Review

MotoGP 22 im Test: Pokal oder Hospital?

Von Alex Krause am 10. Mai 2022
Publisher: Milestone
Release: 21. April 2022
Genre: Rennspiel
Entwickler: Milestone
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 0

Die diesjährige MotoGP-Saison ist bereits in vollem Gange. Wieder einmal präsentiert sich die höchste Rennklasse für Motorräder als eine einzigartige und unvorhersehbare Wundertüte. So konnten in den ersten drei Rennen ganze neun unterschiedliche Fahrer auf das Podest treten.

Ihr wollt da mal etwas mehr Konstanz reinbringen? Dann könnt ihr auch in diesem Jahr wieder mit dem offiziellen Videospiel aus dem Hause Milestone zum Seriensieger aufsteigen und nach dem Titel greifen. Punkten will das jährliche Update unter anderem mit weiteren, frisch ergänzten Details und einem brandneuen Storymodus im Dokumentationsstil.

Das reicht uns doch vollkommen aus, um nach MotoGP 20 nun auch den 22er Ableger für euch unter die Lupe zu nehmen.

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Nur Fliegen ist schöner

Seit vielen Jahren schon begeistert die MotoGP Menschen auf der ganzen Welt mit spektakulären und spannenden Rennen rund um die beeindruckenden Zweiräder. Die aktuellen MotoGP-Bikes verfügen über annähernd 300 PS-Leistung und sind mittlerweile sogar mit vielen kleinen Winglets ausgestattet, um die Power noch irgendwie gebändigt zu bekommen. Einmal mehr dürfen wir nun wieder virtuell auf den Sattel dieser Raketen steigen und um Positionen und Zehntelsekunden kämpfen. MotoGP 22 bietet hierfür ein gewohnt umfangreiches Lizenzpaket, das unter anderem die aktuellen Starter aus allen drei (Verbrenner-)Klassen einschließt. Ergänzt werden diese durch eine ganze Menge legendärer Fahrer und Maschinen, so zum Beispiel den fünfmaligen Weltmeister Mick Doohan oder die Hondas aus Valentino Rossis Anfangszeit in der Königsklasse. Vollständig enthalten ist sogar die 2009er Saison, welche in einem bestimmten Spielmodus noch eine Rolle spielt.

Während die MotoGP absolut akkurat umgesetzt wurde, finden sich bei den beiden kleineren Klassen ein paar Abweichungen zu den aktuellen Lackierungen der Fahrer. So tritt der Italiener Celestino Vietti im Spiel mit einem blauen Startnummern-Design an, wohingegen er in der Realität in leuchtendem Gelb an den Start geht. Das sind allerdings nur kleinere Details, die sicherlich hauptsächlich dem interessierten MotoGP-Verfolger direkt ins Auge stechen und wohl der Deadline geschuldet sind, zu der die Daten für das Spiel festgelegt sein müssen.

Ein weiteres Detail, welches nicht ganz korrekt ist, ist die Anzahl der Motorräder, welche in unserer Box dargestellt werden. So verfügen die Teams der Moto2 und Moto3 in der Realität nur über ein einzelnes, reguläres Einsatzmotorrad. In unserer Box steht aber stets ein Ersatz herum, an dem munter herum geschraubt wird. Auch hier ist dies aber lediglich ein Detail, welches nur eingefleischten Fans wirklich auffallen dürfte.

Korrekt umgesetzt wiederum wurden die zahlreichen, offiziellen Kurse der diesjährigen Saison, etwa der wunderschön gelegene Mandalika Street Circuit in Indonesien oder die Klassiker wie Assen und der Sachsenring. Beim Kurs im österreichischen Spielberg hat man sogar die neu gebaute Schikane berücksichtigt, welche die gefährliche Anfahrt auf die enge dritte Kurve entschärfen soll.

Quereinsteiger

Herzstück ist natürlich einmal mehr die Karriere, in der wir zu Beginn die freie Wahl haben, in welcher Klasse wir einsteigen wollen. Ebenfalls wieder mit dabei ist der rudimentäre Management-Part, der uns sowohl verschiedene Teammitglieder rekrutieren als auch unser Motorrad in diversen Bereichen verbessern lässt. Das kennt man so ja bereits aus den Vorgängern.

