

Was ist eigentlich aus Dead Space geworden?
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Kaum eine Horrorreihe hat Spieler so nachhaltig verstört wie Dead Space. Ein Ingenieur ohne Kampfausbildung, ein verlassenes Bergbauschiff und Monster, die man nicht mit Kopfschüssen, sondern nur durch das Abtrennen von Gliedmaßen stoppen kann: Das war 2008 ein Konzept, das sofort einschlug. Trotzdem liegt die Reihe seit Jahren auf Eis, obwohl 2023 noch ein gefeiertes Remake erschienen ist. Wir blicken zurück auf Isaac Clarke, die Ishimura und die Necromorphs und erklären, warum es um Dead Space so still geworden ist.
Das erste Dead Space erschien im Oktober 2008 für Xbox 360, PlayStation 3 und PC. Entwickelt wurde es von EA Redwood Shores, dem Studio, das kurz darauf in Visceral Games umbenannt wurde. Federführend war Glen Schofield, der als Schöpfer der Reihe gilt.
Du spielst den Ingenieur Isaac Clarke, der mit einem kleinen Reparaturteam zum riesigen Bergbauschiff USG Ishimura geschickt wird. Das Schiff hat im Orbit des Planeten Aegis VII den Funkkontakt verloren und Isaac hofft, dort seine Freundin Nicole wiederzufinden. Was er stattdessen vorfindet, sind tote Crewmitglieder, verstörende Blutbotschaften an den Wänden und die Necromorphs: Leichen, die durch einen außerirdischen Einfluss zu grotesken Kreaturen mutiert sind.
Im Zentrum der Geschichte steht der Marker, ein mysteriöses Artefakt, das Halluzinationen, Wahnsinn und die Wiederbelebung der Toten auslöst. Die Sekte der Unitologen verehrt den Marker und glaubt, er werde die Menschheit vereinen. Was er tatsächlich bringt, ist das genaue Gegenteil.
Spielerisch hob sich Dead Space durch zwei Ideen von der Konkurrenz ab. Die erste war das sogenannte strategische Zerstückeln. Necromorphs ließen sich nicht durch Treffer in den Kopf ausschalten, du musstest gezielt Arme, Beine und Klauen abtrennen. Werkzeuge wie der Plasmacutter wurden so zu Präzisionswaffen und jede Munition zählte.
Die zweite war das diegetische Interface. Statt Lebensbalken und Munitionsanzeige am Bildschirmrand zeigte Isaacs Anzug alles direkt im Spiel an. Die Gesundheit leuchtete als Leiste auf dem Rücken, Munition erschien als Hologramm über der Waffe und selbst Menüs und Karten wurden als Projektionen vor Isaac eingeblendet, während das Spiel weiterlief. Das sorgte dafür, dass du dich nie wirklich sicher fühltest. Dazu kamen Passagen in der Schwerelosigkeit und im Vakuum, in denen plötzlich jedes Geräusch verstummte.
Die Kritiker waren begeistert, Metacritic-Wertungen zwischen 86 und 89 Punkten sprechen für sich. Die Verkäufe blieben allerdings hinter den Erwartungen zurück: Bis Februar 2009 wurde rund eine Million Exemplare abgesetzt, was angesichts des großen Marketingbudgets als enttäuschend galt.
Bevor der zweite Hauptteil erschien, erweiterte EA das Universum mit dem Wii-Ableger Dead Space: Extraction (2009), einem Rail-Shooter als Vorgeschichte, zwei animierten Filmen mit den Titeln Downfall und Aftermath, Comics und Romanen. Im Januar 2011 folgte dann Dead Space 2.
Isaac spricht nun, kämpft mit den Folgen seiner Erlebnisse und wacht auf der Raumstation Sprawl am Saturnmond Titan auf, wo gerade der nächste Ausbruch beginnt. Das Spiel wurde actionreicher und abwechslungsreicher, ohne den Horror zu verlieren. Besonders eine Szene mit einer Nadel und Isaacs Auge hat sich bei vielen Spielern für immer eingebrannt. Mit Wertungen bis 90 Punkten gilt Dead Space 2 für viele bis heute als bester Teil der Reihe. In der ersten Woche wurden fast zwei Millionen Exemplare ausgeliefert, doch auch hier galt das Ergebnis wegen des hohen Budgets als finanziell enttäuschend.
Mit Dead Space 3 schlug die Reihe 2013 einen neuen Weg ein und genau der wurde ihr zum Verhängnis. Isaac reist zusammen mit Soldat John Carver zum Eisplaneten Tau Volantis, um den Ursprung der Marker zu finden. Erstmals gab es einen Koop-Modus, in dem ein zweiter Spieler Carver übernehmen konnte, dazu ein umfangreiches Waffen-Crafting.
