

Cthulhu: The Cosmic Abyss im Test: Blanker Horror oder Gruselfest?
Mit Cthulhu: The Cosmic Abyss möchten die Entwickler von Big Bad Wolf ein optisch ansprechendes, aber auch spielerisch neue Wege einschlagendes Horror-Adventure auf Gruselfans loslassen, das nicht nur auf Rätsel und Atmosphäre, sondern auch auf einige neue Spielelemente setzt. Dabei verbindet man den Horror von H.P. Lovecraft mit einem futuristischen Setting. Ob dieser Mix gutgeht oder zu ambitioniert ist?

Willkommen im kosmischen Abgrund
Schon der Titel lässt es vermuten: In Cthulhu: The Cosmic Abyss trifft der Horror von H.P. Lovecraft auf ein futuristisches Setting. Den Spieler verschlägt es in das Jahr 2053. Der Spieler schlüpft in die Haut von Ermittler Noah, der sein Geld mit dem Lösen okkulter Fälle verdient. Auf der Suche nach einer Bekannten führt ihn die Fährte in eine versunkene Stadt: R'lyeh. Und hier beginnt die Reise in die Welt des Cthulhu-Mythos. Die Stadt entspringt nämlich der ersten Geschichte rund um das wohl bekannteste Monster von Lovecraft.
Begleitet wird Noah von der KI KEY, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. In der versunkenen Stadt vermutet der Protagonist, Spuren zum Verschwinden einer Expedition des Unternehmens Ocean-l zu finden. Stattdessen begibt er sich unwissend auf die Spur von Cthulhu.
Da Cthulhu: The Cosmic Abyss ein storygetriebenes Adventure ist, liegt natürlich der Fokus auf der Handlung und deren Inszenierung. Die Entwickler von Big Bad Wolf haben hier einen guten Job geleistet. Viele Anspielungen auf die Schauplätze und Charaktere aus Lovecrafts Mythos sind ebenso zu finden wie viel Storytelling durch die Umgebung. Wer genau hinschaut, findet jede Menge Hinweise zum Schicksal, das die Teilnehmer der Expedition von Ocean-l ereilt hat.
Die Geschichte ist, wie zu erwarten, ziemlich düster und setzt (wie schon die Erzählungen Lovecrafts) auf ein langsames Abdriften in den Wahnsinn. Die Inszenierung ist filmisch gehalten. Durch die Ego-Perspektive ist man als Spieler immer mitten im Geschehen. Das funktioniert rundum gut und bietet insgesamt das Gefühl, die Story selbst zu erleben. Wie für diese Art Spiel typisch, gibt es auch jede Menge Storyfetzen in Form von herumliegenden Dokumenten zu lesen. Nervig ist nur, dass dies manchmal nicht optional ist, denn manche Hinweise zum Lösen der Rätsel sind hinter langweiligen Textwänden versteckt.
Dabei ist das Pacing eher langsam und auf Stimmung getrimmt. Große Action und schnelle Momente wird man hier im Spielverlauf nicht finden. Die Geschichte entfaltet sich und nimmt sich dafür Zeit.

Rätsel und Wahnsinn
Neben dem Erleben der Geschichte stehen vor allem die Rätsel im Mittelpunkt des Spiels. Diese schwanken zwischen „schon gesehen“ und ziemlich kreativ. Hervorstechend sind hier vor allem die Knobeleien, in denen man die Umgebung sorgfältig scannen muss, um anhand des Entdeckten in bester Sherlock-Holmes-Manier die einzelnen Teile im Deduktionsstil zu einer Lösung zusammenzusetzen.
Um die Umgebung besser erkunden zu können, hat der Spieler einen Sonar-Scanner, der allerdings immer wieder mit Daten zu bestimmten Gegenständen „gefüttert“ werden muss, um auf die richtige Fährte zu gelangen. Hier haben die Entwickler ein paar kleine Stellschrauben gefunden, um dem Spiel eine gewisse Eigenständigkeit zu geben. Das hilft, dass Cthulhu: The Cosmic Abyss aus der Masse an ähnlichen Games etwas heraussticht.
Das größte Alleinstellungsmerkmal ist allerdings das Sanity-System. Protagonist Noah wird durch die Begegnungen und die Entscheidungen im Spiel maßgeblich in seinem geistigen Wohlbefinden beeinträchtigt und droht ständig, in den Wahnsinn abzurutschen. Das Sanity-System hat Auswirkungen darauf, wie man die Umgebung wahrnimmt und welchen Verlauf das Spiel nimmt.
Um dem Spiel etwas Wiederspielwert zu geben, können verschiedene Enden freigespielt werden. Das ist recht clever mit dem Gameplay und auch den Rätseln verwoben. So kann man Rätsel auf verschiedene Arten lösen, und einige Lösungsansätze wirken sich auf das Wahnsinnslevel aus und sorgen für einen entsprechend anderen Spielverlauf.
Insgesamt sind das alles gute Ideen, die aber eher auf dem Papier funktionieren. Vor allem die Rätsel wirken irgendwie unausgegoren. Oft sind sie zu komplex oder geradezu wirr. Das ist echt schade, denn optisch und storytechnisch hat das Spiel durchaus einiges zu bieten, und so fühlt es sich manchmal an, als ob man sich durch zähe Rätsel kämpfen muss, nur um die Story weiterschauen zu dürfen.

Wunderschöner Wahnsinn
Was die Entwickler von Big Bad Wolf da mithilfe der Unreal-5-Engine gezaubert haben, kann sich wirklich sehen lassen. Die Grafik ist sicher das größte Argument für Cthulhu: The Cosmic Abyss. Die Level sind schön ausgestaltet, und alles sieht einfach großartig aus.
Die Performance kann jedoch hin und wieder einknicken, und das stört hin und wieder das Gesamtbild.
Klanglich gibt es wenig zu beanstanden. Sound und Vertonung kommen ohne Störfaktoren daher und untermalen das Geschehen eher, als sich aufzudrängen und eigene Akzente zu setzen. Das funktioniert im Gesamtgefüge sehr gut.

Fazit
Cthulhu: The Cosmic Abyss will vieles neu machen und scheitert teilweise genau daran. Vor allem die eigenständigen Rätsel sind ein großer Dämpfer im Spielspaß. Hier wären etwas „konventionellere“ Knobeleien vielleicht besser gewesen, denn die Geschichte trägt das Spiel über weite Strecken. Optisch kann man wenig meckern, und klanglich ist alles gut in Szene gesetzt.
Das Sanity-System ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet es Wiederspielwert, da man andere Wege gehen kann und weil man die Umgebung dadurch anders wahrnimmt, auf der anderen Seite kann das System mitunter nervig werden und den Spielfluss dämpfen.
So wirkt das Spiel in Summe mutig, weil es neue Wege einschlägt, aber andererseits auch noch ein wenig zu unausgegoren, um uneingeschränkt zu überzeugen. Wer auf atmosphärisch dichte Horrorerzählungen steht und sich an komplexen Rätseln nicht stört, wird hier aber eine spannend erzählte Singleplayer-Erfahrung mit starkem narrativem Fokus finden, die über die Spielzeit gut motivieren kann.
- Grafisch stark
- Story kann überzeugen
- Big Bad Wolf haben viel Eigenständigkeit gewagt
- Einige Rätsel sind wirklich wirr
- Oft wird der Spielfluss durch langweiliges Dokumentenlesen gedämpft
- Insgesamt etwas zu unausgegoren, um vollends zu überzeugen
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Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

