

Was ist eigentlich aus Empire Earth geworden?
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Anfang der 2000er war Echtzeitstrategie das Genre schlechthin auf dem PC und mittendrin stand ein Spiel mit einem gewaltigen Versprechen: die gesamte Menschheitsgeschichte in einem einzigen Spiel. Empire Earth ließ dich mit Keulenträgern in der Steinzeit beginnen und mit Kampfrobotern und Laserwaffen in der Zukunft enden. Drei Hauptteile später war 2007 allerdings Schluss. Wir blicken zurück auf eine der ambitioniertesten Strategiereihen ihrer Zeit und zeigen, warum es 2026 überraschend wieder Grund zur Freude gibt.
Hinter Empire Earth steckte ein bekannter Name. Rick Goodman war als Lead Designer maßgeblich am ersten Age of Empires beteiligt, verließ Ensemble Studios aber kurz darauf und gründete 1997 sein eigenes Studio Stainless Steel Studios. Sein Ziel war ein Strategiespiel, das noch größer und umfassender sein sollte als der Microsoft-Hit.
Im November 2001 erschien Empire Earth schließlich über Publisher Sierra für den PC. Das Spiel umfasste 14 Epochen, von der Vorgeschichte über Antike, Mittelalter, Renaissance und die Weltkriege bis hin zum Atomzeitalter und dem futuristischen Nano-Zeitalter. Insgesamt deckte es eine Zeitspanne von rund 500.000 Jahren ab. Auf Wunsch konntest du eine komplette Partie durch alle Epochen spielen und dabei zusehen, wie aus Speerwerfern Musketiere, Panzer und schließlich riesige Kampfmechs wurden.
Neben der schieren Größe überzeugte Empire Earth mit vielen cleveren Ideen. Heldeneinheiten, etwa große Feldherren oder Strategen, stärkten deine Truppen in ihrer Nähe. Propheten konnten Katastrophen wie Seuchen, Erdbeben oder Vulkanausbrüche über den Gegner bringen. Seeschlachten, Luftkämpfe und ein Schere-Stein-Papier-System, bei dem jede Einheit klare Stärken und Schwächen hatte, sorgten für taktische Tiefe.
Besonders beliebt war das Zivilisationssystem. Statt fest vorgegebener Völker konntest du Boni über ein Punktesystem selbst zusammenstellen und so deine ganz eigene Nation erschaffen. Dazu kamen umfangreiche Kampagnen, unter anderem rund um das antike Griechenland, England und Deutschland sowie ein Ausflug in ein futuristisches Russland. Mit über 20 Nationen, einem mächtigen Editor und einem lebendigen Multiplayer-Modus war Empire Earth ein Paket, das Strategiefans über Jahre beschäftigte.
Die Kritiken fielen sehr gut aus, im Schnitt erreichte das Spiel Wertungen um 82 Prozent. Kommerziell war es ein echter Erfolg: Über zwei Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft. 2002 folgte das Add-on The Art of Conquest, das eine 15. Epoche, das Weltraumzeitalter, sowie neue Kampagnen ergänzte. Entwickelt wurde es bereits von Mad Doc Software und es kam mit seinen technischen Problemen deutlich schlechter weg.
Stainless Steel Studios arbeitete nach Empire Earth nicht an der Fortsetzung, die Rechte lagen beim Publisher. Stattdessen veröffentlichte das Studio 2003 Empires: Dawn of the Modern World, das oft als geistiger Nachfolger bezeichnet wird. Es konzentrierte sich auf rund 1.000 Jahre Geschichte und neun Zivilisationen, die sich spielerisch deutlich stärker voneinander unterschieden. Die Kritiken waren gut, der große Erfolg blieb aus. 2005 musste Stainless Steel schließlich schließen, die hauseigene Titan-Engine wurde verkauft.
Die eigentliche Fortsetzung übernahm Mad Doc Software. Empire Earth II erschien im April 2005 und bot 15 Epochen von der Steinzeit bis in die Zukunft. Neu waren unter anderem Territorien, die Grenzen auf der Karte festlegten, ein dynamisches Wettersystem mit Jahreszeiten, das sich auf die Bewegung von Einheiten auswirkte und ein Bild-im-Bild-Fenster, mit dem du zwei Schauplätze gleichzeitig im Blick behalten konntest. Mit dem Kriegsplaner ließen sich Angriffe sogar mit Verbündeten koordinieren.
