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Review

The Relic: First Guardian im Test: Zwischen ambitioniertem Soulslike und rohem Diamanten

Von Tjark am 28. August 2026. Getestet auf PC. 6 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Mit The Relic: First Guardian versucht sich das koreanische Entwicklerteam Project Cloud Games an einem ambitionierten Action-RPG, das klar in Richtung Soulslike schielt. Eine düstere Fantasywelt, mächtige Bosse, Erkundung und ein kampforientiertes Gameplay sollen Spielerinnen und Spieler über Stunden bei der Stange halten. Das Ergebnis ist ein Spiel, bei dem man durchaus erkennen kann, was das Entwicklerteam erreichen wollte. Gleichzeitig wird aber schnell deutlich, dass The Relic: First Guardian an vielen Stellen noch nicht ganz mit den großen Vorbildern mithalten kann.

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Eine Welt am Abgrund

Die Geschichte von The Relic: First Guardian spielt in einer Welt, die von einer gewaltigen Bedrohung heimgesucht wird. Als Guardian liegt es am Spieler, die Hintergründe dieser Katastrophe aufzudecken und einen Weg zu finden, die Welt vor ihrem Untergang zu bewahren und dabei die Bruchstücke des namensgebenden Relikts zusammenzufügen. Die Handlung wird vor allem über Dialoge, gefundene Gegenstände und Tagebücher vermittelt. Das funktioniert grundsätzlich ordentlich. Gerade die Tagebücher und zusätzlichen Geschichten belohnen neugierige Spieler und sorgen dafür, dass die Welt etwas mehr Tiefe bekommt. Auch die eigene Progression ist erfreulich nachvollziehbar: Bosse und neue Gebiete vermitteln regelmäßig das Gefühl, tatsächlich voranzukommen.

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Allerdings kann die Inszenierung unnötig frustrierend sein. Wer Dialoge überspringt oder sich etwas abseits des vorgesehenen Weges bewegt, kann wichtige Informationen und zentrale Punkte der Handlung verpassen. Hinzu kommt ein merkwürdiges Dialogverhalten. Manche Gespräche lassen sich überspringen, bei anderen muss man plötzlich warten, bevor überhaupt wieder mit einem Objekt oder einer Figur interagiert werden kann. Die Geschichte ist damit keineswegs schlecht, aber sie hätte von einer konsistenteren Präsentation profitiert. Wer sich auf die Welt einlässt und aufmerksam erkundet, bekommt dennoch einiges geboten.

Solides Kampfsystem mit einigen Macken

Das Herzstück von The Relic: First Guardian ist natürlich der Kampf. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass das Spiel über seine Gewichtsklasse hinausboxen möchte. Angriffe, Ausweichen, Blocken und das gezielte Bekämpfen von Gegnern bilden die Grundlage der Auseinandersetzungen. Gerade die zahlreichen Bosse (über 90) gehören zu den stärkeren Aspekten des Spiels. Viele der Bossgegner sind zumindest optisch und spielerisch ausreichend voneinander unterscheidbar, wenn auch fast alle humanoid. Das eine oder andere große Monster, Drache oder Rieseninsekt hätte hier noch Abwechslung hineingebracht. Besonders die humanoiden Kontrahenten können spannende Begegnungen liefern und sorgen für einige der besten Momente des Spiels. Zusammen mit der Charakterprogression entsteht ein befriedigendes Gefühl, wenn man einen schwierigen Gegner endlich bezwingt.

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Weniger überzeugend sind dagegen die normalen Gegner. Hier wiederholen sich die Gegnertypen recht schnell, wodurch die Kämpfe mit zunehmender Spielzeit an Abwechslung verlieren. Auch die Bewegungsanimationen tragen nicht immer zur Atmosphäre bei. Beim Rennen und Ausweichen entsteht teilweise ein regelrechtes „Skating“-Gefühl, als würde die Figur eher über den Boden rutschen als tatsächlich laufen. Besonders problematisch ist die Kamera. Vor allem beim Lock-on kann sie sich so ungünstig positionieren, dass eigentlich vermeidbare Treffer entstehen. In einem Spiel, das seine Kämpfe stark auf Timing und Positionierung auslegt, ist das mehr als nur ein kleiner Schönheitsfehler.

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Auch die Ausdaueranzeige sorgt gelegentlich für Verwirrung. Das Stamina-System wirkt unnötig kryptisch. Teilweise scheint sich die Anzeige kaum zu bewegen, bevor die Ausdauer plötzlich komplett aufgebraucht ist. Das macht manche Situationen schwer nachvollziehbar und verhindert, dass man das System wirklich zuverlässig einschätzen kann.

Erkunden lohnt sich

Abseits der Kämpfe versucht The Relic: First Guardian, mit Erkundung und Sammelobjekten zu motivieren. Das gelingt durchaus. In der Welt finden sich zahlreiche Gegenstände, Geschichten und gelegentlich auch neue Waffen oder Rüstungsteile. Wer nicht einfach dem offensichtlichen Weg folgt, wird immer wieder für seine Neugier belohnt. Auch die verschiedenen Gebiete unterscheiden sich erfreulich deutlich voneinander. Dadurch bekommt die Reise durch die Spielwelt eine gewisse Struktur und verhindert zumindest auf visueller Ebene, dass alles wie ein einziger großer Fantasy-Schauplatz wirkt.

