

Was ist eigentlich aus Hugo geworden?
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Wer in den 90ern in Deutschland vor dem Fernseher saß, erinnert sich vermutlich noch heute an den kleinen Troll, der seine Familie aus den Fängen einer Hexe befreien muss und den du dabei per Telefon steuerst. Hugo war Videospiel, Gameshow und Kinderzimmer-Phänomen in einem, lange bevor Begriffe wie Cloud Gaming oder Streaming überhaupt existierten. Wir schauen zurück auf die Zeit, in der Kids live im TV per Tastentelefon um Geldpreise zockten und klären, was aus dem berühmtesten Troll der Fernsehgeschichte geworden ist.
Hugo stammt ursprünglich aus Dänemark. Die Idee für eine interaktive Fernsehshow hatte der Däne Ivan Sølvason bereits 1987. Gemeinsam mit Niels Krogh Mortensen entwickelte er die Figur des kleinen Trolls und seine Firma, die später unter dem Namen Interactive Television Entertainment, kurz ITE, bekannt wurde, brachte das Konzept ins Fernsehen. Im September 1990 feierte Hugo auf dem dänischen Sender TV2 Premiere.
Das Prinzip war so simpel wie genial: Zuschauer riefen in der Sendung an und steuerten Hugo über die Zifferntasten ihres Telefons durch verschiedene Hindernisparcours. Die Tastentöne wurden live in Steuerbefehle übersetzt und was du am Hörer gedrückt hast, sah ganz Dänemark auf dem Bildschirm. Je mehr Gold Hugo einsammelte, desto größer fiel am Ende der Gewinn aus. Das Format war so erfolgreich, dass es in mehr als 40 Länder lizenziert wurde, darunter Polen, Argentinien und Deutschland.
In Deutschland startete Die Hugo-Show im April 1994 auf dem Kabelkanal, der kurz darauf in Kabel 1 umbenannt wurde. Montags bis samstags konnten Kinder und Jugendliche dort live mitspielen, sofern sie es durch die notorisch überlasteten Telefonleitungen schafften. Moderiert wurde die Sendung von mehreren Moderatorinnen, darunter Minh-Khai Phan-Thi, Yvette Dankou, Tania Schleef und Judith Hildebrandt. Für einige von ihnen war die Show ein echtes Sprungbrett und auch Sonja Zietlow stand im Ableger Hugo & Hexana vor der Kamera.
Die Geschichte war in jeder Folge dieselbe: Die böse Hexe, im Original Afskylia, international Scylla und hierzulande Hexana genannt, hatte Hugos Frau Hugolina und die drei Kinder Rit, Rat und Rut entführt. Hugo musste sich durch mehrere Minispiele kämpfen, etwa mit dem Skateboard oder dem Snowboard einen Berg hinab, über eine Halfpipe oder mit dem Doppeldecker durch einen Sturm. Dabei galt es, Hindernissen auszuweichen und Goldsäcke einzusammeln. Wer es bis in die Höhle der Hexe schaffte, musste sich am Ende für eines von drei Seilen entscheiden. Mit etwas Glück stürzte Hexana in die Tiefe, mit Pech flog Hugo selbst davon.
Die Preise reichten von 50 bis 5.000 D-Mark, was die Sendung für viele Kinder in den 90ern zu einem ziemlich großen Ding machte. Bis Ende 1996 lief die klassische Hugo-Show, danach übernahm das Nachfolgeformat Hugo im Hexana-Schloss, in dem Julia Haacke die Hexe als reale Figur spielte. Insgesamt kamen allein in Deutschland mehrere hundert Folgen zusammen.
Parallel zur TV-Show eroberte Hugo auch die Heimcomputer. Bereits 1990 erschien in Dänemark das erste Spiel für den Commodore 64, kurz darauf folgten Versionen für Amiga und MS-DOS. Die Spiele übernahmen die Minispiele aus der Show eins zu eins, sodass du endlich ohne Telefonrechnung so oft spielen konntest, wie du wolltest.
In den folgenden Jahren veröffentlichte ITE eine wahre Flut an Titeln. Es gab nummerierte Teile bis Hugo 6: Wild River (1998), zahlreiche Sammlungen wie Hugo Gold und Hugo Platin, Weihnachtsspiele, Lernsoftware und Ableger für PlayStation und Game Boy. Anfang der 2000er folgten Titel wie Hugo: Black Diamond Fever sowie mehrere Lern- und Abenteuerspiele für den PC. Kaum ein Kinderzimmer kam damals an einer Hugo-CD-ROM vorbei.