Für viele Fans war das zu viel des Guten. Der Horror wich zunehmend Schusswechseln gegen menschliche Gegner und dass sich Crafting-Ressourcen auch gegen echtes Geld kaufen ließen, sorgte für heftige Kritik. Mit 76 bis 78 Punkten auf Metacritic war Dead Space 3 der am schwächsten bewertete Hauptteil. Zwar war es im Februar 2013 das meistverkaufte Spiel in den USA und Großbritannien, verfehlte aber EAs Erwartungen klar. Ein bereits angedachter vierter Teil wurde daraufhin gestrichen. Besonders bitter: Die Erweiterung Awakened endete mit einem großen Cliffhanger, der bis heute nicht aufgelöst wurde.
Nach Dead Space 3 arbeitete Visceral Games unter anderem an Battlefield Hardline und anschließend an einem storybasierten Star-Wars-Spiel unter der Leitung von Amy Hennig. Im Oktober 2017 schloss EA das Studio dann vollständig. Damit gab es kein Team mehr, das Dead Space hätte weiterführen können.
Glen Schofield gründete später das Studio Striking Distance und veröffentlichte im Dezember 2022 The Callisto Protocol, einen geistigen Nachfolger von Dead Space. Das Spiel sah fantastisch aus, kam bei Kritik und Spielern aber nur mittelmäßig an und konnte nicht an den Erfolg des großen Vorbilds anknüpfen.
Im Januar 2023 meldete sich Dead Space eindrucksvoll zurück. EA Motive veröffentlichte ein vollständiges Remake des ersten Teils für PC, PS5 und Xbox Series X/S. Die Ishimura wurde zu einem durchgehend begehbaren Schiff ohne Ladebildschirme, Isaac bekam eine Stimme und ein neues System ließ Fleisch und Knochen der Necromorphs Schicht für Schicht abtragen. Ein sogenannter Intensity Director sorgte zudem dafür, dass Schockmomente auch beim zweiten Durchgang überraschten. Mit 87 bis 89 Punkten auf Metacritic gehörte das Remake zu den besten Horrorspielen des Jahres.
Wirtschaftlich blieb es allerdings erneut hinter den Hoffnungen zurück. Berichten zufolge wurden insgesamt weniger als zwei Millionen Exemplare verkauft, zum Vergleich hat Resident Evil Village die Marke von acht Millionen deutlich überschritten. Im April 2024 berichteten mehrere Medien, dass ein bereits angedachtes Remake von Dead Space 2 auf Eis gelegt wurde. Motive konzentrierte sich anschließend auf Battlefield und ein Einzelspieler-Abenteuer rund um Iron Man.
Glen Schofield hat nie aufgehört, für eine Rückkehr zu kämpfen. Nach eigener Aussage hat er EA zusammen mit ehemaligen Visceral-Verantwortlichen ein Dead Space 4 angeboten und dabei sogar versprochen, durch das eingespielte Team 30 bis 40 Millionen US-Dollar zu sparen. Die Antwort fiel knapp aus: EA lehnte ab.
Neue Hoffnung schöpfte Schofield im Herbst 2025, als die Übernahme von EA durch ein Konsortium aus dem saudischen Staatsfonds PIF, Silver Lake und Affinity Partners bekannt wurde. Er sah darin die Chance, dass neue Eigentümer der Marke wieder eine Chance geben oder die Rechte sogar abgeben könnten. Zudem regte er Verfilmungen und Serien an. Die Übernahme wurde im Sommer 2026 abgeschlossen, eine Ankündigung zu Dead Space gab es seitdem aber nicht.
Wie schwierig die Lage ist, verdeutlichte im Mai 2026 Chuck Beaver, Produzent aller drei Originalspiele. Er erklärte, ein neues Dead Space müsste wohl zehn bis 15 Millionen Exemplare verkaufen, um sich zu rechnen. Ein Ziel, das die Reihe in ihrer Geschichte nie auch nur annähernd erreicht hat. Große Publisher würden lieber dem nächsten Fortnite hinterherjagen, als in Nischen-Horror zu investieren.
Was ist also aus Dead Space geworden? Eine Reihe, die Survival-Horror im Weltraum geprägt hat wie kaum eine andere und die gleichzeitig nie die Verkaufszahlen erreichte, die EA sich gewünscht hat. Selbst ein nahezu perfektes Remake konnte daran nichts ändern. Aktuell gibt es weder ein Studio, das an der Marke arbeitet, noch ein offizielles Projekt.
Ich finde das unglaublich schade, denn der Horror-Boom der letzten Jahre mit Remakes von Resident Evil und Silent Hill zeigt, dass das Genre lebt. Vielleicht braucht es am Ende tatsächlich neue Eigentümer, eine kleinere Produktion oder einen Umweg über Film und Serie, damit Isaac Clarke noch einmal zum Plasmacutter greifen darf. Bis dahin bleibt der Cliffhanger von Awakened eines der unbefriedigendsten Enden der Spielegeschichte.
Lust auf weitere Klassiker mit ungewisser Zukunft? Dann lies auch Was ist eigentlich aus Army of Two geworden? und Was ist eigentlich aus F.E.A.R. geworden?
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.