

Was ist eigentlich aus BioShock geworden?
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Als BioShock im Jahr 2007 erschien, war schnell klar, dass hier mehr als nur ein weiterer Ego-Shooter auf den Markt gekommen ist. Entwickelt unter der Leitung von Ken Levine, entführte dich das Spiel in die Unterwasserstadt Rapture – eine Welt, die gleichzeitig faszinierend und zutiefst verstörend war.
Rapture war kein gewöhnlicher Schauplatz. Es war eine gescheiterte Utopie, geprägt von den Ideen des radikalen Individualismus, die komplett aus dem Ruder gelaufen sind. Während du dich durch die verlassenen Hallen bewegst, Audio-Logs findest und auf grotesk veränderte Bewohner triffst, entfaltet sich eine Geschichte, die dich nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken zwingt.
Gerade diese Mischung aus Gameplay, Atmosphäre und philosophischem Unterbau machte BioShock zu einem Meilenstein. Entscheidungen wie der Umgang mit den Little Sisters waren nicht einfach nur Gameplay-Mechaniken – sie hatten Gewicht und fühlten sich bedeutend an. Es war eines dieser Spiele, bei denen man nach dem Abspann noch lange sitzen bleibt und das Erlebte verarbeitet.
Mit BioShock 2 kehrte die Reihe 2010 nach Rapture zurück, diesmal allerdings ohne Ken Levine als kreative Hauptfigur. Stattdessen übernahm ein anderes Team die Entwicklung, was man dem Spiel auch anmerkte – allerdings nicht unbedingt im negativen Sinne.
Die größte Änderung: Du schlüpfst selbst in die Rolle eines Big Daddys. Dadurch verändert sich das gesamte Spielgefühl. Plötzlich bist du nicht mehr nur Beobachter dieser kaputten Welt, sondern ein Teil von ihr. Die Kämpfe werden direkter, wuchtiger, fast schon persönlicher.
Trotzdem fehlte vielen genau das, was den ersten Teil so besonders gemacht hat – dieser Überraschungseffekt, dieser Moment, in dem dir sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. BioShock 2 war ein gutes Spiel, keine Frage, aber es stand immer ein wenig im Schatten seines Vorgängers.
2013 wagte die Reihe mit BioShock Infinite einen radikalen Neuanfang. Statt der dunklen Tiefen von Rapture ging es hoch hinaus – in die fliegende Stadt Columbia. Auf den ersten Blick wirkte alles heller, freundlicher, fast schon idyllisch. Doch dieser Eindruck täuschte gewaltig.
Columbia entpuppte sich schnell als ebenso kaputte Gesellschaft, nur anders verpackt. Themen wie Rassismus, Nationalismus und Fanatismus standen im Mittelpunkt und verliehen dem Spiel eine ganz eigene Schwere. Im Zentrum der Geschichte standen Booker DeWitt und Elizabeth – eine der wohl interessantesten Figuren, die die Reihe hervorgebracht hat.
Besonders das Ende von Infinite sorgte für Diskussionen. Die Multiversum-Thematik, die Verknüpfung verschiedener Realitäten und die vielen Interpretationsmöglichkeiten machten das Spiel zu einem Erlebnis, das weit über das eigentliche Gameplay hinausging. Mit den DLCs wurde schließlich sogar die Brücke zurück nach Rapture geschlagen, wodurch sich der Kreis auf eine überraschend elegante Weise schloss.
Und dann wurde es ruhig. Nach dem Erfolg von Infinite hätte man eigentlich erwartet, dass BioShock direkt weitergeführt wird. Doch stattdessen entschied sich Ken Levine, Irrational Games weitgehend aufzulösen und sich neuen, kleineren Projekten zu widmen.
Für die Reihe bedeutete das eine Art Stillstand. Es gab zwar Remaster in Form von BioShock: The Collection, aber neue Inhalte blieben aus. Für viele Fans fühlte sich das wie ein abruptes Ende an – besonders, weil Infinite so viele Fragen offen ließ und gleichzeitig neue Möglichkeiten geschaffen hatte.
Diese Phase war geprägt von Unsicherheit. War das Kapitel BioShock abgeschlossen? Oder wartete irgendwo im Hintergrund bereits der nächste große Wurf?
Ganz verschwunden ist BioShock allerdings nie. 2019 wurde offiziell bestätigt, dass ein neuer Teil in Entwicklung ist – diesmal beim Studio Cloud Chamber.
Seitdem gibt es immer wieder kleine Lebenszeichen, aber konkrete Informationen sind rar. Klar ist nur: Es wird eine neue Welt geben, eine neue Geschichte und vermutlich auch einen neuen Ansatz. Die Entwicklung läuft bereits seit mehreren Jahren, was darauf hindeutet, dass hier kein Schnellschuss entstehen soll, sondern ein Spiel, das dem Erbe der Reihe gerecht wird.
Spannend wird es vor allem im Zusammenspiel mit der geplanten Verfilmung von Netflix. Laut verschiedenen Berichten und Insiderquellen (siehe unter Quellen) sollen Film und neues Spiel zeitlich relativ nah beieinander erscheinen. Auch wenn es dazu noch keine offizielle Bestätigung gibt, deutet vieles darauf hin, dass 2K hier eine größere Rückkehr der Marke vorbereitet – möglicherweise als gemeinsames Comeback auf mehreren Ebenen.
Sollte sich das bewahrheiten, könnte BioShock nicht nur als Spiel, sondern als gesamtes Franchise wieder deutlich stärker in den Fokus rücken.
Quellen:
Die größte Herausforderung für ein neues BioShock liegt nicht in der Technik oder im Budget – sondern in den Erwartungen. Die ersten Teile haben Maßstäbe gesetzt, die nur schwer zu erreichen sind. Es geht nicht nur darum, eine neue Welt zu erschaffen, sondern eine, die dich genauso in ihren Bann zieht wie damals Rapture oder Columbia.
Gleichzeitig bietet genau das auch eine enorme Chance. Die Spielelandschaft hat sich verändert, neue Technologien ermöglichen immersivere Welten und komplexere Geschichten. Wenn es gelingt, diese Möglichkeiten mit dem typischen BioShock-Gefühl zu verbinden, könnte die Reihe ein beeindruckendes Comeback feiern.
BioShock ist kein klassisches Franchise, das jedes Jahr einen neuen Teil braucht. Es ist eher eine Reihe, die sich Zeit nimmt – und genau deshalb so besonders ist.
Auch wenn es lange still war, lebt die Faszination weiter. Rapture und Columbia sind längst zu festen Bestandteilen der Videospielgeschichte geworden. Und irgendwo da draußen wartet vielleicht schon die nächste Stadt darauf, entdeckt zu werden – schön, verstörend und garantiert alles andere als normal.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.