Ein Stück weit von den Codemasters-F1-Titeln hat man sich nun auch im Bereich der Freien Trainings inspirieren lassen. So werden die eigentlich recht trockenen Trainings-Sessions und Testfahrten mit verschiedenen Aufgaben aufgelockert, wo wir beispielsweise fünfmal hintereinander unter einer bestimmten Rundenzeit bleiben müssen oder verschiedene Konfigurationen probieren sollen. Als Belohnung winken natürlich Erfahrungspunkte, welche wir zum Verbessern unseres Motorrades gut gebrauchen können. Diese zusätzlichen Aufgaben sind jedoch komplett optional.

Wir können entweder ein komplettes Rennwochenende inklusive der Freien Trainings und dem Warm up simulieren, einzelne Sessions streichen oder uns einfach direkt ins Rennen stürzen. Ohne Qualifikation starten wir dann allerdings immer als Letzter, eine zusätzliche Herausforderung. In der Karriere gibt es nun noch einen weiteren Management-Aspekt. Haben wir durch Rennerfolge genügend Ruf gesammelt, können wir in den beiden niedrigeren Klassen Juniorenteams gründen und diese dann nebenher managen. So kann man sich einmal wie Valentino Rossi fühlen, der dies zum Ende seiner Karriere als aktiver Fahrer ja auch so gemacht hat und dessen Nachwuchsteams durchaus erfolgreich sind.

Ziel der Karriere ist natürlich der Gewinn des prestigeträchtigen WM-Titels. Doch jedes Team hat  unterschiedliche Vorgaben, welche es im Laufe der Saison zu erfüllen gilt, etwa Mindestanforderungen was Quali- und Rennpositionen angeht. Erfüllen wir diese nicht, so kann es auch mal passieren, dass wir unsere Sachen packen müssen. Neue Verträge können wir sowohl bei den offiziellen Teams als auch bei Fantasie-Rennställen abschließen. Dort haben wir dann sogar die Option, bei der Farbgebung der Maschine und unseres Anzuges eigene Akzente zu setzen. Ein komplettes Fantasie-Team wie in den letzten F1-Titeln inklusive eigenem Name lässt sich allerdings nach wie vor nicht erstellen, was schade ist. Zudem sind wir immer als Einzelkämpfer unterwegs. Die Option für einen Teamkollegen fehlt völlig, was für die Team-Weltmeisterschaft natürlich einen Nachteil darstellt.

Auf der letzten Rille

Das generell bereits gelungene Fahrgefühl der Vorgänger hat nun einen weiteren Sprung Richtung Simulation gemacht. Zwar helfen uns nach wie vor viele Fahrassistenzen wie die Traktionskontrolle oder die einblendbare und überaus hilfreiche Ideallinie, ein Selbstläufer ist die Fahrt jedoch nicht.

So gilt es, möglichst präzise zu bremsen und sich für jeden Kurs eine schnelle Linie zu suchen. Denn bereits wenige Meter zu spätes Bremsen oder eine Abweichung von der Ideallinie wird in der Regel mit einem unschönen und vor allem zeitraubenden Ausflug ins Kiesbett quittiert. Glücklicherweise steht uns die obligatorische Rückspulfunktion zur Verfügung. Nehmen wir den Sturz in Kauf, so dürfen wir dank eines neuen Features nun selbst zurück zu unserem Motorrad sprinten, um das Rennen dann wiederaufzunehmen. Das kostet zwar enorm viel Zeit, ist aber ein nettes Feature und sorgt für Atmosphäre.

Ebenfalls geändert hat man die Kombination der Bremswirkung. Konnten wir in alten Teilen noch einstellen, dass sowohl Vorder- als auch Hinterradbremse gleichzeitig mit einer Taste betätigt werden, müssen wir diese nun unabhängig voneinander steuern. Das erlaubt mit etwas Übung auch mal schönes Sliden in die Kurveneingänge, wie man es sonst nur aus dem TV kennt.

Weitere Faktoren, die in die Steuerung mit reinspielen, sind natürlich Benzinverbrauch, unterschiedliche Bremsscheiben sowie die im Rennverlauf nachlassenden Reifen, welche durchaus gelungen simuliert werden. Wer zu Beginn eines Rennens permanent Volldampf fährt, riskiert zum Schluss leichte Beute für die Verfolger zu sein. Auch die drei verschiedenen Reifenmischungen spielen eine Rolle, da sich zum Beispiel die weichen Reifen bei hohen Asphalttemperaturen schneller abnutzen und wir dementsprechend einiges an Haftung einbüßen. Wie in der Realität gilt es also, seine Kräfte und Ressourcen gut einzuteilen, um vernünftig über die Renndistanz zu kommen.

