

Windrose im Vorabtest: Hisst die Segel
Windrose liefert frisches Futter für alle Survival-Fans und darüber hinaus noch ein äußerst interessantes Setting fernab von Zombies, Dinos und Fantasy. Stattdessen dürfen wir als Pirat zur See fahren und dort wilde Abenteuer erleben. Wie sich das ganze dann in der Praxis schlägt, verraten wir euch in unserem Vorabtest zur Early-Access-Version.

Ein neuer Piratenkönig...
Zunächst erwartet uns ein umfangreicher Charaktereditor, der uns die Chance bietet, einen individuellen Piratenkönig oder eine -königin zu erstellen, vom Kopf und Körperbau, über die Haare und Tattoos bis hin zum Make-up. Gerade die Auswahl an Tattoos, die auf dem ganzen Körper verteilt werden können, sowie das breit gefächerte Make-up und die sehr detailliert umgesetzten Frisuren und Bärte haben uns dabei wirklich sehr gut gefallen. Wem das alles zu aufwendig ist, der kann sich auch für eines der vorgefertigten Designs entscheiden und direkt ins Abenteuer starten.

... in einer Welt nach unseren Wünschen
Sobald wir mit unserem Freibeuter zufrieden sind, dürfen wir uns für eine Spieloption entscheiden. Hier stehen uns neben dem Solo / Offline Spiel auch Onlineserver sowie die Möglichkeit, selbst ein Spiel zu hosten, zur Verfügung. Im nächsten Schritt lässt uns Windrose beim Erstellen eines Spielerlebnisses zwischen drei vorgefertigten Schwierigkeitsstufen sowie einer mit komplett anpassbaren Regeln wählen. Dabei stellen wir Optionen wie Modifikatoren für Gesundheit und Schaden der eigenen und feindlichen Schiffe, die Entergeschwindigkeit oder auch die Möglichkeit, einer immersiven Erkundung ein. Letztere blendet, wenn sie aktiviert wird, Markierungen auf der Karte aus, die beim Aufspüren von Sehenswürdigkeiten helfen - dadurch wird das Spiel also auf Wunsch realistischer.

Auf der Flucht vor Blackbeard
Bevor es endlich losgeht, verrät uns Windrose noch einen groben Storyrahmen. So ist der berüchtigte Pirat Blackbeard auf dem Weg nach Tortuga, nachdem er bereits die britische Flotte versenkt hat, um auch dort für Angst und Schrecken zu sorgen. Unser Held versucht mit einem Schiff zu fliehen, gerät dann allerdings mitten in einen Angriff und wird dabei selbst in Mitleidenschaft gezogen, woraufhin er in Ohnmacht fällt. Wir erwachen einige Zeit später in unserer Fregattenkabine und hören sofort, wie draußen vor der Tür die Kämpfe toben. Ausgerüstet mit einem Schwert treten wir todesmutig nach draußen und beginnen unser Abenteuer.