Mitte der 2000er bekam der Troll ein neues Image verpasst. Ab 2005 erschienen unter dem Titel Agent Hugo mehrere Action-Abenteuer für PC, PlayStation 2, Game Boy Advance und später die Wii, in denen Hugo als Geheimagent unterwegs war. Mit dem klassischen Gameshow-Feeling hatte das nur noch wenig zu tun. In Deutschland lief 2006 sogar eine neue interaktive Sendung namens Agent Hugo auf dem Spielekanal Spi.KaTV, an den großen Erfolg der 90er konnte sie aber nicht anknüpfen.
2009 folgte mit Hugo: Magic in the Troll Woods ein weiterer Versuch für PS2, Wii, PC und Nintendo DS, veröffentlicht von der dänischen Firma Krea Medie, die inzwischen die Rechte an Hugo erworben hatte. Etwa 2011 kehrte man mit Hugo Retro Mania schließlich wieder zum Ursprung zurück und ließ den Troll erneut seine Familie aus den Fängen der Hexe befreien.
Den größten Erfolg der jüngeren Vergangenheit feierte Hugo auf dem Smartphone. Hugo Troll Race erschien 2012 und wurde zum am schnellsten verkauften dänischen Spiel im App Store: Innerhalb von nur drei Tagen wurde der Endlos-Runner weltweit über eine Million Mal heruntergeladen. 2016 folgte mit Hugo Troll Race 2 eine Fortsetzung, dazu kamen Aufbau- und Strategiespiele wie Hugo Troll Wars, die inzwischen allerdings wieder eingestellt wurden.
Hinter den Kulissen veränderte sich die Marke stark. Krea Medie wurde 2012 von Egmont übernommen, die Rechte an Hugo blieben jedoch außen vor und lagen bei der eigenständigen Firma Hugo Games. Diese wurde 2018 in 5th Planet Games umbenannt und konzentrierte sich zunehmend auf Online-Glücksspiele. Seitdem taucht Hugo vor allem in Online-Slots und Casino-Spielen auf, zuletzt 2023 mit Hugo Legacy. 2022 erschien zudem Hugo: Up & Away, ein Online-Spiel im Crash-Game-Format. Geplante Kinofilme rund um den Troll wurden dagegen nie verwirklicht.
Trotz des wenig glamourösen Schicksals der Marke ist Hugo in vielen Ländern bis heute Kult. In Argentinien kehrte die Show 2016 zu ihrem Jubiläum zurück, diesmal per Internet und App und lockte rund 1.600 Zuschauer vor Ort an. In Polen landete die dortige Version 2022 in einer Umfrage des Senders Polsat auf Platz vier der beliebtesten Kultsendungen. Auch hierzulande tauchen regelmäßig Retro-Artikel, YouTube-Videos und Fan-Projekte auf, die an die Telefon-Ära erinnern.
Aus heutiger Sicht war Hugo tatsächlich seiner Zeit voraus. Ein Spiel, das von einem entfernten Ort aus gesteuert und live übertragen wird, ist im Grunde das Prinzip von Cloud Gaming und Twitch-Streams, nur eben mit Telefonleitung und Röhrenfernseher statt Glasfaser und Smartphone. Dass die Verzögerung zwischen Tastendruck und Reaktion manchmal gnadenlos war, gehörte einfach dazu.
Was ist also aus Hugo geworden? Der kleine Troll lebt noch, allerdings eher in Spielautomaten und Mobile-Games als im Fernsehen oder auf großen Konsolen. Eine neue TV-Show oder ein großes Spiel für aktuelle Plattformen ist nicht in Sicht.
Ich persönlich fände eine moderne Neuauflage passend: eine Live-Show auf Twitch oder YouTube, bei der die Community per Chat oder Smartphone mitspielt, mit den klassischen Minispielen und natürlich den drei Seilen am Ende. Technisch wäre das heute einfacher denn je. Bis dahin bleibt Hugo eine der schönsten Erinnerungen an das Fernsehen der 90er, als ein simpler Anruf genügte, um selbst zum Star der Sendung zu werden.
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Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.