Zu einem richtigen Tanz auf rohen Eiern verkommen die Rennen auf nassem Untergrund, bei welchen wir oft genug Aquaplaning erleben oder uns in Kurven ohne echte Vorwarnung auf die Nase legen. Das ist ebenfalls der neuen Simulationsausrichtung der Reihe geschuldet, denn auch in der Realität sind Regenrennen auf zwei Rädern alles andere als ein Zuckerschlecken. Jedenfalls, wenn man nicht gerade „Big Balls“-Binder heißt. Bei nassen Bedingungen muss man also schon wirklich gefühlvoll und bedacht fahren, um einigermaßen erfolgreich zu sein.

Ganz neu simuliert wird nun auch das Ride-Height-Device, welches in der WM zuerst von den Technikpionieren von Ducati eingesetzt wurde. Damit federt das Motorrad auf den Geraden ein, um einen niedrigeren Schwerpunkt und damit bessere Beschleunigung und Aerodynamik zu bieten. Hier hat man sich wirklich gut mit den Details des Sports auseinandergesetzt.

Wer von all diesen Optionen überfordert ist, für den steht ein umfangreiches Tutorial zur Verfügung. Dort lassen sich alle Aspekte der MotoGP beleuchten und austesten, was gerade für Neueinsteiger eine gelungene Hilfe darstellt. Zudem können wir in der Akademie jeden Kurs schrittweise erlernen, indem wir versuchen, die jeweiligen Bestzeiten der einzelnen Sektoren und der gesamten Strecke zu unterbieten. Das erinnert ein wenig an die Lizenzprüfungen eines Gran Turismo. Etwas Eingewöhnungszeit und auch eine gewisse Frustresistenz muss man allerdings einplanen. Denn MotoGP 22 verlangt vom Spieler definitiv, dass man sich mit dem Fahrgefühl auseinandersetzt und übt. Wer ohne Vorkenntnisse einfach nur eine schnelle, lockere Runde drehen möchte, der schaut sich in der ersten und auch den folgenden Kurven direkt mal das Kiesbett genauer an.

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Next Generation?

Grafisch macht MotoGP 22 insgesamt einen ordentlichen Eindruck. So können die tollen Motorradmodelle absolut überzeugen. Auch die Beleuchtungen oder Regeneffekte machen soweit eine gute Figur, jedoch ist hier schon auch noch Luft nach oben. Bei den Fahrern jedoch gibt es leichte Defizite. Zwar sind die Animationen auf dem Motorrad selbst absolut ansehnlich, bei den Sturzsequenzen und Charaktermodellen im Menü schwächelt der Titel aber. Gerade bei Unfällen fallen seltsame Körperposen und vor allem Clipping-Fehler negativ auf.

Immerhin hat man sich die Mühe gemacht, die Fahrer der höchsten Klasse originalgetreu darzustellen, was allerdings nicht immer gut gelungen ist. Während Rossi-Halbbruder Luca Marini beispielsweise sofort zu erkennen ist, enttäuscht der aktuelle Shootingstar, „La Bestia“ Enea Bastianini, der sich so gar nicht ähnlich sieht. Relevant wird dies natürlich nur im Grid, in der Box und bei der Siegerehrung, da die Fahrer sonst ja immer ihre Helme aufhaben. Enttäuschend gestalten sich leider die Startaufstellung sowie die Siegerehrung und die Boxeneinfahrt, welche noch mindestens aus dem 20er-Ableger der Reihe stammen und quasi nicht verändert wurden. Hier hat man es sich wirklich sehr einfach gemacht. Die recycelten Animationen kosten schon einiges an Atmosphäre-Punkten, auch, wenn vermutlich die meisten Spieler diese Sequenzen ohnehin irgendwann überspringen werden.