Anspruchsvolle Kämpfe mit ordentlich Dynamik
Kurz darauf lernen wir auch direkt das Kampfsystem kennen, das an diverse Souls-Titel erinnert. Wir verfügen über einen schnellen und einen starken Angriff, die uns unterschiedlich viel Ausdauer abverlangen. Darüber hinaus können und sollten wir gegnerische Angriffe blocken, um Schaden zu vermeiden und im Schwertduell selbst die Initiative zu ergreifen. Wir selbst und auch die Gegner verfügen dabei über eine gewissen Anzahl an eingeblendeten Schutzschilden und nehmen erst direkten Schaden, sobald diese aufgebraucht sind. Nach einer gewissen Zeitspanne regenerieren sich die Schilde allerdings auch wieder, wenn keine weiteren Treffer durchkommen. Schusswaffen wie Pistolen stehen uns ebenfalls zur Verfügung, insofern wir mit Kugeln oder Schießpulver ausgestattet sind.
Insgesamt ist das Kampfsystem recht anspruchsvoll und bestraft blindes Reinrennen und Draufhauen sofort, gerade bei stärkeren Gegnern. Hier unterscheidet sich Windrose klar von anderen Genrevertretern, bei denen die Kämpfe häufig nur schmückendes Beiwerk sind. An manchen Stellen fordern uns die Kämpfe schon extrem, gerade wenn nicht nur einfaches Fußvolk, sondern auch Generäle oder ähnliches beteiligt sind, weshalb es ratsam ist, in der Nähe von größeren feindlichen Lagern immer ein schnelles Zelt zu errichten, um nach dem sehr wahrscheinlichen Tod direkt wieder in der Nähe spawnen zu können. Glücklicherweise behalten die Feinde den Schaden, den wir bereits zugefügt haben, wodurch wir uns zur Not Stück für Stück in mehreren Etappen vorarbeiten können. Durch unseren Spielfortschritt steigen wir auch nach und nach im Level auf und dürfen dann sowohl allgemeine Attribute wie Stärke, Ausdauer und Beweglichkeit verbessern als auch verschiedene Talente über den Skilltree freischalten. Diese ermöglichen dann unter anderem erhöhten Schaden, verbesserte Gesundheit und Vergleichbares.

Optisch eine echte Augenweide
Die Optik des Piratenabenteuers kann sich definitiv sehen lassen. Egal, ob es um Feuer, Nebel und Regen, das Meer, um Spiegelungen, Lichteinfälle oder Schattenwürfe geht, Windrose macht schon im Early Access einen wirklich guten Eindruck. Die Texturen wirken plastisch, vom kleinen Stein bis zum Grashalm, und wir hinterlassen beispielsweise auch authentische Fußspuren im Sand. Auch die (Kampf-) Animationen sind flüssig und sehr gut anzuschauen, sodass wir dynamische und stimmungsvolle Kämpfe erleben dürfen. Außerdem konnten uns die Bewegungen der Haare und Kleidungsstücke wirklich überzeugen, ebenso wie der äußerst sehenswerte Tag- und Nachtwechsel. Bei den Zwischensequenzen setzt das Spiel nicht auf klassische Cutscenes, sondern auf animierte Standbilder im düsteren Comicdesign, was für eine ganz spezielle Aura sorgt und hervorragend ins Gesamtbild passt. Die Comics oder auch die Gespräche ingame sind zwar leider nicht vertont, dafür aber in Sachen Text komplett auf Deutsch umgesetzt. Für die passende Soundkulisse sorgt wiederum ein eindringlicher instrumentaler Soundtrack, der auf schwere und düstere Orchesterklänge setzt, vorwiegend mit Streichinstrumenten und Pianomelodien. Dieser kann in Sachen Arrangement und Dynamik auf jeden Fall punkten und beschert dem Spiel einen gewissen Schwermut. Ebenfalls richtig gut umgesetzt ist die natürliche Soundkulisse, denn hier versetzen uns authentische Tiergeräusche sowie Wind und Gezeiten mitten ins Geschehen.

