomutant muss man hier aber in jedem Fall restlos anerkennen, dass ein Indiestudio ein ambitioniertes und außergewöhnliches Projekt auf die Beine gestellt hat, das sehr viel richtig macht und sich wahrlich nicht vor größeren Titeln verstecken muss.

Pro:
  • Innovative Fortbewegung auf dem Wasser
  • Rührende Geschichte mit liebenswert schrulligen Figuren
  • Intensive musikalische Untermalung
  • Stimmungsvoller und außergewöhnlicher Comicstil
Contra:
  • Sehr rudimentäres Kampfsystem
  • Spielwelt hier und da zu weitläufig und zu leer
  • Insgesamt recht wenig Abwechslung bei den Aufgaben
Story
3 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Stadia

Unsere Wertung:

7.5 / 10
Ein leidenschaftlicher Konsolenspieler, der zur Not aber auch mal den PC anschaltet. Vor allem Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty werden gerne gezockt, aber auch Action-Adventures wie Assassin's Creed, Batman Arkham oder The Last of Us liegen regelmäßig im Laufwerk. Sporttitel wie Fifa oder Tour de France erweitern das Interessengebiet, ebenso wie MMOs oder sämtliche Titel aus dem Star Wars Universum.

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