Empire Earth II kam bei der Kritik gut an und erreichte im Schnitt rund 79 Prozent. Einige Spieler fanden es allerdings überladen und weniger zugänglich als den Vorgänger. 2006 folgte das Add-on The Art of Supremacy mit neuen Zivilisationen und Kampagnen, das jedoch nur mäßige Wertungen bekam.
Im November 2007 erschien mit Empire Earth III der dritte und bislang letzte Teil. Mad Doc wollte die Reihe zugänglicher machen und strich dafür kräftig zusammen. Statt vieler einzelner Nationen gab es nur noch drei große Fraktionen, den Westen, den Nahen Osten und den Fernen Osten und die Zahl der Epochen schrumpfte auf fünf. Neu war ein Weltherrschaftsmodus, in dem du auf einem 3D-Globus Provinz für Provinz eroberst.
Bei Fans und Kritikern kam das überhaupt nicht gut an. Die Vereinfachungen nahmen der Reihe genau das, was sie ausgemacht hatte, dazu kamen ein comichafter Grafikstil und zahlreiche Bugs. Mit Wertungen um 50 Prozent wurde Empire Earth III zum mit Abstand schwächsten Teil. Kurz darauf wurde Mad Doc von Rockstar übernommen und in Rockstar New England umbenannt. Ein weiteres Empire Earth war damit vom Tisch.
Nach der Fusion von Vivendi Games und Activision im Jahr 2008 sortierte der neue Konzern viele ältere Sierra-Marken aus. 2009 kaufte das britische Studio Rebellion, bekannt durch die Sniper-Elite-Reihe, die vollständigen Rechte an Empire Earth, gemeinsam mit Marken wie Evil Genius, Ground Control und Lords of the Realm. Rebellion kündigte damals an, die alten Spiele digital neu zu veröffentlichen und langfristig über neue Teile nachzudenken.
Der erste Teil landete daraufhin 2009 als Gold Edition auf GOG, wo er bis heute erhältlich ist. Neue Spiele blieben aber aus. Gleichzeitig wurde es für Fans immer schwieriger, die Reihe auf modernen Systemen zu spielen: Die offiziellen Online-Dienste wurden abgeschaltet und die Community hielt das Spiel mit inoffiziellen Patches, eigenen Servern und Mods am Leben.
Im Mai 2026 kam dann die Überraschung. Rebellion veröffentlichte die komplette Trilogie auf Steam: Empire Earth Gold Edition inklusive The Art of Conquest, Empire Earth II Gold Edition inklusive The Art of Supremacy sowie Empire Earth III. Die Spiele sind einzeln und als Bundle namens The Empire Earth Collection erhältlich. Alle Kampagnen sind enthalten und der Mehrspielermodus unterstützt bis zu acht Spieler per LAN.
Ein neues Empire Earth hat Rebellion bislang nicht angekündigt. Dass das Studio mit alten Marken durchaus etwas anfangen kann, hat es aber bereits bewiesen: 2021 erschien mit Evil Genius 2 eine Fortsetzung zu einem anderen Klassiker aus demselben Rechtepaket. Zudem erlebt die klassische Echtzeitstrategie gerade ein kleines Comeback, nicht zuletzt dank der Definitive Editions von Age of Empires und neuen Spielen wie Age of Mythology: Retold.
Was ist also aus Empire Earth geworden? Eine Reihe, die mit einem riesigen Versprechen gestartet ist, im ersten Teil fast alles richtig gemacht hat und mit dem dritten Teil ihren Fans vor den Kopf gestoßen hat. Danach verschwand sie beinahe zwei Jahrzehnte in der Versenkung, bis Rebellion die Trilogie 2026 endlich wieder für ein breites Publikum zugänglich gemacht hat.
Ich hoffe sehr, dass Rebellion die Steam-Veröffentlichung als Testballon versteht. Ein Empire Earth 4, das sich am ersten Teil orientiert, oder zumindest eine Definitive Edition mit modernem Online-Multiplayer wären ein Traum für alle, die damals ganze Wochenenden mit Partien von der Steinzeit bis ins Nano-Zeitalter verbracht haben. Die Voraussetzungen dafür waren jedenfalls lange nicht mehr so gut.
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Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.