

Spiele-Enden, die wir nie vergessen
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Ein gutes Ende kann ein Spiel unsterblich machen. Manche Abspanne haben uns zu Tränen gerührt, andere sprachlos zurückgelassen und einige wenige haben uns noch tagelang beschäftigt. In diesem Artikel blicken wir auf Spiele-Enden, die wir nie vergessen werden. Eine Warnung vorweg: Hier wird massiv gespoilert. Wenn du eines der Spiele noch spielen möchtest, überspringe den jeweiligen Abschnitt lieber.
Nach einer langen Jagd auf seine ehemaligen Weggefährten kehrt John Marston endlich auf seine Farm zurück. Er hilft seinem Sohn, arbeitet mit seiner Frau auf dem Hof und für einen Moment scheint alles gut zu werden. Dann tauchen die Soldaten auf. John schickt seine Familie in Sicherheit, tritt aus der Scheune und stirbt im Kugelhagel. Danach übernimmst du die Kontrolle über seinen Sohn Jack und das Spiel endet mit einer Racheaktion, die eher bitter als befreiend wirkt. Ein Ende, das 2010 viele Spieler völlig unvorbereitet getroffen hat.
Joel und Ellie haben das ganze Land durchquert, um mit Ellies Immunität ein Heilmittel zu ermöglichen. Doch als Joel erfährt, dass Ellie bei der Operation sterben würde, bringt er alle Ärzte um und rettet sie gegen ihren Willen. Im Auto belügt er sie anschließend über das, was passiert ist. Die letzte Szene, in der Ellie ihn fragt, ob das alles wahr ist und Joel einfach Ja sagt, gehört zu den stärksten Momenten der Spielegeschichte. Ein Ende ohne klare Antwort, über das bis heute diskutiert wird.
Wander tötet sechzehn majestätische Kolosse, um ein Mädchen namens Mono zurück ins Leben zu holen. Doch mit jedem Koloss wird er blasser, kränker und dunkler. Am Ende stellt sich heraus, dass er die ganze Zeit dem Wesen Dormin geholfen hat, sich zu befreien. Wander verwandelt sich in einen Schatten-Koloss und wird schließlich von einem magischen Strudel verschlungen. Was bleibt, ist ein Gefühl der Schuld, das uns die ganze Zeit begleitet hat und am Ende bestätigt wird.
Nicht jedes unvergessliche Ende muss tragisch sein. Nachdem du GLaDOS zerstört hast, rollt bei Portal der Abspann zum Song Still Alive, gesungen von GLaDOS selbst. Ihre fröhlich-sarkastischen Zeilen über die Wissenschaft und den Kuchen haben das Ende zu einem der kultigsten Momente der 2000er gemacht. Und wer genau hinsah, entdeckte danach den Kuchen, den es angeblich gar nicht gab.
Den ganzen Spielverlauf über jagt Naked Snake seine Mentorin The Boss, die scheinbar zu den Sowjets übergelaufen ist. Im finalen Duell in einem Feld voller weißer Blumen muss er sie töten. Erst danach erfährt er, dass The Boss nie eine Verräterin war: Sie hat ihr Leben für eine geheime Mission geopfert, um ihr Land zu schützen und ging dafür als Verräterin in die Geschichte ein. Snake bekommt den Titel Big Boss verliehen und weint am Grab seiner Mentorin. Ein Ende, das die gesamte Metal-Gear-Reihe prägen sollte.
Das Ende von Halo: Reach ist schon deshalb besonders, weil du es selbst spielst. Nachdem die Pillar of Autumn mit Master Chief an Bord entkommen ist, bleibt Noble Six allein auf dem Planeten zurück. Das Spiel gibt dir ein letztes Ziel: Überleben. Doch es gibt kein Entkommen. Du kämpfst gegen immer neue Wellen der Elite, bis dein Helm auf dem Boden landet. Selten hat ein Spiel das Gefühl eines aussichtslosen letzten Gefechts so eindrücklich vermittelt.