Wieder enthalten sind umfangreiche Editoren, in denen wir Helme, Sticker und Startnummer selbst designen dürfen. Dabei enttäuschen jedoch die Optionen für die Motorräder und Rennanzüge, denn außer ein paar vorgefertigten Lackierungsmustern, bei denen wir lediglich drei Farben verändern dürfen, haben wir hier keinerlei Optionen. Von einem komfortablen und umfangreichen Editor wie bei der Forza-Reihe ist MotoGP 22 damit leider nach wie vor extrem weit entfernt. Sogar die Editoren der MXGP- oder Supercross-Reihe aus dem gleichen Haus bieten hier ein paar mehr Optionen. Das zeigt sich auch bei der Erstellung unseres Fahrers beziehungsweise unserer Fahrerin. Denn gerade hier haben wir leider nur die Auswahl aus wenigen, vorgefertigten Charakteren. Andere Haarfarben oder frei wählbare Frisuren suchen wir vergebens. Gut gelungen wiederum sind die Motorensounds, welche bei den MotoGP-Bikes nun schon sehr realistisch und kernig klingen. Abseits der Rennaction jedoch herrscht eher Tristesse. Zwar werden am Streckenrand fröhlich Fahnen geschwenkt, die Zuschauer an sich bleiben jedoch komplett stumm. Ja, ein MotoGP-Fahrer hat zum Dämpfen der extrem lauten Motorengeräusche auch noch schützende Stöpsel im Ohr, jedoch erzeugen auch zigtausend jubelnde Fans ordentlich hörbaren Lärm, welcher aber nicht simuliert wird. Hier wäre für die Gesamtatmosphäre noch etwas Potential vorhanden.

Alle Neune

Zusätzlich zur Karriere und den obligatorischen Spielmodi wie Einzelrennen und Zeitfahren bietet MotoGP 22 einen brandneuen Modus. In NINE Season 2009 können wir die legendäre 2009er Saison mit Fokus auf die vier damaligen Topfahrer Jorge Lorenzo, Dani Pedrosa, Casey Stoner und natürlich „Il Dottore“, dem neunmaligen Weltmeister Valentino Rossi höchst selbst, nochmals erleben. Und das auch auf den Original-Strecken der damaligen Saison, inklusive der legendären Berg- und Talbahn in Laguna Seca. Präsentiert wird dieser Modus im Stile einer Dokumentation, welche von Mark Neale stammt und im Originalton auch von ihm kommentiert wird. Dieser zeichnet sich unter anderem verantwortlich für die gelungenen MotoGP-Dokus Fastest und Hitting the Apex, versteht also durchaus etwas von der Materie. Unterlegt von einer ganzen Menge Originalaufnahmen kommt schnell richtig gelungenes Doku-Feeling auf, auch wenn die eine oder andere Szene sicherlich etwas überdramatisch dargestellt wird. Aber das gehört ja irgendwie dazu.

Bei den Rennen selbst können wir dann natürlich auch Hand anlegen und verschiedene Rennsituationen nachspielen. Hier wechselt das Spiel dann dank der kurzen Ladezeiten relativ schnell von der Aufzeichnung zur Spielgrafik, was eine flüssige Erfahrung ermöglicht. In den insgesamt 17 WM-Läufen gilt es, bestimmte Ziele zu erfüllen. So sollen wir etwa als Stoner auf der Ducati einen Vorsprung verteidigen oder mit Lorenzo auf der Yamaha mehrere Positionen innerhalb weniger Runden gutmachen. Hierdurch schalten wir dann weitere Bikes, Lackierungen und Fahrer frei, die wir in anderen Spielmodi verwenden dürfen.

Grundsätzlich gehört zu jedem der Rennen eine fixe Challenge, zudem können wir optional noch bis zu drei weitere Szenarien in Angriff nehmen. Dadurch erleben wir verschiedene Szenen der Rennen, zum Beispiel den legendären Zweikampf zwischen Rossi und Lorenzo in Catalunya, oder den Husarenritt von Marco Melandri auf der völlig unterlegenen Hayate-Kawasaki im verregneten Le Mans. Durch die Aufteilung in verschiedene Perspektiven kommt es jedoch auch vor, dass das Rennen nicht chronologisch erzählt wird. So erleben wir zunächst die finalen Runden eines Laufs, müssen dann aber im nächsten Abschnitt den Start bewältigen und möglichst schnell auf Position 2 fahren. Das kann mitunter auch mal verwirren. Teilweise wird der Modus dadurch sogar etwas langatmig, wenn man alle Challenges nacheinander bewältigt, da viel Leerlauf bis zur nächsten Zwischensequenz entsteht. Auch fallen hier die fehlenden Umgebungsgeräusche am meisten auf. Denn wenn man sich an das oben beschriebene, legendäre Duell erinnert, dann lebt dieses eben auch von den tobenden Massen auf den Tribünen. Trotzdem ist der Modus eine nette Ergänzung und erinnert an den Showcase-Modus aus WWE 2K22. Da die MotoGP in ihrer Geschichte nun schon so manches denkwürdige Rennen erlebt hat, können hier gerne noch weitere solche Episoden folgen.

