Review

Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 – Volle Kanne durch den Schlamm

Von Alex Krause am 12. März 2020
Publisher: Milestone
Release: 31. Januar 2020
Genre: Rennspiel
Entwickler: Milestone
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 0

Seit einigen Jahren schon ist der italienische Entwickler Milestone dafür bekannt, spaßige und solide Rennspiele herauszubringen. Mit Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 schickt uns Milestone nun bereits zum dritten Mal abseits von regulären Rennstrecken in den Dreck. Wir haben die Schutzbrille aufgesetzt, die Motoren gestartet und uns ins lebhafte Getümmel gestürzt.

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Race in the USA

Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 greift auf die Lizenz der AMA Supercross-Meisterschaft zurück. Dies ist quasi die nordamerikanische Profi-Liga. Dementsprechend fahrt ihr fast ausschließlich gegen amerikanische Fahrer auf amerikanischem Boden. Die Rennen der Supercross-Szene finden meistens auf künstlich angelegten Offroad-Strecken in Veranstaltungshallen oder Sportarenen statt. Hauptmerkmal der Kurse sind dabei die vielen engen 90- und 180-Grad-Kehren und die unzähligen Sprünge auf den Geraden. Zeit zum Verschnaufen bleibt dabei kaum, ihr habt immer etwas zu tun. Zur Auswahl stehen dabei sechs unterschiedliche Bikes von bekannten Herstellern wie Kawasaki, KTM oder Yamaha in jeweils zwei unterschiedlichen Hubraumklassen. Dabei wird unterteilt zwischen der kleineren 250er Klasse oder der aktuellen Königsklasse, der 450er. Insgesamt 17 offizielle Strecken in namhaften Locations wie Daytona oder Las Vegas stehen zur Verfügung. Hinzu kommen noch einige Varianten der Trainingsstrecke, auf der ihr ebenfalls Rennen austragen werdet.

Neben den obligatorischen Spielmodi wie Meisterschaft, Einzelrennen oder Zeitfahren bietet Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 auch einen Karrieremodus sowie spezielle Herausforderungen. Der Karrieremodus bildet dabei das Herzstück. Nachdem man einen vorgefertigten, wahlweise männlichen oder weiblichen Avatar ausgewählt hat, gilt es, ein Testrennen zu absolvieren, bei dem einem auch die Grundlagen der Steuerung nahegebracht werden. Danach könnt ihr euch zunächst entweder für die 250er Klasse im West oder im Ost-Bereich der USA einschreiben. Neben einem variablen Schwierigkeitsgrad könnt ihr auch die Länge der Rennevents selbst festlegen. Entweder man fährt nur das Main Event, sprich das Hauptrennen, oder man stürzt sich in ein komplettes Rennwochenende, wo vorab Ausscheidungsrennen und Qualifikationen stattfinden, um aus insgesamt über 100 Teilnehmern die besten Fahrer für das finale Main Event zu bestimmen. Die Rennen selbst laufen immer über eine bestimmte Zeit, beispielsweise fünf Minuten, plus eine letzte, volle Runde. Nach einer kurzen 250er Saison, bestehend aus der Hälfte der regulär verfügbaren Rennstrecken, steht auch schon die 450er Kategorie mit einer vollen Saison zur Verfügung. Ihr wählt vor einer Saison immer zwischen Verträgen mit je zwei offiziellen Teams oder aber zwei Verträge mit einzelnen Sponsoren. Bei Letzteren könnt ihr euer Bike sowie die Ausrüstung individueller anpassen. Zur Auswahl stehen dabei neben unterschiedlichen Accessoires etablierter Hersteller wie Alpinestars, AGV oder Thor. Das Tuning des Motorrads gestaltet sich sogar noch umfangreicher, hier könnt ihr neben vorgefertigten Lackierungsmustern aus diversen Verbesserungen wie Auspuffanlagen, Reifen, Sitzbezügen oder Lenkergriffen wählen. Auch hier stehen namhafte Hersteller wie Akrapovic, Michelin oder Oehlins zur Verfügung. Ein Teil der Verbesserungen bringt sogar etwas für die Performance eures fahrbaren Untersatzes. Dabei sind die einzelnen Motorräder sehr gut ausbalanciert und auf einem relativ gleichen Niveau. Die Verbesserungen sind zwar spürbar, sorgen aber nicht dafür, dass ihr der Konkurrenz automatisch davonfahrt. Weiter in die Tiefe gehen könnt ihr, indem ihr die Einstellungen des Motorrads bezüglich Federweg oder Getriebeübersetzung individuell auf die Kurse anpasst.