In Journey wanderst du durch eine weite Wüste auf einen Berg zu, oft begleitet von einem anderen Spieler, den du nicht kennst und mit dem du nur über Töne kommunizieren kannst. Kurz vor dem Gipfel brichst du im Schnee zusammen, nur um dann von leuchtenden Wesen wiederbelebt zu werden und in einem atemberaubenden Flug den Gipfel zu erreichen. Erst im Abspann erfährst du den Namen deines Begleiters. Ein Ende, das zeigt, wie viel Emotion ein Spiel ganz ohne Worte erzeugen kann.
Das Ende von Inside ist eines der seltsamsten und verstörendsten, die wir je gespielt haben. Nachdem der Junge sich durch eine dystopische Welt geschlichen hat, wird er von einer riesigen Masse aus Körperteilen absorbiert. Du steuerst diese Kreatur, bahnst dir den Weg durch ein Labor und rollst schließlich einen Hang hinunter an eine Küste, wo sie im Licht liegen bleibt. Was das alles bedeutet, erklärt das Spiel nie. Genau das macht es so unvergesslich.
NieR: Automata muss man mehrmals durchspielen, um alle Enden zu sehen. Das wahre Ende, Ende E, ist dabei etwas ganz Besonderes. Im Abspann musst du in einem Bullet-Hell-Abschnitt gegen die Namen der Entwickler kämpfen, was fast unmöglich ist. Doch dann tauchen Nachrichten von anderen Spielern auf, die dir Hilfe anbieten. Mit ihrer Unterstützung schaffst du es. Danach fragt dich das Spiel, ob du deine eigenen Speicherdaten opfern willst, um einem Fremden zu helfen. Wer zustimmt, löscht seinen gesamten Spielstand.
Den ganzen Spielverlauf über nutzt Max ihre Fähigkeit, die Zeit zurückzudrehen, um ihre beste Freundin Chloe zu retten. Doch jede Veränderung hat Konsequenzen und am Ende bedroht ein gewaltiger Sturm die ganze Stadt Arcadia Bay. Max muss eine unmögliche Entscheidung treffen: Sie opfert entweder Chloe oder die Stadt. Keine der beiden Optionen fühlt sich richtig an und genau deshalb hat diese Entscheidung so viele Spieler tief bewegt.
Schaut man sich diese Enden an, fallen einige Gemeinsamkeiten auf. Viele von ihnen spielen mit unseren Erwartungen, verweigern ein klassisches Happy End oder nutzen die Interaktivität des Mediums auf eine Weise, die Filme und Bücher nicht können. Ob wir den letzten Kampf selbst bestreiten wie in Halo: Reach, eine Entscheidung treffen wie in Life is Strange oder unseren Spielstand opfern wie in NieR: Automata: Die stärksten Enden binden uns aktiv mit ein.
Natürlich gibt es noch viele weitere Enden, die auf diese Liste gepasst hätten, etwa das von BioShock mit seinem berühmten Twist, das von Red Dead Redemption 2, das von Undertale oder das melancholische Finale von The Legend of Zelda: Majora's Mask. Jeder hat sein eigenes Ende, das er nie vergessen wird.
Gute Enden sind selten, aber wenn sie gelingen, prägen sie ein Spiel für immer. Die Spiele auf dieser Liste haben uns gezeigt, wie stark Videospiele erzählen können, wenn sie mutig sind und Spieler aktiv einbinden. Welches Ende hat dich am meisten bewegt? Wir sind gespannt auf deine Favoriten.
Wenn du dich für das Zusammenspiel von Geschichte und Spielmechanik interessierst, lies auch unsere Kolumne Story vs. Gameplay: Was ist in Videospielen wichtiger? und unseren Artikel Majora's Mask: Warum das melancholischste Zelda bis heute einzigartig ist.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.