Eine Rückkehr feiert nun auch, zusätzlich zu den regulären Online-Spielmodi, der Splitscreen-Modus für zwei Spieler an einer Konsole. Dieser läuft flüssig und ermöglicht auch Rennen gegen KI-Gegner.

Sobald sich beide Spieler an die Steuerung gewöhnt haben, sind hier durchaus spannende Duelle möglich.

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Fazit

Seit vielen Jahren schon liefert Milestone verlässlich die Videospiel-Ableger zur MotoGP. Die diesjährige Version führt die gelungene Reihe weiter fort, schleppt aber auch leider nach wie vor einige Altlasten wie veraltete Animationen, Clipping-Fehler und die etwas tristen Umgebungen mit sich, an denen man so langsam auch mal arbeiten könnte. Richtig gut (und klar besser als die kniffligen Szenarien aus der 20er-Version) fand ich die NINE Season 2009, welche mich enorm an den Showcase-Modus aus WWE 2K22 erinnert hat und mit vielen Originalaufnahmen punkten konnte. Hiervon darf es bei künftigen Serienablegern gern mehr sein, denn Potential dafür bietet die spektakuläre MotoGP mehr als genug. Ebenfalls gelungen fand ich den nun noch simulationslastigeren Ansatz der Reihe, auch wenn dieser etwas Eingewöhnungszeit mit sich brachte. Doch hat man die Bremspunkte einmal verinnerlicht und slidet am Kurveneingang mit zusätzlich gezogener Hinterradbremse leicht quer an seinem Kontrahenten vorbei, dann macht das schon richtig Laune. Man muss aber auch die Bereitschaft mitbringen, sich in die Steuerung einzuarbeiten. Etwas Zeit sollte man also auf jeden Fall einplanen, bis man mit dem Spiel warm wird. MotoGP 22 ist somit die gelungene Weiterentwicklung der Vorgänger, welche deren Weg konsequent weiterführt. Leider teilt es dabei neben den Tugenden auch die typischen Laster einer jährlich erscheinenden Lizenzspielreihe, denn außer neuen Menüs und einigen kleineren Verbesserungen ist die 22er-Ausgabe letztlich wieder nur ein in Details angepasstes Upgrade der Vorgänger mit aktuellen Lizenzen. Dennoch stellt MotoGP 22 den bislang besten Vertreter der Rennspielreihe dar.

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Pro:
  • Gelungenes, simulationslastiges Fahrgefühl
  • Viele Sim-Optionen
  • Umfangreiches Lizenzpaket mit Fahrern und Strecken
  • Legendäre Fahrer und Bikes
  • NINE Season 2009-Modus
  • Umfangreiche Editoren
  • Gute Tutorials
  • Erweiterter Management-Part für eigenes Juniorenteam
  • Gute Motorengeräusche
  • Rückkehr des Splitscreen-Modus
Contra:
  • Animationen teilweise veraltet
  • Für Neueinsteiger aufgrund des Sim-Ansatzes etwas knifflig
  • Szenarien in NINE Season 2009 nicht chronologisch erzählt und teils überdramatisiert
  • NINE Season 2009 manchmal etwas langatmig
  • Nach wie vor triste Umgebungen und Außengeräusche
  • Nur rudimentäre Lackierungs-Optionen bei den Bikes und Anzügen
  • Clipping-Fehler und seltsame Sturzanimationen
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
3 von 5 Buddies
Umfang
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Xbox Series X

Unsere Wertung:

8.5 / 10
Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und Ego-Shootern sind auch eher unbekanntere Spiele aus Nippon und Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen.

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