Das Überleben beginnt
Nach dem Intro auf dem Schiff stranden wir schließlich auf einer einsamen Insel, so wie es sich für ein Survival-Abenteuer gehört, und lernen dort die Grundlagen des Überlebens. Hier bewegen wir uns in einer lebendigen Umgebung mit wilden Tieren jeder Größenordnung sowie mit einer spektakulären Weitsicht, die uns ganz weit Richtung Horizont schauen lässt. Wir finden uns an wunderschönen Sandstränden, im dichten Dschungel, in finsteren Höhlen oder auch auf felsigen Hügeln wieder, entdecken Tempel aus der Vergangenheit und begegnen allerlei einheimischem Viehzeug, von Dodus und Krebsen bis hin zu aggressiven Wildschweinen oder riesigen Mutantenkrabben. Auch begegnen wir immer wieder menschlichen Feinden, wie zum Beispiel den sogenannten Ertrunkenen, die wie Zombies auf uns zu wanken. Interessant ist, dass das Spiel mehrere unterschiedliche Biome für uns bereithält, denen wir uns nach und nach widmen. In jedem Biom können wir nicht nur spezielle Ressourcen finden, sondern auch außergewöhnliche Entdeckungen machen und individuellen Bedrohungen begegnen. Neben dem Küsten-Dschungel, in dem unser Abenteuer beginnt, warten mit dem Vorgebirge, den verfluchten Sümpfen und dem Aschland weitere spannende Umgebungen auf uns. Dabei führen uns grundlegende Quests nach und nach durch die Gebiete, außerdem warten überall Nebenquests sowie verschiedene Herausforderungen auf uns, wie zum Beispiel eine bestimmte Anzahl vorgegebener Gegner in einem Areal zu besiegen.

Solides Crafting ohne Frust
Beim Crafting geht Windrose bekannte Wege und liefert hier solide Kost. Wir sammeln Ressourcen wie Holz und Steine, hacken Büsche klein für Pflanzenfaser, errichten damit Lagerfeuer, Kochstellen und Werkbänke, um wiederum Nahrung, Werkzeug oder Waffen herstellen zu können. Hierfür hält das Spiel einen separaten Baumodus bereit, der uns freigeschaltete Objekte in der Welt platzieren lässt, sobald wir die erforderlichen Materialien beschafft haben. Sehr erfrischend ist hierbei, dass die Werkzeuge, die wir angefertigt haben, dauerhaft zur Verfügung stehen und nicht, wie in anderen Genrevertretern, andauernd wieder repariert werden müssen. Ja, hier entfernt man sich ein Stück weit vom Realismus, aber definitiv zugunsten des Spielflows. Als ersten Spawnpunkt errichten wir ein Zelt, bevor wir später auch befestigte Unterschlüpfe bauen, und zwar wie im Genre üblich, Wand für Wand, Boden für Boden, beginnend mit schwächeren Materialien wie Blättern hin zu robusteren Varianten. Durch das Sammeln von Ressourcen schalten wir zudem immer neue Rezepte frei, wenn wir Material beschaffen, das wir vorher noch nicht im Inventar hatten. Somit füllt sich unser Herstellungsmenü im Prinzip automatisch mit der Zeit. Schön ist auch, dass wir Landwirtschaft betreiben und zum Beispiel Setzlinge bestimmter Pflanzen säen dürfen, die dann wiederum Ressourcen liefern.

Wir stechen in See
Es dauert nicht lange, bis wir auf der Insel, auf der wir gestrandet sind, ein ehemaliges Mitglied unserer Crew entdecken, das sich ebenfalls vor Blackbeard und seinen Schergen retten konnte. Er berichtet uns nicht nur von Schiffswracks in den umliegenden Gewässern, die mit etwas Arbeit wieder flott gemacht werden können. Er stellt uns auch direkt ein kleines Segelboot zur Verfügung, mit dem wir nun auch die nahe gelegenen Inseln erreichen und auch die erwähnten Wracks näher betrachten können. Unser erster Ausflug auf die raue See ist dabei ein mühsamer und wackeliger, denn das winzige Boot hängt ziemlich verloren im Wind und kommt zudem nur sehr langsam voran. Wir merken deutlich die Kräfte des Meeres, die auf das kleine Stück Treibholz wirken - schon hier beweist Windrose ein gutes Gespür für die Schiffssteuerung.