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Allerdings gibt es auch hier einige Probleme. Assets tauchen teilweise sichtbar nachträglich auf oder ploppen in die Spielwelt hinein. Besonders auffällig wird das, wenn man sich durch die Umgebung bewegt und Objekte erst kurz vor dem Spieler erscheinen. Die Platzierung von Geld erinnert zudem etwas zu offensichtlich an eine klassische Brotkrumenspur, der man folgen soll.

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Ein weiteres Ärgernis sind die automatischen Speicherpunkte. Es gibt ausschließlich Autosaves, allerdings wird nicht immer klar, wann genau das Spiel tatsächlich gespeichert hat. Gerade nach längeren Erkundungspassagen oder vor schwierigen Begegnungen kann das für Unsicherheit sorgen und hat auch schon einige Minuten bis Stunden Fortschritt gekostet.

Optik mit angezogener Handbremse

Technisch ist The Relic: First Guardian wahrscheinlich der Bereich, in dem die Ambitionen des Spiels am deutlichsten mit der Realität kollidieren. Die einzelnen Areale können durchaus hübsch aussehen und haben einen eigenen visuellen Charakter. Insgesamt wirkt die Grafik allerdings eher wie aus einer früheren Konsolengeneration.

Das Problem wird durch das Upscaling zusätzlich verstärkt. Viele Elemente wirken dadurch verwaschen und wenig scharf. Zusammen mit den teilweise nachladenden Assets entsteht ein technischer Eindruck, der deutlich hinter aktuellen Genrevertretern zurückbleibt. Auch die Framerate ist nicht immer stabil. Gerade wenn das Spiel eigentlich eine flüssige Präsentation benötigen würde, kommt es zu Schwankungen. Das ist besonders im Kampf ärgerlich, weil eine inkonsistente Bildrate direkt das Timing beeinflussen kann.

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Dazu kommt ein etwas seltsames UI, das nicht immer besonders intuitiv wirkt. Die Einstellungsmöglichkeiten fallen enttäuschend gering aus. Wer eine umfangreiche Auswahl an Grafik-, Anzeige- oder Gameplay-Optionen erwartet, wird hier schnell an Grenzen stoßen.

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Einen Charaktereditor gibt es übrigens nicht. Nicht mal eine Auswahl von verschiedenen Startausrüstungen kriegen wir präsentiert. Das ist zwar kein gravierender Fehler, wirkt bei einem modernen Action-RPG aber etwas mager.

Audio ohne große Ausreißer

Akustisch präsentiert sich The Relic: First Guardian eher solide als spektakulär. Die musikalische Untermalung unterstützt die düstere Fantasyatmosphäre und funktioniert besonders bei den größeren Begegnungen ordentlich. Auch Soundeffekte und Kampfgeräusche erfüllen ihren Zweck.

Allerdings fehlt es insgesamt etwas an der großen audiovisuellen Wucht, die das Spiel eigentlich gerne vermitteln möchte. Die Musik kann die technischen und inszenatorischen Schwächen nicht immer auffangen. Der Sound bleibt damit funktional und passend, setzt aber kaum eigene Akzente.

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Fazit

The Relic: First Guardian ist ein interessantes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Entwicklerteam versucht, deutlich über die eigene Gewichtsklasse hinauszuschlagen. Und genau das muss man dem Spiel zugutehalten: Die Ambitionen sind klar erkennbar. Die Entwickler wollen eine große Fantasywelt mit umfangreicher Erkundung, anspruchsvollen Kämpfen, zahlreichen Bossen und einer nachvollziehbaren Progression erschaffen.

Vieles davon funktioniert sogar ordentlich. Die Bosse sind abwechslungsreicher als die normalen Gegner, die verschiedenen Areale besitzen einen eigenen Charakter und es gibt genug zu entdecken, um neugierige Spieler zu belohnen. Auch die Progression aus Kämpfen, Geschichten, Tagebüchern und Ausrüstung funktioniert grundsätzlich gut.

Zugute halten muss man Project Cloud Games, dass sie in zahlreichen Patches, seit Release schon ordentlich nachgelegt haben. Doch The Relic: First Guardian ist nicht einfach nur ein paar Bugs von einem wirklich guten Spiel entfernt. Dafür sitzen die Probleme zu tief. Die repetitive Gegnerauswahl, die schwache technische Präsentation, die unglückliche Kamera, das merkwürdige UI, die inkonsistente Framerate und verschiedene Designentscheidungen bremsen das Erlebnis immer wieder aus. Ein reines Bugfix-Update würde deshalb nicht ausreichen. Das Spiel braucht an mehreren Stellen grundlegende Verbesserungen und Feinschliff.

Unterm Strich bleibt ein okayes Action-RPG mit einigen guten Ideen und durchaus sehenswerten Bosskämpfen. Wer eine Schwäche für kleinere Soulslikes hat und über technische Unzulänglichkeiten hinwegsehen kann, dürfte hier durchaus seinen Spaß finden. Zum aktuellen Preis fällt es allerdings schwer, eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen. The Relic: First Guardian zeigt vielversprechendes Potenzial, verlangt dafür aber derzeit deutlich zu viel Geld.

Pro:
  • Viele Bosse
  • Große erkundbare Spielwelt
  • Erkundung wird belohnt
  • Ambitionierte Entwickler, die Nachpatchen
Contra:
  • Inkonsistente Framerate
  • Schwache Animationen
  • Repetitive Gegner
  • Kaum Einstellungsmöglichkeiten
  • Optisch eher in der PS3-Ära
  • Storytelling in seiner Art sehr sprunghaft
  • Zu hoher Preistag für das gelieferte
Story:
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Gameplay:
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Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 3.5 / 10
Spiel getestet auf: PC

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Tjark

Tjark

Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

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