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Mit erfüllten Vertragsvorgaben der Teams und guten Platzierungen verdient ihr Erfahrungspunkte und Credits. Letztere könnt ihr in weitere Accessoires und das Tuning des Motorrads stecken. Nach einigen Rennen wird der Vertrag beendet. Je nach bisheriger Leistung stehen euch dann neue Verträge mit anderen Zielvorgaben zur Auswahl. Auch gibt es im Karrieremodus nach einigen Events ein Einladungsrennen des Sponsors, über den sich weitere Credits verdienen lassen.

Leider fehlt hier etwas die Abwechslung in Form von anderen Sponsorenevents, die den Karrieremodus etwas auflockern könnten. Der Herausforderungsmodus zeigt ja bereits auf, dass es auch andere Events geben könnte. Hier stehen euch, wie der Name schon sagt, verschiedene Rennen mit Zielvorgabe zur Verfügung. Da geht es darum, den Sprint zur ersten Kurve zu gewinnen, oder aber Sprünge optimal zu meistern. Mit den verdienten Punkten schaltet ihr weitere vorgefertigte Ausrüstungssets frei, wobei der Großteil aber direkt über die Credits gekauft werden kann. Die Herausforderungen sind also eher für Leute gedacht, die wirklich Spaß an solchen Dingen haben. Zwingend erforderlich sind sie nicht.

Generell fehlt es dem Karrieremodus leider etwas an Langzeitmotivation, sofern man den Meistertitel errungen hat. Ja, es gibt unzählige Helme, Anzüge und Tuningteile zum Freischalten, doch meist fahrt ihr ja doch mit eurem Lieblingssetting und benötigt nicht zehn unterschiedliche Helme oder alle verfügbaren Auspuffanlagen.

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Ladies and Gentlemen, start your engines!

Doch genug der groben Theorie, Zeit für Rennaction. Und hier punktet Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 auf ganzer Linie! Die Motorräder steuern sich wirklich sehr gut. Dank verschiedener zuschaltbarer Fahrhilfen ist für jeden Fahrertyp das passende Setting dabei. Etwas Einarbeitungszeit solltet ihr aber einrechnen. So lagen wir in den ersten Rennen mehr auf der Nase, als wir fuhren, trotz eingeschalteter Hilfen wie automatischer Gewichtsverlagerung des Fahrers oder Kombination der Vorder- und Hinterradbremse. Wer es wirklich simulationslastig mag, der kann all dies selbst bestimmen und sogar per Hand schalten. Am spaßigsten fuhren wir aber definitiv mit einigen aktivierten Hilfen. Legt man sich doch einmal auf die Nase, was zu Beginn durchaus öfters passieren kann, dann hilft die obligatorische Rückspulfunktion, die sich schnell und unkompliziert aktivieren und nutzen lässt.

Ein Selbstläufer ist das Spiel dennoch nicht. So wirken sich verschiedene Untergründe auch spürbar auf das Ansprechverhalten beim Beschleunigen oder Bremsen aus. Ganz viel Beachtung solltet ihr dabei auf die Sprungkuppen legen. Trotz automatischer Gewichtsverlagerung des Fahrers könnt ihr jederzeit unterstützend eingreifen und so Absprung- und Landungswinkel verändern. Oftmals seid ihr schneller, wenn ihr vor einem Sprung kurz das Gas wegnehmt oder die Bremse antippt, um die Flugkurve flacher zu gestalten, anstatt einfach bei jeder Kuppe Vollgas zu geben. Denn es kostet unfassbar viel Zeit, wenn man nach einem Sprung so unglücklich auf der nächsten Kuppe landet, dass der komplette Schwung dahin ist. Zu diesem Zweck lässt sich auch eine Art Ideallinie aktivieren, die im Spiel Flow genannt wird. Leider verwirrte uns diese aber mehr, als dass sie uns half. Aber kein Problem, es machte uns enorm viel Spaß, die richtigen Linien und Winkel für die Sprungkuppen selbst herauszufinden. Und genauso spaßig präsentieren sich auch die Rennen an sich. Ihr kämpft hier mit bis zu 22 Fahrern Schulter an Schulter. Eine besondere Bedeutung nimmt dabei der Start ein. Alle Fahrer starten in einer Linie und beschleunigen gleichzeitig. Hier müsst ihr Timing beweisen und die Kupplung im richtigen Moment loslassen, was aber nach etwas Übung auch gut von der Hand geht. Da alle Fahrer gleichzeitig in die erste Kurve einbiegen, wird es entsprechend eng. Wer hier die Nase schon vorne hat, der ist für die kurzen und knackigen Rennen bereits klar im Vorteil.