Nachdem wir das passende Wrack endlich erreicht haben, gilt es, haufenweise Ressourcen zu sammeln, um das stattliche Segelschiff wieder flott zu machen. Hierfür benötigen wir außerdem die Unterstützung unserer alten Crew, die, wie wir erfahren haben, in einem nahe gelegenen Piratenlager gefangen gehalten wird. Ist die Mannschaft befreit, können wir endlich unser eigenes Schiff fertig stellen und wenig später zu Wasser lassen. Jetzt beginnt der Spaß erst richtig, denn im Gegensatz zum mickrigen Beiboot fliegt das große Segelschiff deutlich schneller über den Ozean und lässt uns die Karte schnell und komfortabel erkunden. Auf dem Schiff wimmelt es dabei vor eifrigen Crewmitgliedern, die die verschiedenen Stationen des Schiffs eigenständig bedienen und dabei für eine authentische Atmosphäre auf hoher See sorgen. Als Kapitän stehen wir natürlich am Steuerrad, dürfen natürlich aber auch auf oder unter Deck herum flanieren oder auch das Lager des Schiffs verwalten.
Über eine Schiffsbauerwerkstatt statten wir unser schwimmendes Zuhause an der eigenen Werft außerdem mit praktischen Zusätzen wie Kanonen aus, mit denen wir dann auch feindliche Schiffe angreifen und schließlich entern können. Sobald wir über ein Schiff verfügen, dürfen wir dieses von jedem Ort aus herbei rufen ins nächstgelegene Gewässer. Falls wir für engere Passagen aber auch mal ein kleineres Gefährt benötigen, steht uns bei Bedarf auch das Beiboot weiterhin zur Verfügung. Neben der allgemeinen Schiffssteuerung, die sich wirklich richtig griffig anfühlt, haben uns auch die instrumentalen Piratensongs mit hohem Akkordeonanteil sowie die gesungenen Shantis sehr gut gefallen, die uns während unserer Zeit auf hoher See stilecht unterhalten. Insgesamt muss sich das Spielgefühl rund ums Schifffahren keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken und bewegt sich auf einem Niveau mit AC Black Flag oder Skull and Bones.

Fazit
Piraten und Survival - für mich eigentlich die perfekte Kombination, da ich das Genre liebe und Piraten eigentlich immer gehen. Windrose verbindet beides miteinander und hat mich dabei wirklich mehr als positiv überrascht. Hier treffen eine hochwertige optische Präsentation und eine grandiose Piratenatmosphäre auf eine für einen Survival-Titel unerwartet auserzählte Geschichte und tolle Spielmechaniken. Ein solides Crafting-System mit komfortablem Menü-Management gehört ebenso zum Gameplay wie ein Kampfsystem, das uns in Sachen Anspruch ebenfalls überrascht hat. Hier geht man schon ein gutes Stück Richtung Soulslike und liefert keinesfalls ein blindes Haudrauf-System. Ob die anspruchsvollen Kämpfe für jeden Survival-Fan das richtige sind, steht auf einem anderen Blatt. Abgerundet wird das Piratenspiel durch eine äußerst stimmungsvoll umgesetzte Schifffahrt, die sich sowohl von Steuerung, als auch von der Atmosphäre her keinesfalls vor der großen Konkurrenz verstecken muss und mir jede Menge Spaß gemacht hat. Alles in allem ist Windrose bereits jetzt im Early Access auf einem herausragenden Niveau, sodass man sich kaum vorstellen kann, was sich bis zum Release noch großartig verbessern sollte. Lange hat uns kein Survival-Spiel mehr so abgeholt wie dieses ambitionierte Piraten-Abenteuer.
- Sehenswerte grafische Umsetzung
- Stimmungsvolle Welt mit mehreren aufeinander aufbauenden Arealen
- Solides Crafting-System
- Fordernde Kämpfe, die nicht nur aus Hau-Drauf bestehen
- Griffige Schiffsmechanik mit guter Steuerung
- Überraschend präsente Story
- Comicartige Zwischensequenzen
- Hochwertige musikalische Untermalung
- Kämpfe könnten für klassische Survival-Fans zu anspruchsvoll sein
- Die anfänglichen Fahrten mit dem Beiboot ziehen sich stark in die Länge
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Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.


