Sich durch das Feld zu kämpfen gestaltet sich auch aufgrund der Beengtheit der Kurse als nicht so einfach. Dafür ergeben sich aber zu jeder Zeit auch wirklich spannende Rad an Rad Duelle gegen die hervorragend agierende KI. Die Computergegner machen selbst auch genügend individuelle Fehler, fahren ihre eigenen Rennen gegeneinander und setzen euch schön unter Druck. Das sorgt für durch die Bank wirklich spannende Rennen, ganz ohne den obligatorischen Gummibandeffekt. Wenn ihr überlegen seid, dann könnt ihr auch davonfahren. Leicht machen es euch die Gegner aber selten.

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Ansprechendes Äußeres

Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 gestaltet sich optisch wirklich ansprechend. Vor den einzelnen Rennevents werden wir vorab in einer hübschen Präsentation mit Feuerwerk und Kamerafahrt auf die Strecke eingestimmt. Unterlegt wird dies mit englischsprachigem Kommentar rund um Supercross-Legende Ricky Carmichael. Dies gilt auch für die Präsentation des eigenen Fahrers. Leider gibt es hier nur wenige Varianten des Intros, außerdem loben die Kommentatoren die eigene Figur auch, wenn man in den vorherigen Rennen durch die Bank den letzten Platz belegt hat. Die Stadionatmosphäre wurde dafür schön eingefangen und sorgt für eine ordentliche Stimmung. Die Motoren selbst klingen recht gleichförmig, was aber auch daran liegt, dass man oft mit relativ gleichbleibendem Tempo unterwegs ist.

Natürlich werden verschiedene Ansichten geboten, von der obligatorischen Verfolgerkamera bis hin zur Sicht aus den Augen des Fahrers, inklusive verschmutzender Schutzbrille. Ein wirklich nettes Detail. Auch schön: Während des Rennens schwenken Streckenposten direkt neben der Strecke gelbe Flaggen, wenn es zu einem Unfall gekommen ist. Zudem wurde ein einfach zu bedienender Fotomodus integriert, mit dem sich jederzeit das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven festhalten lässt. Aufgrund der spektakulären Rennen entstehen so schnell wirklich sehenswerte Schnappschüsse.

Die Rennaction selbst läuft stets flüssig, auch wenn nach dem Start alle Fahrer noch ziemlich gleichauf sind. Sämtliche Motorräder verdrecken über die Renndauer sichtlich, natürlich je nachdem, wie schlammig sich der Untergrund präsentiert. Auf den nicht überdachten Kursen ist ein kräftiger Regenschauer möglich, der für zusätzlichen Schlamm sorgt. Dies wirkt sich spürbar auf das Fahrverhalten aus. Die Streckenbeschaffenheit an sich ändert sich aber im Laufe des Rennens nicht. Entstehende Furchen und Gräben gegen Ende des Rennens sucht man leider vergebens. Die Animationen der Fahrer sind auf einem hochwertigen Niveau. Lediglich bei Stürzen segeln die Fahrer etwas steif durch die Luft, was aber auch für einige Lacher gut sein kann. Ein weiterer Kritikpunkt sind die für Milestone leider typischen recht langen Ladezeiten vor den Rennen. Diese waren für uns im Test aber noch zu verschmerzen.

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Fazit

Milestones Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 erfindet das Rad der Rennspiele nicht neu. Muss es aber auch nicht. Es liefert spaßige, kurzweilige Rennen mit ansprechender Präsentation und einem tollen, fordernden Fahrgefühl. Dank der sehr guten Gegner-KI erlebt ihr durchweg spannende Rennen. Ja, es gibt kleinere Kritikpunkte wie die recht langen Ladezeiten oder die teils steifen Sturzanimationen. Zudem wäre im Karrieremodus noch etwas mehr Abwechslung und Langzeitmotivation drin gewesen. Dennoch, Monster Energy Supercross – The Official Videogame 3 liefert unterhaltsamen Rennspaß mit relativ unverbrauchter Lizenz und ohne grobe Schnitzer. Für uns definitiv eine der positiven Überraschungen des Jahres 2020.

Pro:
  • Tolles Fahrgefühl
  • Schöne Präsentation
  • Spaßige, kurzweilige Rennen
  • Sehr gute, fordernde Gegner KI
  • Tolle Stadionatmosphäre
Contra:
  • Relativ lange Ladezeiten
  • Langzeitmotivation fehlt etwas
  • Teilweise steife Animationen
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies
Umfang
3 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und Ego-Shootern sind auch eher unbekanntere Spiele aus Nippon und Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen.

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